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Polizeidirektion Nienburg/Schaumburg legt Zahlen zu Aufklärungsquote vor

Migranten nicht krimineller als Deutsche

Landkreis. „Schaumburg ist bunt“, ja. Doch zu einem Gesamtbild vom Leben von Migranten im Landkreis gehören auch die dunklen Farbtöne, gehört ein Blick auf die Zahl und die Art der Straftaten, an denen „Nichtdeutsche Tatverdächtige“, bei der Polizei kurz „NDTV“ genannt, beteiligt sind. Dabei handelt es sich schlicht um Menschen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit nach Artikel 116 des Grundgesetzes besitzen. Auf Anfrage der Redaktion hat die Analysestelle (Ast) der Polizeidirektion Nienburg/Schaumburg einen tiefen Blick in ihre Rechner getan – und in Sachen Aufklärungsquote Interessantes aus der Schattenwelt zutage gefördert.

veröffentlicht am 21.08.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.09.2014 um 12:47 Uhr

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Autor:

Thomas Wünsche

Fakt ist: Die Zahl der Gesamttatverdächtigen, welche die Polizei im zurückliegenden Jahr im Landkreis Schaumburg ermittelt hat, betrug 4110; davon waren 734 Nichtdeutsche – was einem Anteil von 17,86 Prozent entspricht.

Nicht schön ist, dass diese Zahl gegenüber 2012 (682 NDTV) leicht gestiegen ist und die Zahl der Männer unter den nichtdeutschen Tätern sogar schon zum dritten Mal seit dem Jahre 2010 nach oben zeigt. Die Zahl der nichtdeutschen Täterinnen – also Frauen – ist dagegen zum dritten Mal in Folge rückläufig.

Fakt ist aber auch: Besagter „Schatten“ ist in Schaumburg weniger stark als im Land Niedersachsen, was ja auch „bunt“ ist: Dort nämlich betrug der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen im vergangenen Jahr 18,89 Prozent; die sogenannte Ausländerkriminalität ist also auf Landesebene höher als hier.

Fakt ist drittens: Die aktuelle Zahl der NDTV im Landkreis Schaumburg liegt weit unterhalb des Spitzenwertes von vor fast zehn Jahren; 2005 hatten die Beamten 861 ermittelt.

Blickt man auf die Altersstruktur, ergibt sich dieses Bild: Die Zahl der an Straftaten beteiligten nichtdeutschen Kinder (unter 14 Jahre) hat sich im vergangenen Jahr gegenüber 2012 von elf auf sechs halbiert; die Zahl der kriminellen nichtdeutschen Jugendlichen (unter 18 Jahre) ist mit 49 gegenüber 50 nahezu gleich geblieben. Gestiegen ist dagegen die Zahl der NDTV in den Gruppen der Heranwachsenden (unter 21 Jahre) und der Erwachsenen (ab 21) – und zwar von 59 auf 72 und von 562 auf 607.

Interessant ist auch ein Blick auf die Frage, wie stark im vergangenen Jahr die Beteiligung der nichtdeutschen Tatverdächtigen an bestimmten Delikten war: Dass 30 von 30 Verstößen gegen das Aufenthalts-/Asyl- und Freizügigkeitsgesetz und damit 100 Prozent von „Ausländern“ begangen wurden, verwundert natürlich nicht; denn diese Verstöße können von Deutschen respektive Nicht-Migranten schlichtweg nicht verübt werden. Gleichwohl sehen „100 Prozent“, die sich einer einzigen Personengruppe zuordnen lassen, in einer Statistik immer schlecht aus und verzerren das Bild überproportional.

Dass 75 Prozent aller gefassten Taschendiebe Nichtdeutsche waren, mag zunächst erschrecken, relativiert sich aber, wenn man weiß, dass es insgesamt nur vier Fälle gegeben hat.

Tatsächlich gab es im Landkreis Schaumburg im zurückliegenden Jahr grob gesehen nicht einen einzigen Deliktbereich, in dem NDTV dominieren. Beispiele: Von 873 des Diebstahls überführten Tatverdächtigen waren 223 Nichtdeutsche – 25,5 Prozent; von 1368 Menschen, die Vermögens- und Fälschungsdelikte begangen haben, waren 239 Nichtdeutsche – 17,5 Prozent; von 1014 Menschen, die Rohheitsdelikten überführt wurden, waren 134 Nichtdeutsche – 13,2 Prozent; bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hat die Polizei 63 Tatverdächtige ermittelt, sieben davon waren Ausländer – 11,1 Prozent. Alles in allem verweisen diese Zahlen die landläufig geäußerte Meinung, es seien vor allem immer „die Ausländer“, die klauen und prügeln, ins Reich der Legende.

Zoomt man noch näher heran und schaut, bei welchen konkreten Einzeldelikten die Zahl der NDTV über oder unter dem „Schaumburger Mittelwert“ von 17,86 Prozent nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt, so ist das „über“ – leider – bei fast allen Arten von Diebstahl der Fall.

Aber: Bei allen Arten von Körperverletzung liegt die Zahl der von der Polizei ermittelten „Ausländer“ dagegen meist deutlich unter dem obigen Mittelwert. Gleiches gilt – last, but not least – für Sozialleistungsbetrug – ein Delikt, bei dem man ebenfalls oft und fälschlich „die Ausländer“ als führend sieht.

Bleibt am Ende die Frage, welche Staatsangehörigkeiten die 734 Nichtdeutschen hatten, welche die Polizei im vergangenen Jahr als Straftäter ermittelt hat: Beim Gros – 131 – stand Türkei im Pass, bei 113 Polen; das bedeutet indes nicht, dass Türken und Polen die kriminellsten Ausländer sind; sie stellen unter den Nichtdeutschen nur die beiden größten Gruppen und führen deshalb die Statistik an.

Ganz am Ende der Liste steht dagegen die Cote d’ lvoire (auch: Elfenbeinküste) mit einem einzigen Tatverdächtigen. Auch das lässt aber keinen Rückschluss zu; es gibt im Landkreis schlicht und einfach kaum Menschen von dort.

Nachsatz: Für das laufende Jahr liegen seitens der Analysestelle der Polizei noch keine Zahlen vor.



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