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Investor will Strom wirtschaftlicher produzieren

Arbeiten im Windpark Lachemer Forst vor dem Abschluss

AERZEN. Die erste Windkraftanlage in der Lachemer Forst produziert Strom – damit steht in Aerzen das Repowering-Projekt vor dem Abschluss. Bis Ende des Monats will das Unternehmen Vestas alle drei Anlagen in Betrieb genommen haben. Ein Vorhaben mit internationaler Beteiligung, das zeigt, wie die erneuerbaren Energien inzwischen industrielle Maßstäbe angenommen haben.

veröffentlicht am 21.03.2018 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 21.03.2018 um 19:03 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Höher, leistungsfähiger und ausgereifter in der Technik – knapp zwei Jahrzehnte nach dem Bau der ersten Anlagen auf dem früheren Militärgelände bei Posteholz zeigen sich die Dimensionen, die neue Herausforderungen an die Beteiligten stellen. Die Boreas Energie GmbH mit Hauptsitz in Dresden, dessen Unternehmenslogo auf den gigantischen Türmen mit einer Höhe von 137 Metern prangt, will damit nicht nur die Leistung des Windparks mehr als verdoppeln. Der bisherige Unternehmenssprecher Martin Stegert sprach von einer wirtschaftlicheren Lösung mit den drei 3,3-MW-Anlagen, die einen Rotordurchmesser von 126 Metern haben: „Durch die Repoweringmaßnahme verringert sich der Preis des an diesem Standort erzeugten grünen Naturstromes von 9,3 auf 7,5 Cent pro Kilowattstunde.“ Die ersten im Jahr 2000 errichteten 1,5-MW-Anlagen, die zum Auftakt der Arbeiten für eine weitere Nutzung in Moldawien demontiert worden waren, kamen auf eine Nabenhöhe von 85 Meter.

Bis Ende des Monats will der dänische Hersteller Vestas mit Niederlassungen in Deutschland bei bundesweit rund 2400 Mitarbeitern die Repoweringmaßnahmen abgeschlossen haben. Die Informationen fließen spärlich – sowohl bei Vestas als auch bei Boreas, die als Gesellschaft das Aerzener Projekt wiederum zu 100 Prozent an einen institutionellen Anleger verkauft hat. Genauere Hintergründe und die Investitionssumme blieben bislang offen. Nach Inbetriebnahme wird die Schwesterfirma Boreas Energietechnik GmbH lediglich für die technische Betriebsführung verantwortlich sein, wie es aus Dresden heißt.

Zuletzt montierten Teams die Rotorblätter, die mit ihrer vor kurzer Zeit noch unvorstellbaren Länge von gut 62 Meter ebenfalls neue Standards setzen. Nicht nur beim Transport, bei dem im Februar auf den letzten Kilometern ein Spezialfahrzeug unterwegs war, um die Blätter in den engen Kurven bis zu einem Winkel von 60 Grad aufrichten zu können. Beim Aufbau der Anlage kam ein sogenannter Raupenkran zum Einsatz. Besonders beim Aufbau von Windkraftanlagen entfalten sie ihre Vorteile, da die Kräne unter schwerer Last fahrbar sind und als besonders manövrierfähig gelten. Nachdem der Stahlrohrturm stand, folgten Nabe und Maschinenhaus mit Generator. Meterweise zog der Kran schließlich die knapp 13 Tonnen schweren Rotorblätter in die Höhe, wo die Mitarbeiter der Montagetrupps – als Subunternehmen vor allem aus den osteuropäischen Ländern – sie an der Nabe befestigten.

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Seit dem Wochenende dreht sich das erste Windrad, die beiden anderen Anlagen sollen in Kürze in Betrieb genommen werden. Foto: cb
  • Seit dem Wochenende dreht sich das erste Windrad, die beiden anderen Anlagen sollen in Kürze in Betrieb genommen werden. Foto: cb

Was aus der Ferne mühelos aussieht, gilt als das Ergebnis einer „Vorplanung ohnegleichen“, sagt Martin Fischer, kaufmännischer Leiter des Unternehmens Franz Bracht Kranvermietung. Das Spezialunternehmen aus Erwitte mit 660 Mitarbeitern und 240 Autokranen in den Leistungsklassen von 7 bis 1600 Tonnen kam mit mehreren Hochleistungsfahrzeugen in die Lachemer Forst. Verschiedene Bauabschnitte mit unterschiedlichen Firmen müssten abgestimmt werden – „alles just in time“, sagt Fischer. Sorgt starker Wind für Probleme bei der Montage, müsse die Zeit anderswo aufgeholt werden. Hinzu komme, dass Kunden und Behörden den Anspruch hätten, die Eingriffe in die Landschaft so gering wie möglich zu halten. „Da sollen nicht mehr Bäume als nötig gefällt oder beschnitten werden“, weiß er. Und das sei gut so. Dabei benötigten die Raupenkräne eine Rüstfläche von 180 Meter, um sie aufbauen zu können. „Und das setzt eine hohe Tragfähigkeit der Standfläche voraus“, sagt Fischer.

Dafür sorgte im Vorfeld das Hamelner Unternehmen Werner Otto GmbH. Dessen Mitarbeiter bewegten rund 10 000 Kubikmeter Boden, befestigten mit 15 000 Tonnen Schotter die Flächen für den Aufbau der Windräder. Dabei interessant: Die alten Fundamente wurden abgebrochen, vor Ort recycelt und anschließend das Material wieder für die Stellflächen verwendet, berichtet der zuständige Bauleiter.

Der Turm kam aus Tschechien, der Generator aus Lübeck, die Rotorblätter aus Dänemark – für Vestas als federführendes Unternehmen für das Bauprojekt alles eine Frage der Koordination. In der zweiten Jahreshälfte leitet das Unternehmen in Emmerthal das nächste Projekt. Dann fällt alles noch eine Nummer größer aus. Dort sind zwischen Grohnde und Kirchohsen acht Anlagen der neuesten Generation geplant. Sie haben eine Nabenhöhe von 149 Meter und einen Rotordurchmesser von 136 Meter. Während im Bereich Aerzen kaum Kritik an dem Windpark aufkam, fällt der Widerstand in der Nachbargemeinde umso deutlicher aus.



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