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„Hier bin ich weder Beute noch Bedrohung“: Kristin Häfemeier berichtet über ihre Erlebnisse auf den Galapagosinseln

Zu Besuch im Reich der Tiere

Die 27-jährige Rintelnerin Kristin Häfemeier ist freie Journalistin und seit Monaten mit ihrem Rucksack in der Welt unterwegs. Für unsere Zeitung berichtet Häfemeier unregelmäßig über ihre schönsten Stationen. Als zweite Station hat sich Kristin Häfemeier die Galapagosinseln auserkoren. Die sind zwar teuer, aber jeden Cent wert, findet sie. Und hat gleich noch ein paar Tipps mitgebracht, wie der Trip dennoch leistbar bleibt.

veröffentlicht am 26.10.2017 um 13:38 Uhr

Ganz schön zutraulich: Auf den Galapagosinseln lassen sich viele Bewohner von menschlichen Besuchern nicht aus der Ruhe bringen. Foto: KH

Autor:

Kristin Häfemeier
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Wenn Seelöwen spielen, wird es wild. Rücklings, vorwärts, in Loopings oder Spiralen schießen sie durchs Wasser – immer um mich herum. Sie zu zählen habe ich aufgegeben. Lieber versuche ich mitzuspielen, zu tauchen und mich wie ein Seelöwe im Wasser zu verrenken. Sieht garantiert zum Totlachen komisch aus, macht aber riesigen Spaß. Es ist mein letzter von unglaublichen 18 Tagen auf den Galapagosinseln.

Dieses kleine Paradies gehört zu Ecuador, dem Land in Südamerika, in dem ich zuvor bereits einen Monat unterwegs war. Doch diese Inseln sind eine Welt für sich. Die Inseln sind Teil des UNESCO-Weltnaturerbes, etwa 97 Prozent der Galapagosinseln stehen unter strengem Naturschutz. Alle Galapagosreisenden, die ich zuvor in Ecuador getroffen habe, haben mir übereinstimmend zwei Dinge gesagt: „Es ist nicht billig, aber dieser Ort ist jeden Cent wert.“ Beides stimmt. Bevor ich jetzt ins Schwärmen gerate, habe ich aber gute Nachrichten. Mit ein paar Tricks kann man die Inseln erkunden, ohne ein Vermögen auszugeben.

Der Grund, warum ich diesen Ort so liebe, sind seine Bewohner. Denn die Galapagosinseln sind nicht das Reich der Menschen, sie sind das Reich der Tiere. Sie schwimmen, liegen, robben, staksen und krabbeln durch ihre Welt und lassen sich vom Menschen dabei gar nicht stören. Hier bin ich weder Beute noch Bedrohung und schon gar kein Herrchen, von dem sie abhängig wären. Hier bin ich einfach nur ein anderes Lebewesen. Meeresechsen und Krabben laden mich ein, mit ihnen von Lavafelsen aus aufs Meer zu schauen, wo Rochen aus dem Wasser springen, Blaufußtölpel sich in halsbrecherischerer Geschwindigkeit – Schnabel voran – in die Fluten stürzen und Pelikane ins Wasser plumpsen.

Albatrosse laden zum Mitfliegen ein. Foto: KH
  • Albatrosse laden zum Mitfliegen ein. Foto: KH
Lecker! Ein Galapagos-Landleguan beim Mittagessen. Foto: KH
  • Lecker! Ein Galapagos-Landleguan beim Mittagessen. Foto: KH
Eine Rote Klippenkrabbe auf Erkundungstour am Festland. Foto: KH
  • Eine Rote Klippenkrabbe auf Erkundungstour am Festland. Foto: KH

Im Wasser schnorchele ich mit friedlichen Haien, schaue Meeresschildkröten beim Grasen auf dem Meeresboden zu und drehe mich nach pfeilschnell vorbeisausenden Pinguinen um. Am meisten haben es mir aber die Seelöwen angetan. Sie sonnen sich auf Parkbänken oder Fußgängerwegen und „singen“ immer schief aber Hauptsache laut.

An meinem zweiten Abend besuche ich eine Seelöwenbucht, wo sie gepflegtes Rudel-chillen betreiben, im Sand liegen, sich aneinanderkuscheln oder laut blökend über einen Artgenossen drüber robben, ganz einfach, weil das jetzt gerade der kürzeste Weg ist.

