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Erfolgreiches HLA-Geschichtsprojekt zu Reichserntedankfesten

Aus Desinteresse wurde Engagement

Hameln. Am Anfang gab es Widerstände und Zweifel. Zweifel an einem Geschichtsprojekt der Handelslehranstalten zu den sogenannten Reichserntedankfesten auf dem Bückeberg. Nicht allen Schülern, die als Ausstellungslotsen fungieren sollten, wurde vom Kollegium eine erfolgreiche Arbeit zugetraut, da sie im bisherigen Unterricht eher durch Desinteresse und Unzuverlässigkeit aufgefallen waren. Dass gerade diese Schüler später für ihre Führungen gelobt wurden und in den Zeitzeugengesprächen die reflektiertesten Fragen stellten, zeigt Projektleiter Henning Eimer, wie wichtig es ist, solche Projekte durchzuführen und Schülerinnen und Schüler auf eine ganzheitliche Weise zu fordern. Als am 1. Oktober, dem 80. Jahrestag des ersten Reichserntedankfestes der Nationalsozialisten auf dem Bückeberg, Bilanz gezogen wurde, sagte er, dass alle Erwartungen übertroffen worden seien.

veröffentlicht am 08.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:27 Uhr

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Die Fachgruppe Geschichte der HLA hatte bereits vor einem Jahr beschlossen, das Thema Nationalsozialismus im Unterricht anlässlich des Jahrestages der Reichserntedankfeste zu entwickeln. Dies geschah in der Überzeugung, dass Schülerinnen und Schüler am besten projektorientiert und regional vor Ort lernen. Der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom stellte seine Ausstellung „Ein Volk dankt seinem (Ver)führer. Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg bei Hameln 1933-37“ zur Verfügung und erklärte sich zur Unterstützung des Schulprojektes bereit. Im Sommer wirkte Eimer mit Schülerinnen und Schülern seiner Geschichtskurse an den Dreharbeiten zu zwei Dokumentarfilmen mit.

Die „heiße Phase“ des Projektes begann unmittelbar nach den Sommerferien. Stellwände mussten in der Schreinerei der Eugen-Reintjes-Schule gebaut, Einladungen zur Ausstellungseröffnung verschickt, Faltblätter gestaltet und verteilt werden, die Schulband unter Leitung von Ralf Stege probte Antikriegslieder, und Kristine Crummenauer organisierte mit ihrer Berufsfachschule das Catering. Das Begleitprogramm mit einem Vortragsabend, einer Führung über das Festgelände am Bückeberg und einer Lesung im Theater Hameln wurde vorbereitet.

Bernhard Gelderblom bildete in einem dreitägigen Seminar 19 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums und drei Schüler des Beruflichen Gymnasiums der Eugen-Reintjes-Schule, die sich freiwillig hierfür gemeldet hatten, zu Ausstellungslotsen aus.

Gerade beim Zusammentreffen mit älteren Besuchern kam es zu spannenden Gesprächen: Ein Seniorenpaar aus Bad Pyrmont erklärte sich sogar spontan dazu bereit, erneut in die Schule zu kommen und sich den Fragen der jungen Leute zu stellen. Die Schüler wiederum fragten in einer unerwarteten Offenheit: Als etwa eine Zeitzeugin erzählte, dass ihr Vater als Berufssoldat und Offizier in der Sowjetunion gekämpft habe, fragte eine Schülerin, ob dieser auch an der Ermordung von Juden beteiligt gewesen sei. Die Zeitzeugin wiederum antwortete in der gleichen Offenheit und beeindruckte die Klasse damit tief. Eimer: „Es wird deutlich, dass dieses Geschichtsprojekt, das durch den Landschaftsverband Hameln-Pyrmont und die Sparkasse Weserbergland unterstützt wurde, der Jugend neue Zugänge zur Geschichte unserer Region ermöglichte.red

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