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Yves Coiffard über sein Leben in Frankreich und der deutschen Provinz

Gemeinsamkeiten mit Chagall

Krankenhagen. Dass es immer wieder Menschen gibt, die so leichthin ein altes Leben hinter sich lassen und ein ganz neues in einem fremden Land beginnen können! Der in Krankenhagen lebende Export-Kaufmann und Maler Yves Coiffard (62) gehört jedenfalls dazu. In Paris geboren und aufgewachsen, hört es sich nach seinen Erzählungen so an, als hätte der Franzose vor fast 40 Jahren die erstbeste Gelegenheit genutzt, um ins Ausland zu ziehen, zu allererst ausgerechnet in so einen winzig-kleinen Ort wie Hagenohsen in der Gemeinde Emmerthal bei Hameln.

veröffentlicht am 23.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:29 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Seine Familie handelte mit Pharmaprodukten, der junge Yves Coiffard sollte das Geschäft mal übernehmen und in Emmerthal – sowie in London übrigens, wo er immerhin zwischendurch ein Jahr verbrachte – gab es einen Handelpartner. „Warum sind Sie so erstaunt?“, fragt er. „Ich liebe die Natur und bin gar kein Mensch für die großen Städte. Wenn mich etwas immer wieder nach Frankreich zurückzieht, dann ist es nicht Paris, es ist die Provence, wo meine Großeltern lebten und ich einen Teil meiner Kindheit verbrachte.“

Für jemanden, der sagt, ihm liege nicht viel daran, auszugehen, hatte Yves Coiffard allerdings schnell jede Menge Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen, vor allem in Hameln, wohin er schließlich für zwei Jahrzehnte zog, wo er heiratete und Kinder bekam. Es lag wohl daran, dass er nicht nur ein Kaufmann ist, der wohl weiß, wie man so charmant mit Menschen umgeht, dass man sie für sich einnehmen kann, sondern es hatte auch viel damit zu tun, dass er neben der Ader für das Geschäftliche auch eine ausgesprochen künstlerische Ader besitzt.

Schon als er noch ein Junge war, hatte ihn sein als Kunstmäzen engagierter Großvater für die Malerei begeistert, ihm die Augen für die Naturschönheiten Südfrankreichs geöffnet und ihn angeregt, Kunstunterricht zu nehmen. Ein Erlebnis wird er nie vergessen, nämlich als er in einem Pariser Café dem Maler Marc Chagall begegnete und sogar einen ganz persönlichen Gesprächsstoff mit ihm fand, da sich herausstellte, dass Chagall genau in derselben kleinen Kirche geheiratet hatte wie seine Großeltern.

Als er während seiner ersten Zeit in Hameln richtig knapp bei Kasse war, widmete er sich erneut verstärkt dem Malen und galt geradezu als junger Wilder, weil er spontan auf die Idee kam, Schuhcreme als Malgrund einzusetzen und sie mit Stöckchen und Gabel in der Art von Lithografien zu bearbeiten. „Dieses Experimentieren machte mir großen Spaß – und es schlug ein!“, sagt er. Tatsächlich hatte er tollen Verkaufserfolg, und wer weiß, vielleicht kam sogar noch hinzu, dass er eben Franzose war, aus der Künstlerstadt hereingeschneit mit ganz neuen kreativen Ideen. „Ich hatte eigentlich nur Vorteile davon, aus Frankreich zu stammen“, meint er. „Irgendwie fanden die meisten Leute das zusätzlich interessant.“

Yves Coiffards großzügiges Haus im beschaulichen Eulenbrink von Krankenhagen wirkt fast wie eine Galerie. Überall hängen sehr dekorativ seine Acryl-Gemälde, die den Bildern des kubistischen Malers Albert Gleizes nachempfunden sind, farbenfrohe Kompositionen, die man glatt für Originale halten könnte. Dazwischen auch, mit wenigen Mitteln stimmungsvoll in Szene gesetzt, norddeutsche Meereslandschaften und zum Beispiel ein kubistisches Bild von Hameln, mit dem Rattenfänger, wie er gerade die Stadt verlässt. Im Keller befindet sich sein Atelier, das zugleich als Speisekammer dient. „Ich wünschte, ich hätte noch viel mehr Platz, um mit Farben und Materialien ausschweifend herumzuspielen.“

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau gab weder sein solider Beruf noch sein Künstlerdasein den Ausschlag dafür, dass er bei der Suche nach einer neuen Lebensgefährtin bei Marion Siefert punkten konnte. „Ich musste ein wenig lügen“, sagt er. „Sie suchte nämlich über eine Internet-Partnervermittlung nach einem Tanzpartner – und, na ja, besonders gut tanzen kann ich eigentlich nicht.“

Er lacht, und wie er da so jungenhaft an seinem wunderschönen Mosaik-Gartentisch sitzt, mit aufleuchtenden hellblauen Augen und dieser französischen Sprachmelodie, da hätte er wohl auch gar nicht viel erfinden müssen, um echte Aufmerksamkeit zu erregen.



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