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Zyklop im Stall

Angefangen hat alles vor rund 20 Jahren, als Bernd Wolter – Namensgeber des Unternehmens – auf die im benachbarten Münchehagen entdeckten Dinospuren aufmerksam wurde. Der Schauwerbegestalter wollte sich eigentlich zur Ruhe setzen, nachdem er in Schweden über Jahre Modelle für Freizeitparks und Co. gestaltet hatte, von denen er sagt, dass Disney einpacken könne, wenn seine Figuren alle zusammengestellt würden. Da Wolter schon lange von Dinosauriern fasziniert war, ließ er nicht locker, bis dort der erste Dino-Park entstand. Den leitete er viele Jahre und holte aus Schweden die ersten Ausstellungsstücke: Dinosaurier-Modelle, die dem damaligen Stand der Forschung einigermaßen entsprachen. Diese Modelle genügten auf Dauer jedoch nicht, zumal die Forschung rasend schnell voran schritt und immer neue Erkenntnisse zu immer wieder veränderten Modellen führten. „Auf dem Gelände des Dino-Parks sind dann weitere Modelle geschnitzt worden“, erzählt Neumüller.

veröffentlicht am 09.10.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 09.10.2013 um 10:23 Uhr

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Er, der eigentlich ausgebildeter Marketing-Betriebswirt ist, stieß 2001 dazu. Damals wollte Wolter mit der Modell-Produktion aus dem Dino-Park heraus und hatte aus diesem Grund Flächen im Gewerbegebiet Loccumer Heide gekauft, einem ehemaligen Militärgelände. „Beim Vorstellungsgespräch saß mir Herr Wolter hier gegenüber, mit einem Handy in der Hand“, erinnert sich Neumüller, „das zeigte er mir und sagte, das sei momentan die ganze Firma.“ Aus dem einen Handy ist weitaus mehr geworden. Hatte Neumüller in der ersten Zeit alle Hände voll zu tun, den Betrieb einzurichten und saß manches Mal auch selbst auf dem Bagger in der Heide, so hat sein Job heutzutage häufig Globetrotter-Qualitäten. Denn über die Produktion für den Dino-Park hinaus liefert Wolter Design mittlerweile europaweit das aus, was Neumüller seine „Tiere im Stall“ nennt.

Da sind zum einen die Dinosaurier, die immer noch gebaut werden. Auch für den Dino-Park, denn schließlich hört die Forschung nicht auf und werden die Ausstellungen dort immer wieder erweitert. Für die Gestaltung des 46 Meter langen Seismosaurus – der seinen Namen bekommen hat, weil angeblich die Erde bebte, wenn er unterwegs war – bis hin zu niedlichen kleinen Dino-Babys, die just aus dem Ei schlüpfen, ist Yakob Yalcinkaya zuständig. „Unser Dino-Experte mit Talent“, nennt Neumüller ihn und Yalcinkaya kann das nicht abstreiten.

Sein vorrangiges Metier ist das Schnitzen von Styropor. In Blöcken steht der Werkstoff überall in der Halle herum, in der er werkelt. Unter seinen Händen werden daraus alle „Tiere im Stall“ von Wolter Design. Aktuell arbeitet er an einer Riesenschlange, die zu einer neuen Ausstellung gehören soll. Ihren Hals reckt die Schlange über Yalcinkayas Kopf hinweg. Dass solche Wesen in der Urzeit lebten und mit ihren gigantischen Ausmaßen in der Lage waren, glatt ein ausgewachsenes Krokodil zu verspeisen, ist leicht vorstellbar. Bewegungsstudien, Fotos, wissenschaftliche Auswertungen und Rücksprachen mit Wissenschaftlern sind die Grundlage des Werkes Yalcinkayas. All das studiert er, zieht er zurate, macht danach Skizzen und beginnt schließlich mit dem Schnitzen.

3 Bilder
Vom Dino-Baby bis zur Riesen-Schlange: Yakob Yalcinkaya...

Das fundierte Wissen allein und die Kunstfertigkeit, mit der er die Figuren umsetzt, genügen allerdings immer noch nicht. In weit ausladenden Schlängel-Bewegungen hatte er die Schlange eigentlich geplant – bis Neumüller ihm einen Strich durch die Rechnung machte: Maximal 2,50 Meter in der Breite durfte die Figur haben. Die Transportbreite der Lkw gibt schließlich nicht mehr her. So manchem Fahrer auf der Autobahn wird das Urzeitvieh künftig wohl einen Moment der Unachtsamkeit entlocken, wenn er an dem Tieflader mit der ungewöhnlichen Last vorbeifährt. Bevor es soweit ist, wird allerdings noch die Form von den Styroporblöcken abgenommen, die dann wiederum als Grundlage für alle Reproduktionen dient.

