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Zuschüsse zum Schülerrudern rückwirkend gestrichen / Gymnasien und Realschulen nicht rechtzeitig informiert

Stadt lässt Rudervereine im Regen stehen

Hameln (ni). Es war seit Jahrzehnten ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Gymnasien und Realschulen konnten im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder Sportkursen die Boote der beiden Hamelner Rudervereine nutzen. Im Gegenzug zahlte die Stadt an RCGH und RVW über 3000 Euro als Kostenerstattung für Materialverbrauch und Reparaturen. Jetzt hat die Stadt diese Vereinbarung aufgekündigt – rückwirkend zum 1. Januar und für die Schulen genauso überraschend wie für die Vereine.

veröffentlicht am 05.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:41 Uhr

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Im stillen Kämmerlein des Arbeitskreises Haushaltskonsolidierung fiel Anfang des Jahres die Vorentscheidung: Der Zuschuss zum „Schülerrudern“ in Höhe von insgesamt 7800 Euro soll ersatzlos gestrichen werden. Still und leise wanderte der Vorschlag als Sparmaßnahme ins Haushaltssicherungskonzept zum Haushaltsplan 2012, den der Rat am 21. März verabschiedete. Erst Mitte April setzte die Schulabteilung die Vereine per Brief davon in Kenntnis, dass sie sich den Zuschuss ab 2012 und Folgejahre abschminken müssen. Die Schulen rechtzeitig darüber zu informieren, hielt man ebenfalls nicht für erforderlich. Und weil die Politik im Vorfeld ihrer Entscheidung weder das Gespräch mit den Schulen noch mit den Vereinen gesucht hat, stehen die nun vor einem Problem: Die Schulen haben noch zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres im Februar das Schülerrudern angeboten. Woraufhin sich fast 200 Jungen und Mädchen für diesen Sport entschieden und seitdem regelmäßig mit den Booten der beiden Vereine auf die Weser gehen, ohne dass die Vereine dafür auch nur einen Cent sähen. Der Zuschuss der Stadt, so erklärt der RCGH-Vorsitzende Gerhard Ohlendorf, wurde hauptsächlich verwendet, um Reparaturen an den Booten bezahlen zu können. Bei der Beanspruchung durch so viele Schüler werde das Material nun mal strapaziert und blieben Schäden nicht aus. Der RV Weser hat laut seinem stellvertretenden Vorsitzenden Frank Höltje von dem Geld außerdem einen jungen Mann finanziert, der beim Verein sein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet und im Bereich Schülerrudern eingesetzt ist. Die Nachricht, dass die Mittel ausbleiben, „hat uns ziemlich getroffen, weil wir das Geld schon eingeplant hatten“, sagt Höltje und wirft der Stadt vor, sie messe mit zweierlei Maß: „Andere Vereine können städtische Hallen und Plätze gratis nutzen, und wir sollen nicht einmal mehr etwas dafür bekommen, dass wir unser Vereinsmaterial den Schulen zur Verfügung stellen.“ Auch Uhlendorf findet es „sehr unhöflich, uns die Mittel ohne jede vorherige Ankündigung und dann auch noch rückwirkend zu streichen“. Aus dem Rathaus heißt es dazu lapidar: „Wir sehen durchaus, dass das ein Problem ist für die Vereine, aber wir mussten den Ratsbeschluss umsetzen.“

„So war das eigentlich nicht gedacht“, sagt dagegen CDU-Fraktionschef Claudio Griese und versucht, die Ehre der Politik zu retten. Der Arbeitskreis habe sich damals zwar geschlossen für die Streichung des Zuschusses ausgesprochen, „allerdings mit der Intention, dass die Schulen die 7800 Euro aus ihren Schulbudgets abdecken sollen“. An denen habe die Politik entgegen einer Empfehlung der Verwaltung seinerzeit nämlich keine Kürzungen vorgenommen. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Verwaltung die Schulen und die Vereine entsprechend informiert“, so Griese. Doch in der Schulabteilung des Rathauses ist offenbar nicht angekommen, was Politik und Verwaltungsspitzen miteinander besprochen haben.

Rudervereine und Schulleiter wollen sich in den nächsten Tagen zusammensetzen, um wenigstens eine Lösung für dieses Schuljahr zu finden. Wie die aussehen könnte? „Keine Ahnung“, sagt der Schulleiter des Schiller-Gymnasiums, Andreas Jungnitz. „Die Schulbudgets sind seit 1996 unverändert und reichen heute schon hinten und vorne nicht mehr aus.“

In einem Boot: fünf von fast 200 Schülern, die sich fürs Schülerrudern entschieden haben. Foto: Dana



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