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Auch bisher nicht berücksichtigte Ortschaften sollen Glasfaser-Internet bekommen

Breitband für alle?

HESSISCH OLDENDORF. Für die Zukunft ihres Ortes sei das schnelle Breitband-Internet ganz wichtig – das versuchen zurzeit die Firma htp und Vertreter des Landkreises den Einwohnern zahlreicher Dörfer bei Infoveranstaltungen zu vermitteln. Der Wiederverkaufswert der Häuser sei dadurch höher und für die Wettbewerbsfähigkeit als Wirtschaftsstandort sei Breitband sowieso unerlässlich, so die Argumentation. Doch was wird im Umkehrschluss aus Orten, die zunächst nicht vom Breitband-Ausbau profitieren werden, wie zum Beispiel Weibeck? Michael Kipp, CDU-Stadtrat und Mitglied im Ortsrat Weibeck/Fischbeck, befürchtet, dass der Ort abgehängt wird und will das nicht akzeptieren. Nun stellt er Forderungen an die Stadt und den Landkreis.

veröffentlicht am 02.11.2018 um 17:05 Uhr
aktualisiert am 02.11.2018 um 19:00 Uhr

Die digitale Zukunftsfähigkeit hängt an einem einzigen Kabel. Auch in Ortschaften, die als „ausreichend versorgt“ gelten, hofft man auf schnelleres Internet. Foto: dana
Jens Spickermann

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„Selbst wenn in Weibeck 40 Prozent oder mehr der Haushalte Interesse an einem Anschluss über htp hätten, so besteht wenig Chance auf einen baldigen Ausbau“, schreibt Kipp. Der Grund ist schnell erklärt: Weil in Weibeck eine Internet-Geschwindigkeit von mehr als 30 Mbit/s erreicht wird, gilt der Ort als „ausreichend versorgt“ und kann daher aus rechtlichen Gründen nicht vom Förderprogramm des Bundes profitieren. Da der Ausbau im Landkreis durch dieses Programm bezuschusst wird, sind die „ausreichend versorgten“ Dörfer also außen vor. Obwohl im benachbarten Fischbeck demnächst die benötigten Kabel verlegt werden und an Weibeck nur knapp vorbeiführen. Deshalb fordert Kipp den Bürgermeister und den Landkreis schriftlich auf, für Weibeck ein Konzept zu erstellen, wie der Ort doch noch mit Breitband versorgt werden könnte.

Eigentlich dürfte der Leidensdruck in den „ausreichend versorgten“ Gebieten derzeit noch nicht so groß sein. Für die meisten Online-Aktivitäten reicht die Geschwindigkeit von 30 Mbit/s nämlich aus. Normales Surfen, E-Mails verschicken und sogar Videos anschauen sollte eigentlich kein größeres Problem darstellen. Was aber heutzutage noch als akzeptable Versorgung empfunden wird, könnte in einigen Jahren angesichts des technischen Fortschritts schon viel zu langsam sein, befürchtet Kipp. Dass einerseits in den auszubauenden Orten die Breitband-Versorgung als unerlässlich dargestellt werde, anderswo aber schon 30Mbit/s als „ausreichend“ gelten, findet er widersprüchlich. „Diese Vorgehensweise ist meines Erachtens weder vermittelbar noch glaubwürdig“, meint Kipp. In einem Brief an den Bürgermeister und den Landkreis schreibt er deshalb: „Ich halte es daher für unverzichtbar, dass von Ihnen, sehr geehrter Herr Krüger als Bürgermeister der Stadt Hessisch Oldendorf, und von den Beteiligten des Landkreises Hameln-Pyrmont ein Ausbaukonzept mit Zeitplan für die Ortschaft Weibeck gemeinsam mit htp erarbeitet wird.“

Ein ausgearbeitetes Konzept kann die Stadt zwar noch nicht vorlegen, dennoch rennt Kipp bei der Stadt offene Türen ein. Bürgermeister Harald Krüger (SPD) zeigt sich optimistisch, dass auch Weibeck und die anderen bisher nicht berücksichtigten Orte in den nächsten Jahren Breitband-Anschlüsse bekommen werden. Mit der Firma htp stehe er in Kontakt, so der Bürgermeister. Der Provider könne sich nach eigener Aussage gut vorstellen, dass in den fraglichen Orten ab dem Jahr 2022 ebenfalls ausgebaut wird – auch wenn es dafür kein Förderprogramm gibt. Der Nachteil sei nur, dass die Bürger ihre Hausanschlüsse dann selbst finanzieren müssen. Nach Aussage der Firma htp belaufen sich diese Kosten auf etwa 2500 Euro pro Anschluss.

Krüger sieht allerdings Anzeichen dafür, dass die bisherige Bedingung für die Förderung gekippt werden könnte. Der Bund würde derzeit nämlich an neuen Förderprogrammen arbeiten. Es sei daher gut möglich, dass auch die Nachzügler in Weibeck und Fuhlen zukünftig nichts für ihren Hausanschluss bezahlen müssen, weil sie unter ein neu aufgelegtes Förderprogramm fallen. Möglich sei der Ausbau dort allerdings erst nach 2022, weil sonst für bisher geplante Ausbauschritte die Zeit zu knapp werde. „Wenn htp immer mehr Einzellagen dazunimmt, können die ihren Vertrag nicht einhalten“, erklärt Krüger. Obwohl es wenig aufwendig erscheint, von Fischbeck aus noch eine Leitung nach Weibeck zu verlegen, würde das laut htp den Zeitplan gefährden. „Ich bin komplett der Überzeugung, dass jeder Ort schnelles Internet bekommen soll“, sagt Krüger. Einen genaues Datum könne er für die bisher nicht berücksichtigten Orte aber noch nicht nennen.

Am Montag lesen Sie, wie die Mitglieder der IG Dorfverschönerung Hohnsen (Flecken Coppenbrügge) in Eigeninitiative den Breitbandausbau in ihrem Dorf vorangetrieben haben.



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