weather-image
Auf typisch japanisches Essen will Sachiko Barth aber nicht verzichten

Sushi gerät aus der Mode

Rinteln. Sushi! Sachiko Barth aus Rinteln will eigentlich über gar nichts anderes reden, wenn es um typisches japanisches Essen geht. Sicher, es gibt auch wunderbare Nudelsuppen, es gibt das berühmte Sukiyaki-Eintopfgericht mit ganz dünnen Rindfleischstreifen und Gemüse direkt am Tisch zubereitet, und auch Fleischspieße und gefüllte Teigtaschen werden in Japan gern gegessen. Aber typisch japanisch, frei von anderen Einflüssen, das ist in Sachiko Barths Augen offensichtlich wirklich nur das Sushi.

veröffentlicht am 25.10.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2014 um 11:39 Uhr

270_008_7522332_rue_japan_2510.jpg

Autor:

von Cornelia Kurth

Sie kennt sich aus, weil Verwandte von ihr ein Sushi-Restaurant führen, weil ihre Mutter hervorragendes Sushi zubereiten konnte und sie selbst darin offensichtlich auch nicht unbegabt ist.

Zwar lebt die gelernte Meisterfloristin schon seit 1964 in Deutschland, zusammen mit ihrem Mann Richard Barth, der im Industriegebiet Süd eine Bronzegießerei betreibt, und mit der Familie ihres Sohnes im Nachbarhaus, doch ein Leben ohne Sushi-Köstlichkeiten kann sie sich nicht vorstellen, ein Leben ohne diese Kleinodien aus gesäuertem Spezialreis und vielerlei Zutaten, die entweder mit dem klebrigen Reis in gerösteten Seetang eingerollt werden oder oben auf zusammengedrückten Reis aufliegen.

Sie selbst liebt dabei alle Arten von rohem Fisch, dazu auch Garnelen, Tintenfisch und Kaviar. „Nur Seeigel, nein, das ist das einzige, was ich nicht essen mag, auch wenn es natürlich Sushi mit Seeigelfleisch gibt“, sagt sie. Der deutsche Teil ihrer Familie ist da eher heikel. Die Schwiegertochter isst nur streng vegetarisch, ihr Mann mag keinen Fisch, nun, so schlimm ist das auch nicht, denn Sushi kann man auch wunderbar mit Gemüse zubereiten, mit Rührei oder mit Tofu. Schwieriger ist es manchmal, für die Fischvariante wirklich frische Ware aufzutreiben. In Japan nimmt man selbstverständlich nur fangfrischen Fisch.

Betrüblich ist für Sachiko Barth etwas ganz anderes, die Tatsache nämlich, dass Sushi, ausgerechnet das Sushi in Japan etwas aus der Mode zu kommen scheint. Die jungen Leute, sagt sie, die würden vermehrt auf westliches Essen zurückgreifen, und vor allem die Burgerketten machten den Sushi-Restaurants große Konkurrenz.

„Früher, ja, da spielte das Kochen insgesamt eine sehr große Rolle in den Familien“, sagt sie. Ihre Mutter, obwohl selbst berufstätig, habe jeden Abend noch für alle in der Küche gestanden, und ihre Großmutter gar servierte schon am Morgen die Miso-Suppe aus Fischsud und Sojabohnenpaste, dazu Tofustücke, Meeresalgen und Frühlingszwiebeln, ein weiteres japanisches Nationalgericht, dass in Sachiko Barths Familie praktisch rund um die Uhr gegessen wurde.

Wie viel ihr das gute Essen bedeutet, kann man auch an den wirklich wertvollen Essstäbchen, von denen sie eine große Auswahl besitzt, Kunstwerke, handbemalt und oftmals mit eingelegtem Perlmutmuster verziert. Niemals würde sie billige Einwegstäbchen benutzen wollen, auf keinen Fall. Wer bei Sachiko Barth zum Essen eingeladen wird, darf sich seine Stäbchen aus dem großen Schatz selbst aussuchen.

Auf andere Speisen als Sushi angesprochen, winkt sie eher ab. Die Ramen-Suppe mit den besonderen japanischen Nudeln gäbe es ja fast genau so auch in China und anderen asiatischen Ländern; die Eintöpfe seien eher was für den schnellen Imbiss und auch nicht grundtypisch japanisch, von Schnitzel, Reis-Gemüse oder gerillten Hühnchenspießen ganz zu schweigen. Höchstens die süße Speise „Yokan“ lässt sie gelten, eine pralinenähnliche Zubereitung aus Agar-Agar, gemahlenen Adzuki-Bohnen und Zucker.

Genau betrachtet ist auch Sushi gar kein originär japanisches Gericht. Fisch in gesäuerten Reis einzulegen war zunächst eine reine Konservierungsmethode im südostasiatischen Raum und breitete sich über China nach Japan aus. Aber das ist schon über 1500 Jahre her. Das zählt einfach nicht.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt