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„Kulturimbiss Lippe“ in Lügde

Klagende Klangwelten

veröffentlicht am 21.09.2021 um 10:00 Uhr

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Reporter

LÜGDE/ELBRINXEN. Zum Abschluss seiner Tour durch 16 Orte des Kreises ist der „Kulturimbiss Lippe“ am Sonntagnachmittag zunächst in Elbrinxen aufgeschlagen und anschließend im Lügder Emmerauenpark. Mit dabei waren der politische Liedermacher Michael Motzek sowie das Blues-Duo Dieter Kropp und Mickey Meinert.

Zunächst erzeugte Motzek eine nachdenklich-bedrückende Stimmung, als er einen Klagegesang auf die afghanischen Opfer anstimmte und auf die dortige Situation aufmerksam machte. Bekanntlich sind die heimischen Ortskräfte, die unter anderem die Bundeswehr in ihrem Einsatz in Afghanistan unterstützt haben, nach dem Abzug der Truppen jetzt in ihrem eigenen Land sich selbst überlassen. Mit seinem Lied machte Michael Motzek deutlich, wieviel unnötiges Leid und vergossenes Blut aus dem unscheinbaren Wort „Kollateralschaden“ heraustropfen kann.

Motzek sang vom Sinn des Lebens, indem er dem Karrieristen den Clochard gegenüberstellte. In einem anderen Lied wünschte er den Jugendlichen, dass sie im Dschungel widerstreitender Fakten, gespickt mit Fallen vielerseits wiedergekäuter Unwahrheiten, nicht die Orientierung verlieren mögen. Der lippische Hannes Wader hoffte aber auch darauf, dass nicht alle Unwägbarkeiten eingezäunt, nicht alle Schlupflöcher zubetoniert und nicht jede natürliche Biegung begradigt werde. Vor allem wollte er keinen Stillstand. „Denn dann bleibt es Herbst für immer und es wird kühl.“

Unterhielt mit kritisch-nachdenklichen Texten: der politische Liedermacher Michael Motzek.. Foto: yt

Das Publikum tat sich schwer, auch die eingängigen Musikpassagen mitzuklatschen. Denn es hörte genau auf die Texte. Und so gab es nach den einzelnen Liedern dann viel Beifall. Im Anschluss erschütterte Dieter Kropp die Gäste mit seinem Schmerz, dem er – begleitet von Mickey Meinert an der Gitarre – mit seiner Mundharmonika in die Welt hinausrief: In der Melancholie des Südstaatenblues vermutete man schon hinter den Scheunen die Baumwollfelder. Mit herzerweichendem Trübsinn begeisterte Kropp sein Publikum. Und als Mickey Meinert auch noch zu seine Resonator-Gitarre dazu weinen ließ, war jedem klar, warum der Blues unweigerlich aus den Tiefen eines jeden Tals herausführen muss: Er ist die schwingende Katharsis. Das Räuspern des Donners, bevor er seine Wucht entfaltet, um die Luft zu reinigen und die Atmosphäre zu klären. Der Showdown, wenn Charles Bronson Frank das Lied vom Tod auf der Mundharmonika spielen lässt.



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