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Er tötete zwei Frauen und  verletzte acht Menschen

Exklusiv: Lebte islamistischer Attentäter von Turku in Rinteln?

Er tötete zwei Frauen und verletzte acht Menschen: Vor einer Woche attackierte ein 18-jähriger Marokkaner in der finnischen Stadt Turku mehrere Menschen mit einem Messer. Er wurde gefasst. Die Behörden gehen von einem terroristischen Motiv aus. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass der mutmaßliche Terrorist sich zuvor in Deutschland aufhielt. Nach SZ-Informationen gehen die Behörden davon aus, dass er auch in Rinteln lebte. Doch ausgerechnet hier verliert sich seine Spur. Wir haben nachgefragt.

veröffentlicht am 27.08.2017 um 09:31 Uhr
aktualisiert am 27.08.2017 um 12:48 Uhr

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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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RINTELN/TURKU. Nur drei Minuten nach dem ersten Notruf stoppte die Polizei den mutmaßlichen Terrorist mit einem Schuss. Doch bis dahin hatte er bereits zwei Frauen ermordet, acht weitere Menschen verletzt. Die Behörden gehen davon aus, dass er aus terroristischen Motiven handelte und gezielt Frauen angriff. Nach dem Terrorakt wird nun der Weg des Attentäters durch Europa rekonstruiert. Wie die SZ/LZ am Wochenende erfuhr, verliert sich die Spur der Ermittler derzeit in Rinteln. Der 18-Jährige soll von der Notunterkunft in Bramsche in die Landes-Notunterkunft in der Prince Rupert School überwiesen worden sein. Was hier mit ihm geschah, wird momentan noch ermittelt. 

Nach Informationen der Neuen Osnabrücker Zeitung ist der 18-Jährige Anfang November 2015 gemeinsam mit einem weiteren Marokkaner nach Deutschland eingereist. Kurz darauf erreichten die beiden Männer die Erstaufnahmeeinrichtung Bramsche-Hesepe bei Osnabrück. Das Lager war zu diesem Zeitpunkt mit bis zu 5000 Bewohnern komplett überfüllt.
Zwei Wochen später wurde der Mann daher in die Notunterkunft in Rinteln in der Prince Rupert School verlegt. Was hier mit ihm geschah, ist derzeit noch unbekannt. Doch die Ermittlungen laufen.
Auf SZ/LZ-Nachfrage beim damals zuständigen Sicherheitsdienst "SDS" ist zu erfahren, dass es zumindest einen konkreten Verdacht wegen islamistischer Tendenzen in der Notunterkunft gab. Ein Mann war anderen Flüchtlingen aufgefallen, da er den Islamischen Staat verherrlichte und mit radikalen religiösen Ansichten  auftrat. So wollte er sich etwa auf keinen Fall von Frauen anfassen lassen. Das teilten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Polizei mit, welche den Mann offenbar vernommen hat. Eine Stellungnahme von der heimischen Polizei war am Wochenende dazu nicht zu bekommen. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich allerdings höchstwahrscheinlich nicht um den gesuchten Attentäter von Turku, da der Mann noch bis vor kurzem in Rinteln wohnhaft gewesen sei.

Außerdem soll es in der Notunterkunft eine Akte für verdächtige Flüchtlinge gegeben haben. Etwa wenn ein Flüchtling regelmäßig in andere Städte reiste. "Wenn jemand die eine Woche in Berlin, die andere in Hamburg und zwei Wochen darauf in Köln ist, dann fällt uns das natürlich auf", sagte ein mit der Sache vertrauter Mitarbeiter der Notunterkunft unserer Redaktion. Weitere Anhaltspunkte kamen meist von anderen Flüchtlingen, die vor radikalen Tendenzen warnten. "Wir haben solche Hinweise immer ernst genommen", so der Mitarbeiter.  
Die Namen auf der Liste wurden samt Anfangsverdacht regelmäßig der Polizei übergeben. Auch dazu konnte am Wochenende noch keine Stellungnahme der Behörden eingeholt werden. 

Unsere Redaktion hat mit mehreren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Flüchtlingsunterkunft gesprochen. An den 18-Jährigen konnte sich niemand erinnern. Allgemein seien aber nur wenige Marokkaner und andere Nordafrikaner in der Notunterkunft gewesen, betont eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Alle erklären, dass die Stimmung meist positiv gewesen sei. Es sei zwar zu der einen oder anderen Straftat gekommen, hauptsächlich Diebstähle oder Körperverletzung unter Asylsuchenden, aber nichts Gravierendes. Auch Drogenhandel war immer wieder Thema in der Unterkunft. Doch von islamistischen Tendenzen unter den Flüchtlingen habe man ansonsten nichts mitbekommen. 

Die Notunterkunft in der Prince Rupert School bestand von Oktober 2015 bis Oktober 2016. In ihr fanden bis zu 600 Flüchtlinge einen Platz. 

Attentat in Turku. Foto: dpa
  • Attentat in Turku. Foto: dpa
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