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Weißer Fleck in Breitbandplänen

Kein Anschluss in Großenberg

BAD PYRMONT/GROSSENBERG. Beim Ausbau des Breitbandnetzes für schnelles Internet könnte auch Großenberg ins Abseits geraten und unterversorgt bleiben – als einziger Pyrmonter Ort, wie Großenbergs Ortsvorsteher Dirk Wöltje (CDU) festgestellt hat.

veröffentlicht am 08.08.2018 um 13:35 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 14:10 Uhr

Ohne einen Anschluss an schnelles Internet geraten kleine Orte wie Großenberg vollends ins Abseits. Foto: pixabay
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Der ganze Landkreis Hameln-Pyrmont bekommt schnelles Internet ... der ganze Landkreis? Nein! In den Plänen für den Glasfaserausbau kommt ein kleines Dorf auf der Ottensteiner Hochebene bislang nicht vor: Großenberg. „Wir sind vom schnellen Internet abgehängt, obwohl die Voraussetzungen für einen Ausbau gegeben sind“, klagt Ortsvorsteher Dirk Wöltje (CDU) und fügt hinzu: „Dass Großenberg der einzige Ort in Bad Pyrmont ist, der unterversorgt bleibt, macht mich besonders traurig.“

Grundsätzlich sind alle Gebiete, in denen Internetgeschwindigkeiten von 30 Mbit/s und mehr möglich sind, von dem Ausbau auf ein Gigabit ausgeschlossen. Das ist auch der Grund, warum zum Beispiel die Kernstadt von Bad Pyrmont bei den Plänen vom Landrat Tjark Bartels (SPD) keine Rolle spielt – beziehungsweise keine Rolle spielen darf, denn Förderungen für bereits gut ausgebaute Netz sind nicht erlaubt. In der Kurstadt hatte Kabel Deutschland schon sehr früh mit dem Ausbau begonnen, die Telekom versucht aufzuholen.

Ursprünglich hatte der Landkreis Großenberg nicht für den Ausbau vorgesehen, sondern der Pyrmonter Ortsteil kam erst später dazu. „Dieser Ort und andere waren vorher im Rahmen des Ausbaus aus Mitteln des Konjunkturpaketes II abgedeckt“, bestätigt auf Anfrage Andreas Manz, zuständiger Dezernatsleiter beim Landkreis Hameln-Pyrmont. „Bei Verzicht auf eine Bundesförderung kann die Zweckbindung dieser Mittel aber vernachlässigt werden, sodass wir diesen Bereich ebenfalls einplanen konnten.“

„Die Voraussetzungen für einen Ausbau Großenbergs sind gegeben“, sagt Großenbergs Ortsvorsteher Dirk Wöltje. Foto: Archiv/uk
  • „Die Voraussetzungen für einen Ausbau Großenbergs sind gegeben“, sagt Großenbergs Ortsvorsteher Dirk Wöltje. Foto: Archiv/uk

Doch Manz hatte die Rechnung ohne den hannoversche Telekommunikationsdienstleister htp gemacht, der den Ausbau für den Landkreis übernimmt. Für den rechnet sich der Abstecher nach dem abseits liegenden Pyrmonter Ortsteil mit seinen gerade einmal 50 Haushalten nicht, zumal Eichenborn, Neersen, Kleinenberg und Eichenborn bereits von der Telekom versorgt worden sind. „Allerdings kann mir niemand von der Telekom sagen, warum dabei Großenberg außen vor geblieben ist“, so Manz. Und auch Wöltje hat nach eigener Auskunft auf diese Frage bislang keine plausible Antwort erhalten. Das sei eine unternehmerische Entscheidung, habe es geheißen. Manz kündigte an, sich noch einmal mit der htp über Großenberg unterhalten zu wollen, schränkt aber ein: „Ein Anschluss muss finanziell darstellbar sein.“

Laut dem niedersächsischen Breitbandkompetenzzentrum gibt es in Großenberg Geschwindigkeiten, die kleiner als 16 Mbit/sec sind. „Damit sind die Voraussetzungen für einen Ausbau gegeben“, meint ein sichtlich enttäuschter Wöltje. „Der Kreis hat auf 15 Millionen Euro Fördermittel des Bundes verzichtet, um schneller und unbürokratischer vorgehen zu können, aber flächendeckend ist der Ausbau nicht“, kritisiert der Ortsvorsteher, der für die CDU im Kreistag sitzt und nach eigenem Bekunden kaum noch Hoffnung hat, dass Großenberg schnelles Internet bekommt.

Dass Manz ihm empfohlen habe, dennoch das Interesse an einem Gigabit-Anschluss anzumelden, helfe ihm nicht weiter, solange nicht klar sei, wie hoch die jeweiligen Anschluss- beziehungsweise die monatlichen Kosten sind. Bei ausreichend großem Interesse, so hatte es der Provider angekündigt, werde er einen Ausbau auf eigene Kosten vornehmen – im Gespräch ist eine Anschlussquote von 40 Prozent. „Wir müssen zukunftsfähig sein“, macht Wöltje die Bedeutung des Themas deutlich. „Wenn sich jemand bei uns ansiedeln will, dann fragt er zuerst nach dem Kindergarten, dann nach der Schule und als drittes nach dem schnellen Internet. Darauf sind natürlich auch unsere Betriebe angewiesen.“ Eine Antwort auf die Frage an die htp nach den Kosten zur Bereitstellung habe er bislang nicht bekommen.

Die Stadtverwaltung hat auf die Ausbaupläne des Landkreises bislang nicht reagiert. Der Erste Stadtrat Eberhard Weber versicherte auf Anfrage, dass er das Thema auf die Tagesordnung gesetzt habe, denn er habe vermutet, dass zumindest die Bergdörfer nicht ausreichen versorgt seien. „Am 13. August nach dem Ende der Urlaubszeit werden wir darüber sprechen.“



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