weather-image
26°

Zwölfter Mann – ein Leben lang…

Was sind eigentlich Fans? Echte Fanatiker? Einfache Schlachtenbummler? Wilde Ultras? Wir haben zum Saisonstart den „zwölften Mann“ gesucht – und gefunden. Es sind eigentlich ganz normale Menschen, die in Fantrikots rumlaufen, viel Geld für ihre Leidenschaft ausgeben und sich so skurrile Namen wie „Blaue Ratte“ geben.

veröffentlicht am 24.08.2012 um 21:35 Uhr
aktualisiert am 28.08.2012 um 11:26 Uhr

270_008_5771842_hm302_2508.jpg

Autor:

Diana Koschorreck

Karsten Meyerhoff ist so ein Fan. Er ist ein „Roter“. Sein Verein ist Hannover 96. Er unterstützt seine „alte Liebe“ schon, seitdem er 16 Jahre alt ist. Damals hat er angefangen, regelmäßig zu den Begegnungen von Hannover 96 zu fahren und besitzt seit 1992 durchgehend eine Dauerkarte. „Leider reicht die Zeit nicht, um zu jedem Spiel zu fahren. Aber zumindest bei den Heimspielen versuche ich immer dabei zu sein“, erklärt Meyerhoff. Er ist Mitglied im 96-Fanklub „Hamelner Jungs“, der ein- bis zweimal im Jahr Busfahrten zu den Spielen der Hannoveraner organisiert. „Zum Europa-League-Spiel in Kopenhagen im letzten Jahr bin ich aber privat mit ein paar Freunden gefahren und habe dort auch übernachtet. So war es weniger stressig“, berichtet der 47-Jährige. „Es waren 15 000 Hannoveraner dabei und die Stimmung war einfach toll. Für diese Saison würde ich mir auch wieder einen Europaplatz für 96 wünschen.“

Auf einer Fahrt im ICE nach München reifte bei Uwe Frevert und neun weiteren Bayern-Fans der Gedanke, einen Schaumburger FC-Bayern-Fanclub zu gründen. Seit 2006 gibt es ihn nun unter dem Namen „Bavaria Schaumburg“. Die zehn Mitglieder, die bei der Gründung dabei waren, haben ihre Zahl innerhalb von sechs Jahren verzwölffacht. 120 Fans stehen dem FC Bayern mittlerweile treu zur Seite. Alle Altersgruppen sind in dem Schaumburger Fanclub vertreten, sagt Frevert. Die erste Fahrt zum „Heimspiel“ in München ist bereits geplant. Anfang Oktober reisen 45 Fans gemeinsam in die Allianz-Arena.

So wie es in der letzten Saison aussah, müssen die Schalker Fans darum nicht unbedingt bangen. Die Königsblauen wurden letzte Saison Dritter und zogen in die Champions League ein. Das hat auch Günter Zimmermann miterlebt. Mit seinen Freunden vom Schalke-04- Fanklub „Die Blauen Ratten“ trifft er sich regelmäßig zum Stammtisch. Dort sitzt man in gemütlicher Runde zusammen, redet über Fußball oder schaut sich die Spiele gemeinsam an. Ins Stadion fahren die, wie sie genannt werden, „reifen Herren“ nicht mehr allzu oft. „Aber wenn zum Beispiel eine Begegnung mit einem Aufsteiger ansteht, versuchen wir schon Karten zu bekommen“, sagt Zimmermann. So geht es auch im Februar nach Gelsenkirchen zum Spiel gegen Greuther Fürth. Günter Zimmermann war seinem Verein schon immer treu, erklärt er mit leuchtenden Augen: „Ich könnte Schalke nie im Stich lassen.“ Auf den Tag genau weiß Zimmermann, wann er Fan wurde: „Das war am 18. Mai 1958. Da hat Schalke das letzte Mal den Meistertitel geholt.“ Aber auch in dieser Saison sieht Zimmermann den Klub aus Gelsenkirchen noch nicht wieder mit der Schale in der Hand, auch wenn er es sich wünschen würde.

270_008_5771840_hm301_2508.jpg
270_008_5772810_hi_fcb.jpg
270_008_5772471_hm307_2508.jpg

Das denkt auch HSV-Fan Carsten Hanke über seinen Verein: „Die letzte Saison war schon eine Katastrophe und schwierig für uns Fans. In diesem Jahr wird es nicht einfacher, aber der Klassenerhalt ist auf jeden Fall drin.“ Bei jedem Spiel fiebert der 54-Jährige mit – und wenn der HSV verliert, blutet das „Fan-Herz“. Die ganze Familie ist den Hamburgern treu, sogar seine Enkelkinder hat Carsten Hanke schon mit ins Stadion genommen. Und weil auch seine Frau, die von Beruf Malermeisterin ist, den unerschütterlichen Fan unterstützt, hat sie ihm zum 50. Geburtstag das Garagentor mit dem Vereinslogo verziert. Sogar bei der Arbeit ist sein Lieblingsverein immer dabei: „Im Büro habe ich Fahnen und Schals aufgehängt, und wenn ich aus dem Fenster gucke, schaue ich auf ein Beet im HSV-Stil“, erklärt Carsten Hanke.

Der Gärtner des Krankenhauses, in dem Hanke arbeitet, habe ihm eine Freude machen wollen und Steine in der Form einer Raute angeordnet und bepflanzt. „Das sieht klasse aus“, freut sich der HSV-Fan. Sogar im Urlaub wird sofort die schwarz-weiß-blaue Flagge gehisst – und daran merkt man auch, dass Carsten Hanke dem HSV, wie er selbst sagt, „bis zum Ende“ treu bleiben wird.

Egal, ob 96, HSV, Schalke oder Bayern – sie alle können sich über ihre treuen „zwölften Männer“ wahrlich freuen. Und: Ein wahrer Fan bleibt seinem Verein ein Leben lang treu und investiert währenddessen viel Zeit und auch Geld in dieses Hobby.

Jetzt sind sie wieder im Fieber, die Fußballfans. Gestern Abend ging die Bundesliga in ihre 50. Saison. Ab jetzt gilt es: In königsblau, rot-weiß-blau, grün-weiß, gelb-schwarz oder rot 34 Spieltage mitzujubeln, mitunter auch mitzuleiden. Wir haben einige Fans besucht – und uns in ihre Fußballseele hineingefühlt.

In seinem Vorgarten hat Karsten Meyerhoff eine Steinplatte mit dem Hannover-96-Logo eingelassen. So kann jeder sehen, dass sein Herz für „die Roten“ schlägt.

Foto: dk

In Lederhose und Bayern-Trikot: Uwe Frevert hat die Fahrt zum FC-Bayern-Heimspiel im Oktober bereits geplant.

Foto: ll

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare