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Angeklagter: Tat ein „Versehen“

UPDATE: Auftakt im Prozess um Toten (22) in Steinbergen

STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Porta Westfalica am frühen Morgen des 22. Dezember 2018 hat der Angeklagte zugegeben, dass der Schuss aus seiner Waffe gekommen ist. Der 29 Jahre alte Steinberger bestreitet jedoch, mit Absicht auf den anderen Mann geschossen zu haben.

veröffentlicht am 15.05.2019 um 13:06 Uhr
aktualisiert am 15.05.2019 um 17:10 Uhr

Zwei Verteidiger: Der wegen Totschlags angeklagte Steinberger mit seinen Anwälten Dr. Volkmar Wissgott (links) und Sven Karsten. Das Urteil wird Anfang Juli erwartet. Foto: tol
STEINBERGEN/BÜCKEBURG. Im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen aus Porta Westfalica hat der Angeklagte zugegeben, dass der Schuss aus seiner Waffe gekommen ist. Der Steinberger (29) bestreitet jedoch, mit Absicht auf den anderen Mann geschossen zu haben. Er stellt die Tat, begangen am 22. Dezember 2018 gegen 1 Uhr, als Versehen dar. Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, sieht das anders und wirft dem Angeklagten Totschlag vor. Dies setzt Vorsatz voraus.

Während einer Feier in Steinbergen will der 29-Jährige am Tresen mit einer Waffe in der Bauchtasche seines Pullovers gespielt haben und „völlig perplex“ gewesen sein, dass sich dabei ein Schuss gelöst habe. So heißt es in einer von Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott verlesenen Erklärung. Das Opfer war innerlich verblutet.

„Ich bin zutiefst darüber erschüttert, für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein“, zitierte Wissgott seinen Mandanten gestern zum Prozessauftakt vor dem Schwurgericht in Bückeburg. Der 29-Jährige will angenommen haben, dass die illegal erworbene Waffe nicht geladen war. Eigenen Angaben zufolge hatte er diese zuvor Gästen der Party zum Kauf angeboten.

Oberstaatsanwalt Schmidt geht davon aus, dass der Steinberger nach einem Streit auf der Feier in einem Mehrfamilienhaus an der Feldstraße nach Hause gegangen ist, um aus seiner nahe gelegenen Wohnung die Waffe zu holen. Nach der Ankündigung „Jetzt haben wir Spaß“ soll er dann aus der Bauchtasche heraus geschossen haben. Zeugen sollen gehört haben, dass der Steinberger nach seiner Rückkehr gesagt hat: „Ich bin ein böser Junge.“ Dies geht aus der Akte hervor. Vor Gericht haben die Zeugen bisher noch nicht ausgesagt.

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Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten außerdem zur Last, nach dem tödlichen Schuss draußen noch auf einen anderen Mann gefeuert zu haben, den er aber verfehlt haben soll. Wieder andere Zeugen soll der 29-Jährige mit der Waffe bedroht haben, bevor er etwa drei Stunden später festgenommen wurde. Diese Vorwürfe bestreitet der Steinberger ebenfalls. „Ich habe keinen bedroht und auf keinen gezielt“, erklärte er. Auf die Frage eines Richters, warum er nicht gleich zur Polizei gegangen sei, antwortete er: „So einfach ist das nicht.“

Von der Waffe, nach Darstellung des Angeklagten ein Revolver aus den 1970er Jahren, fehlt bis heute jede Spur. Nach der Tat will der 29-Jährige das Schießeisen an die Bahngleise geworfen haben. „Die restliche Munition habe ich im Wald entsorgt“, fügte er hinzu.

Der Streit auf der Party könnte sich um Drogen gedreht haben. Nach eigenen Angaben wollte der 29-Jährige von einem anderen Gast ein Gramm Kokain zum Preis von 70 Euro kaufen, hatte aber nicht genug Geld dabei, worauf das Geschäft platzte.

Zumindest in Teilen des Publikums ist die Stimmung aufgeheizt. Während der Vernehmung des Angeklagten erhob sich plötzlich ein kräftiger Mann und sprach den Steinberger direkt an: „Warum lügst du? Sag die Wahrheit.“ Ein Wachtmeister rief daraufhin „alle verfügbaren Kräfte in den Saal“. Mehrfach musste Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender des Schwurgerichts, einzelne Zuhörer ermahnen.

Der Prozess wird fortgesetzt. Kütemeyer hat elf Sitzungstage anberaumt, 17 Zeugen und einen Gutachter geladen. Nach dem bisherigen Zeitplan soll Anfang Juli das Urteil verkündet werden. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. ly



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