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SZ/LZ-Serie „So bunt ist Schaumburg“ – Heute: Einblicke in die britische Küche

Essen wie die Hobbits?

Rinteln. Dass die englische Küche einst einen hervorragenden Ruf genoss, ja geradezu als exquisit galt, weder Touristen noch die Engländer selbst können sich das so recht vorstellen. Marie Robinson (45) jedenfalls, die aus der nordenglischen Stadt New Castle nach Rinteln zog und hier seit acht Jahren als Sprachlehrerin arbeitet, sie lacht: „Ich glaube fast, die meisten unserer Gerichte kommen mit genau zwei Gewürzen aus: mit Pfeffer und mit Salz.“

veröffentlicht am 27.09.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:29 Uhr

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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Das ist natürlich stark übertrieben, und im Gespräch stellt sich denn auch schnell heraus, wie viele typisch englische Gerichte es gibt, die man so in keiner anderen Küche findet, angefangen bei den im Essig geradezu ertrinkenden „Fish and Chips“ (das ist Backfisch mit besonders dicken Pommes frites), und dem Yorkshire Pudding (ein Beilagen-Gebäck, in dessen Mulde man leckere Bratensoße füllt), bis hin zum „Englischen Frühstück“, bei dem neben den „Baked Beans“, den roten Bohnen in Tomatensoße, keinesfalls gebratener Schinkenspeck, Spiegeleier und Toastbrot fehlen dürfen.

Weil solche Gerichte anderen Europäern aber oft etwas derb und fett anmuten, müssen sich die Briten so manchen Spott über ihre Essgewohnheiten gefallen lassen, erst recht, wenn man etwa auf den „Black Pudding“ zu sprechen kommt, also die dunkel gebratenen Blutwurstscheiben, die man ebenfalls gern dem großen Frühstück hinzufügt.

Im 19. Jahrhundert dagegen hatten die Engländer tatsächlich eine Vorreiterfunktion in Sachen weltoffener, vielfältiger und raffinierter Küche inne, zu Zeiten nämlich, als man allerlei Lebensmittel und vor allem Gewürze ohne Zahl aus den Kolonien importieren konnte. An diese Zeit, die mit dem Ersten Weltkrieg endete und wodurch das große Wissen der Köche mehr oder weniger verloren ging, erinnert wohl der Schriftsteller J.R.R. Tolkien, wenn er die Speisekammer des Hobbits Bilbo beschreibt. Die nämlich bordet über von den köstlichsten Speisen, von Würsten, Käse, Kuchen aller Art, und die Hobbits selbst kommen mit ihren sieben Mahlzeiten pro Tag aus dem Schlemmen gar nicht mehr heraus.

„Das ist jetzt aber nicht ganz fair“, meint Marie Robinson. „Ich liebe unsere Rezepte. Jedes Mal, wenn ich nach England fahre, bringe ich die nötigen Zutaten mit, die ich zum Beispiel brauche, um den Yorkshire Pudding perfekt zu backen, oder auch unsere Mixed Pickles. Und Ingwer-Kekse, Ingwer-Kuchen, das gibt es hier kaum.“

Von all den Variationen, wie man das Roastbeef zubereitet, will sie gar nicht erst sprechen. „Wir essen das Fleisch dick, saftig und innen noch rosa“, sagt sie und zögert dann einen Moment: „Na ja, ich persönlich esse fast nie Fleisch, aber trotzdem.“

Und da ist schließlich noch der berühmte „Five o’Clock Tea“, die englische Teezeit, wo man zum starken, vollmundigen, gesüßten Tee mit Milch Marmeladenbrötchen isst – die bittere Orangenmarmelade ist eine Spezialität – oder Früchtebrot oder auch die Scones mit „Clotted Cream“, einer fast buttrig geschlagenen Sahne. „Tee ist etwas Wunderbares“, findet Marie Robinson. „Wir trinken ihn sogar nachts, nicht ohne noch eine Kleinigkeit dazu zu essen.“ Das klingt ja nun doch fast nach den Vorlieben der tolkienschen Hobbits.

Die deutsche Küche, nun ja, mit der kann Marie Robinson nicht so besonders viel anfangen. Sie muss länger nachdenken, bis ihr etwas einfällt, das sie wirklich beeindruckt: Quark. „Ja, Quark habe ich erst hier kennengelernt, und ich finde, man kann tolle Dinge damit machen und ihn ja auch zum Andicken von Soßen verwenden“ (wirklich?). Wenn sie demnächst mit den jungen Schülern ihres Sprachkurses nach England fährt, dann wird sie sie auf jeden Fall in eine „Fish-and-Chips“-Bude führen. „Und ich wette“, sagt sie, „ich wette, alle werden begeistert sein!“



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