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Die Zukunft hängt an dünnem Kabel

Breitband-Ausbau: htp-Geschäftsführer klärt offene Fragen

HESSISCH OLDENDORF. Wer zu spät kommt, für den wird es teuer. Oder er ist für Jahre vom digitalen Fortschritt abgehängt. Das wurde besonders deutlich, als htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann am Montag im KulTourismusForum vorstellte, wie der geplante Breitband-Ausbau in Hessisch Oldendorf bis 2022 ablaufen soll.

veröffentlicht am 11.09.2018 um 16:05 Uhr
aktualisiert am 11.09.2018 um 19:40 Uhr

htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann zeigt ein Stück der Glasfaser-Leitung, die beim Breitband-Ausbau zum Einsatz kommt. Der dünne, schwarze Teil reicht aus, um einen einzelnen Haushalt zu versorgen. Foto: jsp
Jens Spickermann

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Das Großprojekt war eines der Hauptthemen bei der Unternehmer-Matinee, zu der die Weserbergland AG und die Stadt örtliche Gewerbetreibende und Vertreter der Lokalpolitik eingeladen hatten.

„Mir ist das das wichtigste Anliegen meiner Amtszeit“, betonte Bürgermeister Harald Krüger (SPD). Zugleich legte er den Finger in die Wunde: „Ich möchte nicht erleben, dass eines unserer Dörfer die 40 Prozent nicht erreicht.“ Obwohl über 11 000 Haushalte im Landkreis, die bisher nicht mindestens eine Internet-Geschwindigkeit von 30 Mbit/s erreichen, prinzipiell von dem schnelleren Glasfaser-Internet profitieren könnten, ist die 40-Prozent-Marke nach wie vor das entscheidende Kriterium. Das stellte Heitmann vom Unmut mancher Zuhörer begleitet klar. Wenn nicht mindestens 40 Prozent der Haushalte innerhalb eines Planungsbereiches einen Vertrag mit dem Provider abschließen, werden in dem jeweiligen Ort auch die Interessenten leer ausgehen. Derzeit nutzten 80 Prozent der Bürger das Internet. „Wenn wir nicht einmal die Hälfte davon zusammenbekommen, dann kann die Not nicht so groß sein“, sagte Heitmann.

Sofern in einem Ort die erforderliche Anzahl der Vertragsabschlüsse erreicht wird, ist ein nachträglicher Anschluss an das Netz zwar noch möglich, aber teuer. Wer fristgerecht einen Vertrag abschließt, für den ist die Verlegung des Kabels bis ins Haus kostenlos. 500 Euro Bearbeitungsgebühr plus Mehrwertsteuer würden aber fällig, wenn später doch noch Glasfaser-Internet gewünscht ist. Sobald der Bau begonnen hat, nehme er erst einmal gar keine Aufträge mehr an, so Heitmann. Erst nach Abschluss des gesamten Projektes sei das zu „marktüblichen Preisen“ wieder möglich. Diese beziffert Heitmann auf etwa 2500 Euro.

Etwa 70 Zuhörer verfolgten die Ausführungen des htp-Geschäftsführers. Tanja Föhr moderierte die Veranstaltung. Foto: jsp
  • Etwa 70 Zuhörer verfolgten die Ausführungen des htp-Geschäftsführers. Tanja Föhr moderierte die Veranstaltung. Foto: jsp

Die Bautätigkeiten beim Hausanschluss wurden den Zuhörern als unkompliziert beschrieben. Auf dem Grundstück werden lediglich zwei, jeweils ein Meter tiefe Löcher gegraben, ein dünnes Rohr wird dann mittels einer „Bodenrakete“ bis zum Haus getrieben, erläuterte Heitmann. Da das Kabel recht dünn ist, muss die Hauswand kaum beschädigt werden.

Für Unsicherheit sorgte bislang die Frage, was denn passiere, wenn ein Kunde seinen Altvertrag kündigt und der neue Vertrag mit htp mangels Nachfrage nicht zustande kommt. Heitmann stellte klar: Niemand solle seinen Altvertrag vorschnell kündigen. Darum werde seine Firma sich kümmern, sofern der abgeschlossene Vertrag wirklich zustande kommt. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass ein Kunde am Ende ganz ohne Internet dasteht.

Wer nicht im Eigenheim sondern zur Miete wohnt, den dürfte interessieren, dass er als Kunde zwar mit htp einen Vertrag abschließen kann, der Vermieter den Bauarbeiten aber zustimmen muss. Innerhalb von Mehrparteien-Häusern könne der Anschluss übrigens auch durch die bestehenden Kupferkabel zwischen den Kunden verteilt werden, anstatt überall Glasfaser zu verlegen. Das reduziere aber deutlich die verfügbare Geschwindigkeit, erklärte Heitmann.

In der nächsten Zeit wird htp in den einzelnen Orten gezielt durch Hauswurfsendungen werben. Vertreter von Vereinen sollen zusätzlich als Multipliktoren wirken. Zwei Monate lang werden die Einwohner dann Zeit haben, bei Interesse einen entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen, der eine Mindestlaufzeit von zwei Jahren umfasst. Sobald die 40-Prozent-Marke geknackt ist, soll der Bau starten.

Aus technischen Gründen beginnen die Baufirmen in der Ortschaft Ahrenfeld. Die Nachrichten aus dem kleinen Ort dürften Breitband-Interessenten im Sinne eines Stimmungsbarometers optimistisch stimmen: Nach einer Infoveranstaltung war die 40 Prozent-Marke dort innerhalb weniger Tage erreicht.

Für manche Gebiete in Hessisch Oldendorf wird der Ausbau erst in einem zweiten Schritt möglich. Das betrifft beispielsweise einen Teil von Lachem. Aus technischer Sicht sei es zwar unproblematisch, die fraglichen Gebiete schnell anzuschließen, erklärte Heitmann. Da die Internet-Geschwindigkeit dort aber mit mehr als 30 Mbit/s in die Statistik eingegangen ist, darf dort aus rechtlichen Gründen nicht mit Fördermitteln ausgebaut werden. Es gilt aber als gesetzt, dass auch Lachem und der Steinbrinksweg in Hessisch Oldendorf bei ausreichendem Interesse ausgebaut werden.



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