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Kleinenbremer Verein setzt auf praktische Hilfe für Flüchtlinge

Reden allein genügt nicht

Kleinenbremen. Rund 80 Flüchtlinge leben in der Kleinenbremer Sammelunterkunft. Praktische Hilfe vor Ort leistet ein Verein. „Wir wollen eine Art Willkommenskultur bieten und zeigen, dass es auf unserer Seite keine Vorbehalte gibt“, sagt Hartmut Haselau, der mit seiner Frau Christiane den Vorsitz von „Hilfe für Flüchtlinge“ übernommen hat. Unterstützung kommt vom örtlichen Heimatverein.

veröffentlicht am 07.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:46 Uhr

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Autor:

Stefan Lyrath

Reden allein reicht nicht. „Man braucht konkrete Angebote“, erklärt Haselau. Vereinsmitglieder haben daher an diesem Tag Kleidung zum Verschenken mitgebracht. Einen gebrauchten Teppich haben sie ebenfalls schon besorgt.

Auch in der Portaner Bevölkerung hat Hartmut Haselau „eine gewisse Spendenwilligkeit“ ausgemacht. Entstanden ist der Verein aus einer Spielsachen- und Kleidersammlung, initiiert von den früheren Vorsitzenden Melanie Baltes-Keller und Dr. Sylvia Arnold. Zurzeit denken die Mitglieder über Freizeitangebote nach und haben Kontakt zu mehreren Sportvereinen aufgenommen.

„Künftig wollen wir auch eine Problemsprechstunde anbieten“, kündigt Christiane Haselau an. „Unser vordringliches Ziel ist, dass ein Sozialarbeiter nach Kleinenbremen kommt. Diese Aufgabe übernehmen zurzeit wir.“ Zwischenzeitlich hat es über den Wunsch nach einem Sozialarbeiter ein Gespräch beim neuen Portaner Bürgermeister Berndt Hedtmann gegeben. „Wir haben den Eindruck, dass unser Anliegen wohlwollend geprüft wird“, sagt Hartmut Haselau.

Probleme haben die Flüchtlinge genug, vom Verlust der Heimat ganz zu schweigen. „Untätig sein zu müssen, ist für viele das größte Problem“, berichtet Christiane Haselau aus etlichen Gesprächen. „Häufig wird dies als Niederlage empfunden, denn sie wollen arbeiten.“ In den ersten neun Monaten ihres Aufenthaltes gilt für Asylbewerber ein absolutes Arbeitsverbot. Auch danach gestatteten die Behörden eine Beschäftigung nur in Ausnahmefällen.

Mena, ein junger Mann aus Ägypten, ist alles andere als untätig. Er nimmt den Weg mit dem Fahrrad zum Sprachkurs in Minden gern in Kauf. Mena weiß, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist. „Den Kurs habe ich selbst bezahlt“, erzählt er. Kontakt zu Einheimischen hat der Ägypter in Kleinenbremen schnell gefunden. „Die Bevölkerung nimmt uns freundlich auf“, sagt er.

Zum Angebot gehört auch ein interkulturelles Familiencafé. Zurzeit arbeitet der Verein an einem neuen Konzept. Anfangs war das Café in der Mönkhoffschen Mühle untergebracht, das Interesse der Besucher eher gering. Als es das Wetter zuließ, wurden die Tische und Bänke zweimal pro Monat im Freien aufgestellt. An diesen Tagen kamen mehr Besucher, die Hemmschwelle schien niedriger.

Die Stimmung ist stets gut in der Runde, nur die Unterhaltung verläuft bisweilen etwas zäh. „Ein bisschen hapert’s an der Sprachbarriere“, bestätigt Hartmut Haselau, dessen Verein dringend zur Teilnahme an Sprachkursen rät. Nur wenige Asylbewerber sprechen Englisch, noch weniger Deutsch.

Der Verein kann noch Hilfe gebrauchen. Gesucht werden beispielsweise ehrenamtliche Helfer, die Lebensläufe schreiben oder übersetzen. Unter den Bewohnern, die in Kleinenbremen Asyl gefunden haben, sind einige junge Männer, die arbeiten dürften. Hilfe bei Behördengängen wäre ebenfalls hilfreich. Vorstellen könnte sich der Vorstand überdies ein Betreuungssystem inklusive Dolmetscherdienst.

Zu erreichen ist „Hilfe für Flüchtlinge“ unter (0 57 22) 2 12 20. Nachdem die bisherige Vorsitzende Melanie Baltes-Keller nach Köln gezogen war, drohte dem Verein die Auflösung. Nun geht es doch weiter.



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