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SZ/LZ-Serie: So vielfältig ist Schaumburgs Küche / Heute: Üppiges Familienessen

So ein Aufwand muss sein

Landkreis. Wer dem polnischen Großelternpaar beim Einkauf zusieht, kann sich denken, dass die Polen Wurst und Schinken ganz besonders schätzen. Lange Würste, dicke Würste, kleine runde Würste, schmale kurze Würste, dazu sehr großzügig bemessene Stücke gewürzter Aufschnittwurst und mindestens vier Sorten geräucherten Schinkens lassen sie sich von Pettke Grazyna an der Fleischtheke im Pol-Markt von Rinteln einpacken. „Na ja, wir bekommen Besuch von der Familie“, sagt die Kundin. „Da muss schon etwas Schönes zu essen her.“

veröffentlicht am 06.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2014 um 17:21 Uhr

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Autor:

von Cornelia kurth

Landkreis. Wer dem polnischen Großelternpaar beim Einkauf zusieht, kann sich denken, dass die Polen Wurst und Schinken ganz besonders schätzen. Lange Würste, dicke Würste, kleine runde Würste, schmale kurze Würste, dazu sehr großzügig bemessene Stücke gewürzter Aufschnittwurst und mindestens vier Sorten geräucherten Schinkens lassen sie sich von Grazyna Pettke an der Fleischtheke im Pol-Markt von Rinteln einpacken. „Na ja, wir bekommen Besuch von der Familie“, sagt die Kundin. „Da muss schon etwas Schönes zu essen her.“

Natürlich gibt es bei den üppigen polnischen Familienessen nicht nur Würste. Die Rote-Bete-Suppe gehört meistens, vom Braten dürfen es ruhig verschiedene Varianten sein, auch die gefüllten Piroggen und der Bigos-Eintopf fehlen nicht, und überhaupt ist die große Tafel bis auf den letzten freien Platz mit eingelegten Gurken und Salat, mit marinierten Pilzen, Tomaten und allem, was die Küche hergibt, vollgestellt.

„Gastfreundschaft und Großzügigkeit steht bei uns an erster Stelle, da gibt man auch in knappen Zeiten das letzte Stück Fleisch her“, meint Grazyna Pettke, die selbst eine riesengroße Familie hat. „Und wer Gast ist, muss auch zulangen und von allem probieren. Niemand würde verstehen, wenn man nicht mit großem Appetit zugreift.“

Sie lacht vergnügt, als sie von polnischen Essgewohnheiten erzählt, und gleichzeitig stöhnt sie auch ein bisschen. „Die Polen sind so familiär! Und Familie hängt immer mit dem Essen zusammen. Auch im Alltag.“ Normalerweise kommt jeden Tag am späteren Nachmittag eine deftige Mahlzeit auf den Tisch. „Mal nur eine Kleinigkeit essen, wann man selbst es gerade will, das geht in einer traditionellen Familie eigentlich gar nicht“, sagt sie. „Es ist so viel Aufwand, dieses stundenlange Kochen. Aber es muss sein!“ Sie selbst als berufstätige Frau hier in Deutschland kann sich dem einigermaßen entziehen, aber wenn sie demnächst einen Besuch in Polen macht, wo unzählige Verwandte in der Nähe von Danzig leben, da weiß sie schon, was auf sie zukommt: unzählige Stunden in der Küche, unzählige Stunden in großer Runde am Esstisch. An Festtagen wie Weihnachten feiert man dort, wo die meisten Leute unterkommen können und die größte Küche vorhanden ist. Alle, durchaus auch die Männer, helfen bei den Vorbereitungen oder bringen Dinge für das Festessen mit. „Allein schon die Piroggen, die gefüllten Teigtaschen für so viele Menschen zu machen, das ist eine Vollzeitbeschäftigung“, sagt sie. „Niemals würde man die für so eine Gelegenheit fertig kaufen, niemals.“

Nur die jungen Leute, die aus Deutschland anreisen, kennen sich meistens nicht mehr richtig mit dem polnischen Essen aus. „Sie essen es gerne, aber sie wissen einfach nicht mehr, wie man typisch polnisch würzt“, sagt Grazyna Pettke. Kein Wunder: Wie sollte etwa eine berufstätige Frau wie sie die Traditionen aufrecht erhalten? „Außerdem ist meine Tochter Vegetarierin. Wer vegetarisch essen will, hat es in Polen sowieso nicht leicht. Die Polen sind noch viel größere Fleischesser als die Deutschen.“

Und sie sind größtenteils katholisch. Einer der wenigen Tage, an denen kein Fleischgericht aufgetischt wird, ist der 24. Dezember, der Heiligabend. Der fällt nämlich noch in die Fastenzeit, und so steht beim zwölfgängigen Menü meistens der Karpfen an, der in Polen wegen des reinen Wassers, in dem er herumschwamm, ganz besonders gut schmecken soll.



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