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Über 500 Garben lagern in der Dechenscheune

Was das Stroh für die Osterräder so besonders macht

LÜGDE. Es ist ein Weltkulturerbe: der Lügder Osterräderlauf. Sechs Eichenräder voll lichterloh brennendem Stroh rasen den Osterberg hinunter, während sie von vielen tausend Schaulustigen noch zusätzlich angefeuert werden. Es ist ein ganz spezielles Stroh, das die Dechen hierfür verwenden.

veröffentlicht am 07.08.2021 um 10:00 Uhr

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Reporter

Was da brennt, ist Roggenstroh, das die Dechen am Nachmittag vor dem Spektakel akribisch in die Räder stopfen und mit Haselnussruten sorgfältig festzurren. Und es ist ein ganz spezielles Stroh, das die Dechen hierfür verwenden. „Dieser Roggen ist langstieliger als der übliche“, erklärt ihr Sprecher Dieter Stumpe. „Das längere Stroh lässt sich leichter zwischen den Speichen festmachen und fällt auf der Talfahrt der Räder nicht so schnell ab wie Stroh aus kürzeren Stielen.“ Dieses spezielle Stroh sät und erntet der Dechenverein selbst. Wie jetzt, als er eine kurze Schönwetterphase ausnutzte, um die diesjährige Ernte unter Dach und Fach zu bringen.

Innerhalb weniger Stunden hat die Aktive Gruppe ein knappes Dutzend ehrenamtlicher Erntehelfer aus ihrer Mitte mobilisiert, die die antike Erntemaschine herankarrten und damit dann rund ein Gros Roggen schnitt und zu über 500 Garben bündelte. Die lagern jetzt in der Dechenscheune, wo später auf der eigenen Vintage-Dreschmaschine die Spreu vom Roggen getrennt wird. Und die werden gestopft, bevor das Rad den Abhang hinuntergestoßen wird.

Das längere Stroh lässt sich leichter zwischen den Speichen festmachen.

Dieter Stumpe, Sprecher des Dechenvereins

Nachdem 2019 der Osterräderlauf coronabedingt relativ kurzfristig abgesagt werden musste, hätte man ja jetzt auch das lagernde Stroh setzen können – allerdings nur theoretisch. Denn das Stroh für diesen Einsatz hat ein Verfallsdatum: „Je älter es ist, umso spröder wird es“, erklärt Stumpe. „Es bricht leichter, lässt sich also nicht so gut stopfen. Und es würde auch schneller vom Rad fallen, wenn das den Berg hinunterrollt.“ Deswegen wird man für das alte eine andere Verwendung finden. Und wenn im nächsten Jahr die Tradition wieder aufgenommen wird, stopfen die Dechen 70 bis 80 Garben des frisch geernteten und noch geschmeidigen Strohs in jedes Rad, zünden es dann am Abend unter dem Osterkreuz an und stoßen es den Abhang hinunter, damit es dann brennend möglichst weit hinunter ins Tal rollen möge.

Die Dechen Bernhard Vielhaus, Martin Blome, Thomas Deppe und Sven Biesemeier (v. li. n.re.) mähen den Roggen ab. Foto: yt


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