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Modellprojekt „Guter Lebensabend NRW“

Wenn Zugewanderte alt werden

LÜGDE. Die Stadt Lügde nimmt als eine von 21 Modellkommunen am Förderprogramm „Guter Lebensabend NRW“ bis zum Ende des Jahres 2022 teil. Sie erhält somit die Möglichkeit zu erproben, wie für die Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte mögliche Zugangsbarrieren zu bestehenden Regelangeboten der Altersversorgung abgebaut werden können.

veröffentlicht am 01.12.2021 um 10:00 Uhr

01. Dezember 2021 10:00 Uhr

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LÜGDE. Die Stadt Lügde nimmt als eine von 21 Modellkommunen am Förderprogramm „Guter Lebensabend NRW“ bis zum Ende des Jahres 2022 teil. Sie erhält somit die Möglichkeit zu erproben, wie für die Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte mögliche Zugangsbarrieren zu bestehenden Regelangeboten der Altersversorgung abgebaut werden können.

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Über den aktuellen Sachstand des Projekts ließ sich nun der Fachausschuss für Bildung, Generationen, Kultur, Sport und Soziales im Sabbenhausener Mehrgenerationenhaus unterrichten.

Hierzu waren die Projektverantwortlichen des Kommunalen Integrationszentrums Lippe, Anne-Katrin Edler und Janine Berg, nach Sabbenhausen gekommen. Der Beginn, so berichteten sie, sei 2020 mit einer durchgeführten Bedarfsanalyse erfolgt. Dabei ging es vorrrangig um die Frage der Teilhabe an Regelangeboten, wie sie Seniorinnen und Senioren der Mehrheitsgesellschaft zugänglich sind. Zu ihren Aufgaben habe nicht die Beratung von Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund gezählt, sondern die „Zugänglichkeit“ zu Regelangeboten zu erforschen.

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Lügde gehöre wie Lage und Oerlinghausen zu den regionalen Modellkommunen. In dieser Region seien 24 Einrichtungen aufgesucht und vornehmlich Menschen mit Migrationshintergrund interviewt worden. Häufig sei die Kommunikation durch Corona-Einschränkungen oder sprachliche Barrieren erschwert gewesen. Sprachlich deswegen, da im Gegensatz zu den Angehörigen oft ältere Migranten mehr mit ihrer Community kommunizierten und weniger mit Deutschsprachigen. So seien die Gespräche mit den Angehörigen hilfreicher gewesen.

Dabei habe sich gezeigt, dass es eine Menge an Informationen gebe, die Betroffenen zur Verfügung stehen würden. Doch es sei der Eindruck entstanden, dass diese Informationen bei den Zielpersonen nicht ankommen oder dann nicht im ausreichenden Maße verstanden werden. Allerdings hätten die Interviews auch gezeigt, dass durch mehrsprachige Pflegekräfte sich oft Lücken schließen ließen. Auch werde der Anteil älterer Migranten, die Regelangebote benötigen, zumindest in den Pflegeeinrichtungen scheinbar überschätzt, denn dort würden sich eher weniger Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund aufhalten.

Als wichtig hätten die beiden Projektleiterinnen auch erkannt, was es für eine Pflegeeinrichtung bedeute, sich interkulturell zu öffnen. Das gehe über Schulung von Führungspersonal über fremdsprachiges Pflegepersonal bis hin zur Schaffung religöser Räumlichkeiten, um nur einige Punkte zu nennen. Für Bürgermeister Torben Blome werde hier ein wichtiger Bereich angesprochen. Viele ehemalige „Gastarbeiter“ seien geblieben und würden in unserer Gesellschaft alt werden. Allein im Kreis Lippe liege der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 40 Prozent. Was das Modellprojekt bislang zeige, dass es schwierig sei, all diese Menschen zu erreichen. Deshalb sei es gerade auch für Lügde ein Gewinn, als Modellkommune diesem Projekt angeschlossen zu sein.



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