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Bürgerinitiative sieht neuen Konflikt / Feuerwehren halten mögliche Risiken für beherrschbar

Windkraft-Gegner entfachen Debatte um Brandschutz

EMMERTHAL. Geht durch den künftigen Windpark zwischen Grohnde und Kirchohsen eine Gefahr aus, Wald- und Flächenbrände zu verursachen - und das bei mangelnder Löschwasserversorgung? Das befürchtet die Bürgerinitiative. Die Feuerwehr sieht hingegen keine erhöhten Risiken. Und: Mögliche Brände seien beherrschbar.

veröffentlicht am 19.09.2018 um 11:45 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 16:30 Uhr

Für Schlagzeilen sorgen bundesweit immer wieder Windkraftanlagen, die in Brand geraten. Das Foto aus dem Jahr 2010 zeigt ein Feuer im Kreis Helmstedt. Die Feuerwehr ließ die Anlage kontrolliert abbrennen, da ein Löschen nicht möglich war. Kay Leinema
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Emmerthaler Feuerwehr sieht kaum Risiken beim Brandschutz durch den im Bau befindlichen Windpark zwischen Kirchohsen und Grohnde. Ausführlich stellte der stellvertretende Gemeindebrandmeister Kay Leinemann vor Politikern dar, dass die statistische Wahrscheinlichkeit gering sei, dass durch Windkraftanlagen Brände ausgelöst werden könnten. Im Ernstfall aber seien die Einsatzkräfte in der Lage, Flächen- und Waldbrände zu beherrschen. „Gefahren, mit denen wir alltäglich zu tun haben“, erläuterte Leinemann ausführlich Zahlen und Fakten zum Brandschutz.

Der zuständige Fachausschuss befasste sich mit dem Thema, weil die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ einen mangelnden Brandschutz beklagt. Horst Arlt hatte dafür einen ausführlichen Fragenkatalog vorgelegt. Die Gegner verweisen darauf, dass es bundesweit immer wieder spektakuläre Fälle gibt, bei denen Anlagen in Brand geraten würden. Dabei ging es Arlt um die Nähe von einigen Anlagen des Windparks zum Waldrand, in trockenen Jahren wie in diesem Sommer könnten außerdem Vegetationsbrände ausgelöst werden – und das bei nicht ausreichender Löschwasserversorgung.

Der stellvertretende Gemeindebrandmeister hingegen verwies darauf, dass es bei 6293 Windkraftanlagen in Niedersachsen (Stand Ende 2017) in 15 Jahren nur fünf dokumentierte Brände gegeben habe. Durch Fahrzeugbrände in Wäldern bestehe ein vierfach höheres Risiko, rechnete er vor. Hinzu komme, dass eine Waldbrandgefahr nicht an 365 Tagen im Jahr bestehe. Außerdem handele es sich hier überwiegend um Mischwälder, die nicht so leicht entflammbar seien. Mit Blick auf Waldbrände sprach Leinemann von einem „Mythos“. „Wir sind im Weserbergland – und nicht in Kalifornien“, sagte er.

Die Bauarbeiten für den Windpark zwischen Grohnde und Kirchohsen gehen ungeachtet der Proteste weiter. Foto: Sander

Dieses Jahr habe erneut gezeigt, dass die Wehren in der Region Flächenbrände erfolgreich bekämpft hätten, die oft durch landwirtschaftliche Fahrzeuge verursacht würden. Ausführlich legte er dar, dass die Gemeindefeuerwehr über ein Konzept für den Windpark verfüge – von der Erstalarmierung bis hin zu weiteren Ortswehren, die bei Bedarf ausrücken müssten. Allein der Löschwasservorrat der Fahrzeuge sei ausreichend, im Zweifel könne ein Pendeldienst zum Grohnder Weserufer eingerichtet werden, nannte Leinemann weitere Beispiele.

„Das fand ich überzeugend“, meinte Ratsherr Rolf Keller, der wegen Nachfragen aus der Bevölkerung ebenfalls um Informationen zum Thema im politischen Fachausschuss gebeten hatte. Das hätte früher geschehen können, sagte Arlt von der Bürgerinitiative. Allerdings verwies er ebenso darauf, dass es dazu im Vorjahr ein „konstruktives Gespräch“ mit dem Gemeindekommando gegeben hätte.

„Viele Punkte offen“ blieben allerdings nach Ansicht von Stephan Stallmann als Sprecher der Windkraft-Gegner. Bei dem Windpark handele es sich um eine Industrieanlage, für die eine bestimmte Kenngröße bei der Löschwasserversorgung notwendig sei, sagte Stallmann. Als „frei erfundene Rechtsgrundlagen“ wies der Erste Gemeinderat Elmar Günzel dieses Argument zurück – das sei maßgeblich für besiedelte Gebiete. Stallmann äußerte sich in der Sitzung daraufhin nicht weiter. Erst am nächsten Tag schrieb er an den Landkreis als Genehmigungsbehörde für den Windpark – und warf dem stellvertretenden Gemeindebrandmeister Befangenheit vor, da seine Familie von den Anlagen profitiere.



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