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Rundweg soll den Ort der NS-Reichserntedankfeste besser verständlich machen

Bückeberg als Lernort – Skepsis weicht

EMMERTHAL. Kaum ein Ort der NS-Vergangenheit, der in der Gegenwart so stark polarisierte wie der Bückeberg: Die einen wollten ihn als früheren Festplatz der Reichserntedankfeste erklärbar machen, andere wollten am liebsten nicht mehr an diese Zeit erinnern. Nun soll ein Rundweg die Hintergründe verständlich machen.

veröffentlicht am 10.02.2017 um 14:56 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:20 Uhr

Von der Ehrentribüne zeugen noch die Betonfundamente. „Eine Rekonstruktion ist in keiner Weise geplant“, sagt aber Bernhard Gelderblom zur Gestaltung des früheren NS-Festplatzes. Foto: Wal
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

So viel Wohlwollen für das Projekt Bückeberg in Emmerthal als Ort der NS-Zeitgeschichte hat sich Bernhard Gelderblom in vielen Jahren hart erarbeiten müssen. Der zuständige Ausschuss des Landkreises bewilligte nicht nur weitere Gelder, um den unter Denkmalschutz stehenden Schauplatz der Propagandaveranstaltung Reichserntedankfeste in den dreißiger Jahren als „Dokumentations- und Lernstätte“ zu erschließen. Die Politiker würdigten vor allem die Bemühungen, den sogenannten Festplatz über einen Rundweg so zu gestalten, um das Bestreben der Nazis, die Bevölkerung für ihre Ideologie zu begeistern, besser zu verstehen. „Ich gehörte selbst zu den Skeptikern“, meinte Ursula Körtner (CDU) als Vorsitzende des Kreisschulausschusses. In der Bevölkerung und in der Politik habe es durchaus zunächst „emotionale Ablehnung“ gegeben. „Viele Skeptiker sind inzwischen aber überzeugt, dass es richtige Weg ist“, sagte Körtner. „Und zu denen gehöre ich auch.“

Mit finanzieller Unterstützung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten – sie betreut beispielsweise auch maßgeblich Bergen-Belsen – und anderer Geldgeber war im vergangenen Jahr das Projekt „Dokumentation Bückeberg“ gestartet worden. Inzwischen nähere sich die Halbzeit für das auf zwei Jahre angelegte Projekt, sagte Gelderblom – „wir müssen uns sputen“. Mit Anett Schweitzer als Projektkoordinatorin und Dr. Mario Keller-Holte als wissenschaftlicher Mitarbeiter seien zuletzt weitere Grundlagen geschaffen worden. Dazu gehörte beispielsweise im September ein Workshop mit Wissenschaftlern aus Nürnberg sowie vom Obersalzberg und von der Ordensburg Vogelsang, die als bedeutende Orte der NS-Zeit ebenfalls die Vergangenheit aufgearbeitet haben. Weitere Workshops seien im Frühjahr vorgesehen, bevor die Umsetzungs- und Bauphase für den 1,6 Kilometer Rundweg mit acht Informationsinseln am Bückeberg bevorstehe. Gel-derblom bekräftigte: Eingriffe ins Gelände werde es mit Ausnahme von Gehölzrückschnitten nicht geben. „Eine Rekonstruktion ist in keiner Weise geplant“, sagte er.

Irmgard A. Lohmann (CDU), die selbst am Bückeberg wohnt, sprach von einer wichtigen Stätte, die sogar internationale Beachtung finde, wie sie aus eigenem Erleben wisse. Besonders angesichts jüngster Äußerungen aus der AfD hob Dr. Wilhelm Koops „die eminent wichtige Aufgabe“ hervor, sich der Geschichte zu stellen. Der Bückeberg mache anschaulich, mit welch subtilen Mitteln erreicht worden sei, durch die Massenhysterie die Diktatur zu stärken. Koops: „Wir können dieser Erinnerung nicht davonlaufen.“



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