Ich lege mich bäuchlings zu ihnen an den Strand, brav mit den geforderten zwei Metern Abstand. Ein junger Seelöwe direkt vor mir schaut mich ein bisschen verwirrt an, ganz als wollte er sagen: „Was will die denn von mir?“ In diesem Moment spüre ich, wie etwas an meinem Bein schnuppert. Ein anderer Seelöwe ist vorbeigerobbt, um sich diesen neuen Artgenossen mal aus der Nähe anzuschauen. Nach etwas Beschnüffeln und dem Versuch, ob man meinen Schuh auch essen kann, bin ich offenbar ins Rudel aufgenommen und mein Fuß muss als Kopfkissen herhalten.

Die Galapagosinseln bestehen aus 13 Inseln, von denen fünf bewohnt sind. Die bewohnten Inseln kann man teils auf eigene Faust erkunden. Für entlegene Gebiete und die unbewohnten Inseln braucht man allerdings einen Führer und ein Boot. Ich war eine Woche auf einem kleinen Segelboot unterwegs und danach zehn Tage allein auf Erkundungstour. Mein Fazit: Galapagos auf eigene Faust zu erkunden ist möglich, günstiger und nicht weniger empfehlenswert als eine Bootstour.

Günstig Essen und Trinken

Essengehen ist hier unfassbar teuer. Die Devise heißt also selber kochen und Butterbrote für unterwegs schmieren. Sparfüchse schauen sich vorher die Lebensmittelliste an, die bestimmt, welche Produkte man nicht mit auf die Inseln bringen darf, und kauft dann günstig auf dem Festland ein. Wer sich an die einfache Studentenküche hält (Spaghetti mit Tomatensoße und Käsebrote) und auf den Inseln einkauft, kommt aber mit weniger als 3US$ pro Mahlzeit aus. Trinkwasser wird normalerweise im Hostel umsonst zur Verfügung gestellt.

Piratenpost verschicken

Postkarten sind günstig, Briefmarken teuer und die reguläre Post unzuverlässig. Wer sowieso zur Insel Floreana möchte, kann die Karten dort unfrankiert in ein Holzfass schmeißen und hoffen, dass bald ein anderer deutscher Tourist vorbeikommt und die Karte entweder persönlich überbringt oder von Deutschland aus verschickt. Man selber kann sich revanchieren und die im Fass wartende Post durchschauen - vielleicht soll ja eine Karte ins Weserbergland.

Was gehört in den Koffer?

Après Milch, Sonnencreme: Lichtschutzfaktor 50, wasserfest, mehr als eine Flasche! So schnell und stark wie hier habe ich mich noch nie verbrannt und niemand möchte 16 US-Dollar für 100 Milliliter Sonnencreme zahlen.

Schnorchelausrüstung: Man kann sich für 3 bis 8 US-Dollar pro Tag die Schnorchelsachen ausleihen, aber die Qualität ist meist schlecht und da man sie so gut wie jeden Tag benutzt, rechnet sich diese Investition. Davon abgesehen ärgert man sich nur, wenn man die Schildkröte neben sich verpasst, weil die Brille mal wieder beschlägt, oder die drückenden Flossen Blasen verursachen.

Einmal-Unterwasserkameras aus einem Drogeriegeschäft in Deutschland, sofern man keine GoPro besitzt.

Tabletten gegen Seekrankheit: Die sind sowohl in Ecuador als auch Deutschland günstig zu bekommen und können den Unterschied zwischen einem furchtbaren und furchtbar schönen Tag machen

Information

Flugpreis minimieren

Das Teuerste an den Galapagosinseln ist, dort hinzukommen. Schaut man online nach Flügen von Hannover nach Baltra, da möchte man direkt den Laptop zuklappen und diese Reise in der Kategorie „unbezahlbare Träume“ begraben. Findet man aber ein Schnäppchen, ist alles andere einfach.

Das Praktische an den Galapagosinseln ist, dass es keine schlechte Reisezeit gibt, auch wenn es Unterschiede in Wassertemperatur und Seegang (Achtung Seekrankheit) gibt und Tiere wie Wale und Albatrosse nicht das ganze Jahr über anzutreffen sind. Die Flugpreise von Europa nach Ecuador sinken außerhalb unserer Sommermonate.

Im mitteleuropäischen Winter beziehungsweise Frühjahr werden Flüge günstiger. Gut erreichbare und günstige Abflugorte sind Frankfurt oder Amsterdam. Auf den Inseln gibt es neben der Flughafeninsel Baltra auch San Cristobal als Alternative. Ein anderer Weg ist, die Suche in zwei Schritte aufzuteilen: Europa-Ecuador und Ecuador-Galapagos. Auf dem ecuadorianischen Festland kann man mit einem Zwischenstopp in Quito oder Guayaquil probieren, den Preis zu reduzieren.

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