Einzigartig sei die Arbeit von Wolter Design, sagt Neumüller, auch wenn es noch andere Hersteller solcher Modelle gebe. Die Chinesen beispielsweise seien groß in den Markt eingestiegen. Allerdings sei deren Qualität nicht so gut. Und was ihnen auf jeden Fall fehle, das sei die Liebe zum Detail und – Neumüller mag es gar nicht oft genug betonen – die wissenschaftlich fundierte Arbeit. In diesem Moment kommt er wieder auf den Seismosaurus zu sprechen. Mit dem Forscher, der die Knochen dieses Riesen irgendwo in der Wüste von New Mexico entdeckt habe, stünde er in direktem Kontakt. Für so manche Ausstellung arbeite Wolter Design außerdem mit Museen zusammen, wie etwa dem renommierten Senckenberg-Museum in Frankfurt. Und auf die ständige Beratung durch die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Münchehäger Dino-Parks könne er ohnehin zählen.

Auf dieser Grundlage hat das Unternehmen also begonnen. Über die Dinosaurier ist es in den vergangenen 20 Jahren aber hinausgewachsen, auch wenn sie nach wie vor zum Kerngeschäft gehören. Nach den Dinos wurde die Erdgeschichte zunächst chronologisch aufgearbeitet: Die Eiszeit mit ihren Mammuts und Säbelzahntigern kam hinzu, danach die Steinzeitmenschen und als die Evolution in der Jetzt-Zeit angekommen war, ging Wolter Design ins Wasser, angefangen bei riesigen Ammoniten bis zu Haien, die ihre Zähne blitzen lassen.

Einen anderen Weg schlug das Unternehmen danach ein: Waren bisher alle Geschöpfe in Lebensgröße produziert worden, so entstanden nun Insekten in der Werkstatt. Wie bedrohlich eine Ameise sein kann, zeigt sich einem Menschen aber erst, wenn sie mit zwei Meter Höhe und acht Meter Länge vor ihm steht und ihre Zangen reckt.

Die Insekten sind auch die erste Ausstellung gewesen, von der nichts im Dino-Park zu sehen war. Sie gingen auf Reisen – kreuz und quer durch Europa, um in Museen, in Städten oder auch Einkaufszentren ausgestellt zu werden. Das machen alle anderen Ausstellungen ebenso, denn die Vermietung dieser Sammlungen ist einer der hauptsächlichen Geschäftszweige und das ist es auch, was Neumüller oftmals zu einem Globetrotter macht. Die eingangs erwähnte Reise nach Mazedonien mit Medusa und ihren Genossen etwa führte ihn in ein Einkaufszentrum. „Fabelwesen“ ist der Titel der Sammlung, die er dorthin gebracht hat. Sie entstand mit Unterstützung des Landesmuseums in Hannover.

Der Hintergrund damals, erklärt Neumüller, sei die früher verbreitete Annahme gewesen, dass beispielsweise Knochenfunde von Dinosauriern echte Drachenüberreste seien. Funde von Elefantenschädeln hingegen wurden, da in den Knochen eine große Öffnung für den Rüssel war, Zyklopen zugeschrieben – das Loch in der Mitte konnte doch nichts anderes als die Augenhöhle dieser einäugigen Riesen sein.

Was Neumüller an seinem Job so liebt und was ihn immer wieder gerne mit den Sammlungen verreisen lässt, das sind die Reaktionen, die Wolter Design bei den Kunden hervorruft. „Wir verkaufen ja keine Schrauben, bei denen es nur um den Preis geht, sondern kommen mit einer Dino-Ausstellung“, sagt er, „das zaubert den Menschen dann ein Lächeln ins Gesicht.“

Medusa, Zyklop und Meerjungfrau hat Sven Neumüller vor wenigen Tagen nach

Mazedonien gebracht. Und während der Geschäftsführer des Loccumer

Unternehmens Wolter Design wieder an

seinem Schreibtisch sitzt, sind zehn seiner Mitarbeiter dabei, irgendwo in Europa einen Seismosaurus aufzubauen. „46 Meter lang – das ist unser größtes Tier im Stall“, sagt Neumüller. Solche und andere Tiere und

Gestalten sind die Spezialität der Firma.

Dort werden sie entwickelt, geformt, gebaut, bemalt und auch vermarktet.



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