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In Stadthagen gibt es jetzt zwei alevitische Gemeinden

„Wir sind nicht verfeindet“

Stadthagen/Landkreis. Der Duft von türkischem Kaffee erfüllt den Raum, überall stehen Sofas herum und man kann ahnen, dass hier, in dem ehemaligen Telekom-Gebäude in der Bahnhofsstraße 15a, bald ein lebhaftes Vereinsleben herrschen wird. Es sind Aleviten, die sich zusammengetan haben, um das große renovierungsbedürftige Haus zu einem „Cem“ zu machen, einem Bet- und Gemeinschaftshaus, Heimstatt ihres Alevitischen Kulturvereins. Es ist nunmehr der zweite Alevitische Kulturverein in Stadthagen.

veröffentlicht am 29.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:29 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

„Das klingt vielleicht seltsam, zwei Aleviten-Gemeinden in einer eher kleinen Stadt“, sagt der Vorsitzende Zakir Ercan Kilic. An die 200 alevitische Familien leben in Stadthagen und Umgebung, der erste Verein hatte etwa 130 Mitglieder, bis, ja bis es zu Auseinandersetzungen rund um religiöse und politische Zielsetzungen kam, und wohl auch um Finanzen. So beschloss vor zwei Jahren eine Gruppe, bestehend aus 16 Familien, einen neuen Verein zu gründen. „Wir sind nicht verfeindet“, so der Vorsitzende Kilic. „Aber wo so viele Menschen zusammen sind, entwickeln sich eben unterschiedliche Schwerpunkte.“

Streit passt eigentlich so gar nicht zu der Ausrichtung aufrechter Aleviten. Das oberste Gebot dieser auf dem Islam basierenden Religion besteht darin, nicht nur die „Lenden“, sondern auch „Zunge“ und „Hand“ im Zaum zu halten, also alles für ein friedliches Zusammenleben zu tun.

Selbst in Zeiten schlimmster Verfolgung etwa in der Türkei, wo die mindestens 12 Millionen dort lebenden Aleviten von jeher als Sekte eingestuft werden, haben sie sich nur selten mit Gewalt gewehrt, sich eher durch Flucht entzogen oder durch Demonstrationen auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

Auch im religiösen Alltag legen sie größten Wert auf die Gleichberechtigung aller Menschen, auf gegenseitigen Respekt und Offenheit gegenüber Andersgläubigen. Was den alevitischen Glauben vom traditionellen Islam unterscheidet, ist vor allem das Zusammenleben von Männern und Frauen. „Wir machen da keinen Unterschied“, so Zakir Ercan Kilic. „Wir beten zusammen, essen zusammen, treffen Entscheidungen gemeinsam und haben auch keine speziellen Kleidungsvorschriften für die Frauen wie etwa das Tragen von Kopftüchern.“ Man merkt ihm an, dass er stolz auf diese Grundhaltung ist. „Bei uns gibt es auch keinen Bischof oder Iman. Zwar ist es der ,Dede‘, der den Gottesdienst leitet, aber er tut es als Gelehrter, nicht als jemand, der besondere Machtbefugnisse hätte.“

Es fällt ihm also nicht ganz leicht, über den gewissen Zwist mit den Glaubensgeschwistern zu sprechen, ebenso wenig wie etwa Hassan Üstgül, der einer alevitischen Gemeinde in Hannover angehört, sich aber als Diplom-Ingenieur mit familiären Bindungen nach Stadthagen, voller Energie im energetischen und behindertengerechten Umbau des Gebäudes engagiert, sich um die Bürokratie in Sachen Bauvorschriften kümmert und ganz erfüllt ist von der ehrenamtlichen Aufgabe, dazu beizutragen, dass der neue Verein endlich ein Gemeindehaus besitzen wird, statt sich wie in den letzten zwei Jahren nur privat zu treffen.

„Wir werden einmal im Monat einen Gottesdienst, den ,Cem‘ abhalten“, sagt er. „Wir werden Sprachkurse anbieten, traditionelle Ritualmusik machen, zusammen tanzen, und vor allem Angebote für die Kinder haben, damit sie nicht auf der Straße landen, sondern in unserer alevitischen Tradition aufwachsen.“ Die Bahnhofsstraße 15a soll ein Ort sein, wo man sich gegenseitig ein Vorbild dessen gibt, wie ein „reiner“ Alevit leben soll, um wirklich ein Alevit, ein Mensch zu sein. „Jeder kann kommen, egal wie sein Glaube ausgerichtet ist oder ob er überhaupt glaubt, jeder ist uns willkommen.“

Gilt das auch für den Alevitischen Kulturverein in der Herminenstraße? „Selbstverständlich!“



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