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Zahlreiche Haushalte im Lügder Umfeld warten auf bessere Breitbandversorgung

Wann wird das Datendunkel erhellt?

LÜGDE. „So manche Orte im Lügder Umfeld kommen sich vor wie das gallische Dorf von Asterix: Ringsum werden Bewohner mit einer besseren Internetverbindung versorgt, nur im lippischen Lügde ...“, äußert Harald Sanderschäfer aus Lügde-Wörderfeld von den Freien Wählern. Dabei hat es doch erst vor einem Monat Medien aufmerksam machende Informationen im Lügder Rathaus und bei der Detmolder Kreisverwaltung gegeben, in denen insbesondere der Breitbandausbau für lippische Gewerbegebiete vorgestellt worden war. Sanderschäfer befürchtet eine Bevorzugung der Gewerbegebiete und eine Benachteiligung von Privathaushalten.

veröffentlicht am 15.05.2019 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 15.05.2019 um 20:40 Uhr

Auf schnellere Internetverbindungen warten zahlreiche Haushalte im Lügder Umfeld. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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„Schön und gut, doch was geschieht für die privaten Haushalte? Wenn die Dörfer nicht besser internetfähig versorgt werden, zieht es doch keine Jüngeren in diese für sie unattraktiven Wohngegenden, was im Umkehrschluss das Aussterben der Dörfer bedeutet“, kommentiert der Wörderfelder.

Wie sieht es denn nun aktuell auf dem Flickenteppich des schnellen Internets aus? Im Nachbarbereich auf niedersächsischer Seite hat der Landkreis die Versorgung seiner Orte mit förderfähigem Glasfaserausbau unter der Direktive, alle Orte unter 30 MBit pro Sekunde Internetversorgung sind förderfähig, an sich gezogen. Dort bekommen nun schon fast alle Orte des Landkreises Glasfaserversorgung, lediglich Großenberg kämpft noch um die Förderaufnahme.

Was zeigt der Blick in den Kreis Lippe, speziell auf Lügde mit den angegliederten Ortsteilen? Buddelei und Kabelverlegung gab es bereits in Lügde wie auch in der nahen Nachbarstadt Bad Pyrmont. Und aus einem Vortrag des Breitbandkoordinators Ulrich Stephanides von der lippischen Kreisverwaltung vor dem Lügder Fachausschuss zeichnete sich laut Bürgermeister Reker das Ergebnis ab, dass im Lügder Gewerbegebiet „bis knapp vor die Tür eines jeden hier ansässigen Betriebes“ der Ausbau per Glasfaser umgesetzt werden soll. Laut Aussage von André Gronemeier vom Kreis Lippe im November des vergangenen Jahres seien rund 74 Prozent der 162 200 Haushalte in Lippe mit einem Anschluss von mehr als 50 MBit pro Sekunde versorgt. Das dürfte vorrangig mit der Verlegung von Glasfaserkabeln erfolgt sein.

Für die umliegenden Ortsteile Lügdes jedoch zeichnet sich eher eine Erweiterung der Funkstreckentechnik ab, deren Vergabe vom Kreis Lippe an die Beverunger Firma Sewikom erfolgte und die seit 2014 an dem richtfunkbasierten Netz arbeitet.

Laut Stephanides müssten die Haushalte, die hiervon Gebrauch machen, aktuell eine Datenübertragungsrate von 6 MBit haben. Im Vergleich dazu sollen auf niedersächsischem Gebiet Vahlbrucher auf komfortable 100 MBit zurückgreifen können, für die sie rund 20 Euro monatlich bezahlen.

„Wer in meinem Dorf mehr als 2,3 MBit pro Sekunde, – hier enden die Möglichkeiten der Versorgung in Wörderfeld mit reinem Kupferkabel – haben möchte, zahlt über 50 Euro!“ so Sanderschäfer. Obwohl zu der angestrebten, mehr als 30 MBit möglichen Versorgung Welten liegen, soll eine Übertragungsrate einer Größe von 6 MBit nach seiner Einschätzung durchaus für sparsame Down- und Uploads ausreichend sein. Guter Onlineempfang beziehungsweise digitaler Fernsehempfang hingegen sei so kaum machbar.

Außerdem bestehe ein weiteres Problem bei der momentanen Funkstreckenversorgung. Es liege nicht nur daran, dass sie für ein hochleistungsfähiges Netz nur eingeschränkt geeignet ist, weil sie unter anderem Sichtverbindung zu den Haushalten und eine geringe Entfernung zwischen Sendemast und Haushalt benötigt (wir berichteten). „Nach meiner Einschätzung und Auswertung sind die vorhandenen Funkmasten von der Kapazität her keinesfalls ausreichend ausgestattet“, erklärt der Wörderfelder.

Obwohl bester 4G-Emfang signalisiert wird, werden oft im Download nur geringe Geschwindigkeiten von bis zu 1,5 MBit gemessen. „Das ist geradezu grottenschlecht! Bei vielen Mobilfunkbetreibern.“

Die Befürchtung ist nun, dass mit den vom Land bereitgestellten Fördersummen zwar Gewerbebetriebe und bevorzugte oder auch kostengünstig erreichbare Wohngebiete, mit Glasfaser und somit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten versorgt werden, entferntere Ortsteile und schlechter erreichbare Haushalte gallische Dörfer bleiben. Diese Skepsis treibt Sanderschäfer auch deshalb um, da Sewikom wiederum den Auftrag erhalten habe, obwohl sie mit ihren bisherigen unzureichenden Maßnahmen keineswegs für eine akzeptabel schnelle Internetversorgung in den Lügder Dörfern sorgen konnte.

„Hier muss von allen Mobilfunk-Betreibern eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Sendemasten eingefordert werden. Für dörfliche Strukturen ist dies überlebenswichtig, und hier erwarte ich insbesondere von der Stadt Lügde, wie auch von den Kommunalpolitikern, dass sie die Lebensqualität aller ihrer Bewohner im Blick behält und nicht nur dem Kreis überlässt. Dafür setze ich mich in meiner Fraktion, der FWG Lügde, ein. Wer seine Down- und Upload-Werte ermitteln möchte, dem empfehle ich einen Link zur Bundesnetzagentur, dort wird netzneutral ermittelt und auch erfasst!“

Der Link lautet: www.breitbandmessung.de, es gibt auch eine App für Smartphone.



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