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Kreis-Netzmanager: „Tür noch nicht zugeschlossen“

Wieso Bessinghausen eine zweite Chance auf schnelles Internet hat

BESSINGHAUSEN. Landwirte wie Jasper Sporleder sind heutzutage auf das Internet angewiesen. Online-Banking, Meldeprogramme, Düngebilanzen, Viehmeldungen, all das wird über das Netz abgewickelt. Seine Versorgung mit 30 Mbit/sec durch die Telekom wird selten erreicht, weshalb ihm die Nachricht des Landkreises – dass nur jene Orte mit schellen Internet versorgt werden, die nicht an einer 30 Mbit-Leitung hängen, schockiert. „Wir zahlen hier die gleichen Steuern wie alle anderen im Landkreis, und da kann man uns jetzt nicht einfach das schnelle Internet vorenthalten“, kritisiert der Landwirt. Mögliche Hilfe kommt vom Kreis-Netzmanager.

veröffentlicht am 31.07.2018 um 15:59 Uhr
aktualisiert am 31.07.2018 um 20:30 Uhr

Landwirt Jasper Sporleder ist in seinem Betrieb auf ein schnelleres Internet angewiesen. Foto: joa
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Jasper Sporleder betreibt mit 175 Hektar Acker und Grünland den letzten landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb in Bessinghausen. Der 39-Jährige ist im zweiten Umstellungsjahr zum Biobetrieb, produziert Getreide und Rindfleisch. Als Unternehmer ist Sporleder auf ein leistungsfähiges, schnelles Internet angewiesen. Denn nicht nur Online-Banking wird im Landwirtschaftsbetrieb über das Netz erledigt, sondern auch der andere immer größer werdende Schreibkram wie Meldeprogramme und Düngebilanzen sowie Viehmeldungen ins Zentralregister läuft mittlerweile über das Netz. Jasper Sporleder wird mit dem Telekom-Anschluss zwar eine Versorgung von 30 Mbit/sec versprochen. Laut Speedtest ist die Versorgung im Schnitt aber niedriger. Sporleder: „Vor allen in zugriffsstarken Zeiten wie am Wochenende ist da kaum was zu machen.“ Angesichts der Tatsache, dass der Hof Sporleder mit seiner Vermarktung künftig stärker ins Internet will und man über die Einrichtung eines Hofladens und eine verstärkte Internet-Präsentation nachdenkt, meint der Landwirt: „Wir zahlen hier die gleichen Steuern wie alle anderen im Landkreis, und da kann man uns jetzt nicht einfach das schnelle Internet vorenthalten.“

Bessinghausen ist das kleinste der 17 ehemals selbstständigen Dörfer in der Gemeinde Emmerthal. Ganze 51 Einwohner leben heute noch in diesem Dörfchen vor der Hasselburg, dem 265 Meter hohen Bergrücken, durch den sich in wilden Kurven die L 425 in Richtung Lauenstein windet. Es gibt nur zwei Straßen in der Ortschaft: Der Teil der Landesstraße im Dorf heißt „Zum Heyerstieg“, die zweite Straße „Unter der Hasselburg“.

Bessinghausen gehört zusammen mit Brockensen, Esperde, Frenke, Hajen und Latferde zur Emmerthaler Ortschaft Börry. Und deren Bürgermeister Rolf Keller will sich einen Nicht-Anschluss durch den Provider htp nicht gefallen lassen. Im ebenfalls unterversorgten Hajen, Frenke, Brockensen und Esperde werde das schnelle Breitband bis Ende 2020 fertig sein, ist Keller zufrieden. In Latferde und Börry ändere sich zunächst nichts, weil dort bereits eine Geschwindigkeit von über 30 Mbit/sec. durch die Telekom vorgehalten wird, so die Auskunft der Betreiberfirma htp. Dass in Bessinghausen aus wirtschaftlichen Gründen bei maximal 25 Haushalten keine Gigabit-Versorgung vorgesehen ist, wolle man sich aber nicht gefallen lassen, so Börrys Bürgermeister. Denn bislang habe es auch von Dezernatsleiter Andreas Manz, beim Kreis für das Breitband-Ausbau-Projekt zuständig, immer geheißen, dass auch Bessinghausen, derzeit mit einer praktischen Telekom-Versorgung weit unter 30 Mbit/sec, ans neue Netz käme – trotz seiner nur 51 Einwohner, ärgert sich Keller. Nur von einigen nicht angeschlossenen Einzelhöfen sei als Ausnahme im Bereich Börry die Rede gewesen.

Nur 25 Haushalte und bislang nicht im Netz-Ausbauplan: Bessinghausen wird bereits von der Telekom versorgt. Foto: wfx
  • Nur 25 Haushalte und bislang nicht im Netz-Ausbauplan: Bessinghausen wird bereits von der Telekom versorgt. Foto: wfx

Keller beruft sich deshalb auf das Versprechen von Landrat Tjark Bartels, dass jedes unterversorgte Dorf ans neue Glasfaser-Netz käme. Der Kreistag hat für das Projekt 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Wir fordern nun ein, dass bei so viel Geld der Ausbau der Infrastruktur an Bessinghausen nicht einfach vorbeigeht.“ Für den CDU-Mann wird nämlich jetzt allzu deutlich, dass ehemalige politische Versprechen von Politik und Kreisverwaltung sich unter den Wirtschaftlichkeitsüberlegungen eines scharf kalkulierenden Providers nun wohl nicht mehr halten lassen. Und das ehemalige politische Versprechen „Gigabit für jedes Haus im Landkreis“ verkomme so anscheinend zur Mogelpackung.

Für Andreas Manz, Dezernatsleiter beim Landkreis und für das Netz-Projekt zuständig, ist die gesamte Aufregung jedoch noch verfrüht. Er rät allen Ortschaften, die derzeit nicht im offiziellen Ausbauplan sind, dennoch über Antragsformular ihr Interesse an einem Gigabit-Anschluss anzumelden. Denn bei ausreichend großem Interesse habe der Provider dann auch einen Ausbau auf eigene Kosten angekündigt, so Manz: Für die bislang noch außen Vorgelassenen sei „die Tür somit längst noch nicht zugeschlossen“, so der Kreis-Netzmanager, der verspricht, dann mit htp nachverhandeln zu wollen.

Die Politik in Börry will ebenfalls aktiv werden: Am 17. Oktober findet in Bessinghausen eine Ortsratssitzung statt. Dazu hat Bürgermeister Keller die Betreiberfirma eingeladen. Bereits im September ist zudem eine öffentliche Infoveranstaltung zum Thema schnelles Internet in der Sporthalle Hajen geplant.



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