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Wie der Windkraftpionier Ernst Podewski die Diskussion in Bad Pyrmont sieht

„Das reicht bei Weitem nicht“

BAD PYRMONT. Der Aerzener Ernst Podeweski hält an seinen umstrittenen Windkraftplanungen für Hagen fest und schlägt für die Fläche eine abgespeckte Version vor.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 14:39 Uhr
aktualisiert am 14.03.2019 um 21:30 Uhr

Der Aerzener Ernst Podeweski hatte die alten Windkraftplanungen der Stadt Bad Pyrmont zu Fall gebracht, weil er bei Hagen zwei Windräder bauen will. Fotografieren lassen möchte er sich nur von hinten, wie hier vor einer für ihn interessanten Fläche b
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Ernst Podeweski lässt Rat und Verwaltung in Bad Pyrmont keine Ruhe. Dem Aerzener hat es die Stadt zu verdanken, dass das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im vergangenen Jahr den Flächennutzungsplan gekippt hat, mit dem die Stadt Konzentrationsflächen für die Nutzung von Windenergie ausweisen wollte. Nun muss alles auf Anfang, und die Pyrmonter befassen sich mit der Frage, ob sie Windräder auch im Wald zulassen würden.

Als am Dienstag dieser Woche im Ratsaal zwei Stunden lang darüber diskutiert und informiert wurde, war auch Podewski in den Reihen der Zuhörer, denn er hatte und hat seit mehr als zehn Jahren Interesse an der Fläche bei Hagen. Vor elf Jahren hatte der Aerzener beantragt, dort zwei Windräder mit einer Nabenhöhe von 108 Metern zu errichten, war damit aber an der Planung der Stadt gescheitert – und hatte geklagt.

Die Ablehnung, die seinen Plänen entgegenschlägt und die er jetzt im Pyrmonter Ratsaal selber erleben konnte, lässt ihn offenbar unbeeindruckt. „Die Leute wollen auch Schweinefleisch essen, aber von der Schlachtung lieber nichts wissen“, beantwortet er die Frage, ob er Verständnis für diese Proteste habe und fügt hinzu: „Das ist menschlich.“ Dem Argument vieler Windkraftgegner, die Anlagen seien zu laut, hält er entgegen, dass sich technisch viel verbessert habe. Ein altes 60 Meter hohes Rad mit einer Leistung von 50 Kilowatt aus dem Jahr 1990 sei genauso laut, wie heute eine Anlage mit einer Leistung von 3 Megawatt. Die Kritiker wird das kaum beschwichtigen.

Podewski ist Windkraftbefürworter ohne Wenn und Aber und betont, dass die bisherigen Bemühungen für die Energiewende bei Weitem nicht ausreichen, man das Fünffache mehr machen müsste als bisher. Er selber gehört quasi zu den Windkraftpionieren. 1989 hat er erfolgreich in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich für die Erprobung von Windenergieanlagen eine Förderung von 45 612,98 Euro durch das Bundeswirtschaftsministerium einwerben können.

Heute wird es Windkraftbetreibern nicht mehr so leicht gemacht. Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich verschlechtert, auch wenn Podewski die vom Regionalplaner des Landkreises in Bad Pyrmont genannte Zahl von 30 000 Euro, die manche Betreiber Grundeigentümer böten, um ein Windrad aufstellen zu dürfen, als deutlich zu hoch gegriffen bezeichnet. Er räumt aber ein, dass die Pachtpreise hier und dort in die Höhe getrieben worden seien.

Podewski glaubt nicht, dass die Stadt auch bei Löwensen eine Vorrangfläche ausweisen werde. „Dort sind die Bedingungen viel zu schwierig, das wäre eine Verhinderungsplanung“, betont er. Bleiben die fast 103 Hektar bei Hagen, die auch die von der Stadt beauftragten Planer für am geeignetsten halten. Daran hatte letztes Jahr auch Bad Pyrmonts Stadtwerkechef Uwe Benkendorff Interesse geäußert und Phoenix Contact als potenziellen Partner genannt.

Der Aezener plädiert nun für eine abgespeckte Version mit einer Fläche von maximal 70 Hektar – abgespeckt für die Stadt, nicht für ihn. „Ein Rad könnte bei dem ehemaligen Munitionslager der NATO stehen, das zweite auf der Ahlbreite. Dann kann sich die Stadt überlegen, ob sie ein oder zwei Anlagen in ihrem angeblich so wertvollen Wald zulässt.“

Außerdem schlägt er vor, die bisherige Suchfläche 7 bei Eichenborn beizubehalten, um der Windkraft insgesamt mehr Raum zu geben. Eine Entscheidung darüber, ob diese Fläche aufgegeben werden soll oder nicht, hatte die Politik jüngst vertagt. Doch zwischen Baarsen und Neersen stehen bereits 10 Räder. Weil aber der Abstand von 500 Metern zu Siedlungen mittlerweile als zu gering angesehen wird, soll hier auch die Erneuerung nicht erlaubt sein. „Es kann sein, dass darum in 15 oder 17 Jahren auf der Hochebene keine Räder mehr stehen“, argumentiert Podweski. Allerdings könnte das sogenannte „Repowering“ dann wieder ins Spiel kommen, wenn sich herausstellt, dass die ausgewählten Konzentrationsflächen nicht ausreichen.



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