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Ritterschlag für feuriges Ritual

Lügdes Osterräderlauf ist nationales immaterielles Kulturerbe

BERLIN / LÜGDE. Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Lügdes Osterräderlauf ist jetzt auch in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Darüber hat die deutsche Unesco-Kommission aus Berlin den Vorstand des Dechenvereins am Dienstag informiert.

veröffentlicht am 11.12.2018 um 21:50 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 16:45 Uhr

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Lügdes seit Jahrhunderten gepflegtes feuriges Frühlingsritual ist eine von 18 Neuaufnahmen in die nun 97 Bräuche fassende Liste.

„Wir sind erstmal stolz und glücklich, dass das im zweiten Anlauf geklappt hat“, freute sich „Oberdeche“ Uwe Stumpe, der Chef der Lügder Brauch-Wächter. „Was jetzt auf uns zukommt, können wir im Moment noch gar nicht abschätzen.“

Das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe würdigt den Osterräderlauf als einen zentralen Beitrag zur Identitätsstiftung der Bewohner der Stadt Lügde: „Die breite und generationsübergreifende Beteiligung der Bevölkerung am Brauchgeschehen ist vorbildlich“, steht in dem Gratulationsschreiben, das Dechen-Sprecher Dieter Stumpe am Dienstag erreichte.

Auch das Stopfen der Eichenräder miot langhalmigem Roggenstroh gehört zum Brauch des Lügder Osterräderlaufs. Am Dienstag hat die deutsche Unesco-Kommission das feurige Frühlingsritual in ihr bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Foto: yt

Vor allem den im ersten erfolglosen Verfahren monierten fehlenden wissenschaftlichen Hintergrund hatte der Dechenverein bei seiner erneuten Bewerbung nachgeliefert. Die wissenschaftliche Erforschung der Historie des Brauchs und die differenzierte Reflexion des Brauchgeschehens zur Zeit des Nationalsozialismus überzeugte die Experten nun offensichtlich.

Eine vor allem bei Esoterikern, und Neu-Rechten beliebte Herleitung, wonach das Lügder Ritual ursprünglich einer angeblich im germanischen Glauben verankerten Frühlingsgöttin Ostara huldigte, dürfte sich damit endgültig erledigt haben. Auf der Unesco-Seite im Internet ist nun zu lesen: „Während des Nationalsozialismus wurde ein mutmaßlich germanischer Ursprung des Räderlaufs konstruiert, um den Brauch zu instrumentalisieren. Dieser Vereinnahmung stellte sich die Bevölkerung nur mit passivem Widerstand entgegen.“

Als Fürsprecher für ihre zweite Bewerbung hatten die Lügder den Chef des Lippischen Landesmuseums Detmold, Dr. Michael Zelle, und die wissenschaftliche Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Christiane Cantauw, gewonnen. Beide unterstützten das Anliegen ausdrücklich.

Mit der jetzt vollzogenen Aufnahme in die bundesweite Liste (im nordrhein-westlichen Verzeichnis ist der Brauch bereits seit 2014 aufgeführt) wird der „Osterräderlauf in Lügde“ unter www.unesco.de/ike mit Text und Bild dargestellt.

Für die Öffentlichkeitsarbeit darf der Dechenverein das Logo „Immaterielles Kulturerbe – Wissen. Können. Weitergeben“ nutzen. An der Aufnahme hängt keine automatische finanzielle Unterstützung. Aber die Deutsche UNESCO-Kommission hat die erfolgreichen Bewerber auf diverse Fördermöglichkeiten hingewiesen. Stumpe: „Wir werden sie uns genau ansehen und dann auch zu nutzen wissen.“

Die Urkunden zur Neuaufnahme in das bundesweite Verzeichnis werden voraussichtlich Mitte 2019 verliehen.



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