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Auftakt zu Missbrauchsprozess: Erzieher bestreitet  Vorwürfe

Rinteln/Bückeburg. Zum Auftakt des Missbrauchsprozesses gegen einen früheren Erzieher des Steinberger Jugendhofes „Hirschkuppe“ hat der Angeklagte die Vorwürfe gestern bestritten. Details wurden nicht bekannt. Der 46-Jährige sagte vor dem Bückeburger Landgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Verteidiger Ralf Jordan hatte zuvor jedoch angekündigt: „Mein Mandant wird erklären, dass diese Vorwürfe sämtlich nicht stimmen.“

veröffentlicht am 14.02.2018 um 14:59 Uhr

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Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig wirft dem Mann auf der Anklagebank vor, mehr als zehn Jahre lang, von Mai 1999 bis November 2009, Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. In der Anklageschrift werden 15 Fälle beschrieben. Meistens geht es dabei um Oralverkehr. Die vier mutmaßlichen Opfer, allesamt Jungen, waren damals zwischen zwölf und 14 Jahren alt. Anfangs hatte es darüber hinaus weitere Vorwürfe gegeben, die jedoch bereits verjährt wären.

Dreißig geht davon aus, dass die Jungen die Übergriffe erduldet haben, „um das Näheverhältnis nicht zu gefährden“. Passiert sein sollen die Taten im Jugendhof selbst, dem Auto des Erziehers sowie großenteils in Zelten oder Ferienwohnungen, wo die Bewohner auf Jugendfreizeiten untergebracht waren.           

Viel hängt in diesem Verfahren davon ab, ob die vier Belastungszeugen aus Sicht der Richter glaubwürdig sind, ihre Aussagen glaubhaft. Einer von ihnen hat vor Kurzem schriftlich erklärt, dass er nach 13 Jahren nicht mehr bereit sei, als Zeuge auszusagen. Die Anzeige ziehe er zurück.

Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Jugendammer, las am ersten Verhandlungstag aus dem Schreiben vor. Zuletzt sah es allerdings so aus, als wolle der Zeuge nun doch nach Bückeburg kommen. „Wir haben es mit ausgesprochen schwierigen Belastungszeugen zu tun, die nicht auf der Sonnenseite aufgewachsen sind, sondern im Schatten“, erklärte Verteidiger Ralf Jordan.     

In dem Prozess wird schon jetzt mit harten Bandagen gekämpft. Jordan und Heidi Saarmann, Anwältin der Nebenklage, sind gleich am ersten Sitzungstag mehrfach aneinander geraten. Saarmanns Mandant, ein heute 30-Jähriger aus den Kreis Warendorf, hatte den Angeklagten 2012 angezeigt. Vor Prozessbeginn wandte er sich zudem an die Presse.

Der Erzieher habe „eine Abhängigkeit geschaffen“, zitiert die „Neue Westfälische“ (Bielefeld) den früheren Heimbewohner. Der 30-Jährige behauptet, dass der Erzieher ihn als Jungen von zwölf Jahren auf einer gemeinsamen Autofahrt oral befriedigt habe. „Ich konnte das nicht zuordnen. Wie auch?“    

Für den Erzieher geht es um viel. Im Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe, möglicherweise mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das Ziel der Verteidigung ist ein Freispruch.

Wenn die vier Belastungszeugen aussagen, wird die Öffentlichkeit erneut ausgeschlossen. Weil es um seine Intimsphäre geht, hat dieses Recht auch der Angeklagte. Deshalb stimmte die Jugendkammer dem entsprechenden Antrag der Verteidigung zu. Laut Verteidiger Jordan sei der Angeklagte in den vergangenen fünf Jahren seit Bekanntwerden der Vorwürfe schweren psychischen Belastungen ausgesetzt gewesen, die zu stationären Behandlungen geführt hätten.

 

Wie gestern bekannt wurde, soll es vor dem Prozess zudem Drohungen gegen den 46-Jährigen gegeben haben.                                                                      ly

 



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