weather-image
27°
150 000 Tannen wachsen hier jedes Jahr

Zu Besuch im ersten Christbaumdorf Deutschlands

In einem kleinen Dorf mitten im Spessart dreht sich fast alles um den Weihnachtsbaum. Der Ort mit seinen 850 Einwohnern gilt als erstes Christbaumdorf in Deutschland. Zu den 30 Christbaumerzeugern gehört auch Uwe Klug.

veröffentlicht am 24.12.2017 um 12:00 Uhr

Bernd Oelkers (re.), Vorsitzender des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger, und Christbaum-Produzent Uwe Klug in einer Christbaumplantage bei Mittelsinn (Bayern). Auf Uwe Klugs Initiative hin wurde Mittelsinn Deutschlands erstes Christbaumdorf.

Autor:

Christiane Gläser

Gemächlich fährt Uwe Klug mit seinem Geländewagen über den Kies. Links und rechts stehen Tannen und Fichten, so weit das Auge reicht. Klug baut Weihnachtsbäume im Spessart an. Das ganze Jahr über stehen die Nadelbäume für den 45-Jährigen und seine Familie im Mittelpunkt. Die Klugs sind der Christbaumproduzent im unterfränkischen Sinngrund mit der größten Anbaufläche. Und der Initiative vor allem von Uwe Klug ist es zu verdanken, dass der 850-Einwohner-Ort als erstes Christbaumdorf Deutschlands gilt.

In Mittelsinn haben die Weihnachtsbäume eine lange Tradition. In dem Spessartdorf gibt es 30 Christbaumproduzenten. Im Vorgarten, auf einem kleinen Feldstück oder auf riesigen Plantagen – überall in und um Mittelsinn finden sich Weihnachtsbäume. Zumindest im Verhältnis zur Einwohnerzahl gehört der Ort zu den größten Christbaum-Standorten Deutschlands.

Die Weihnachtsbaum-Produktion ist ein bedeutender Wirtschaftszweig im Sinngrund. Die Böden sind karg, Sand und Steine haben den Bauern im Ort schon immer die Landwirtschaft erschwert. Viele haben deshalb im Nebenerwerb auf Weihnachtsbäume gesetzt. Denn die sind anspruchsloser. Mittlerweile kommen jährlich 150 000 Weihnachtsbäume aus Mittelsinn. Bundesweit verkaufen deutsche Weihnachtsbaumproduzenten jährlich etwa 25 Millionen Bäume, sagt Bernd Oelkers, Vorsitzender des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger. Er lobt die Aktion der Mittelsinner: „Es ist herausragend, was dort passiert, um die Leute hinterm Ofen hervorzuholen. Das gibt einen Schub nach oben.“

Zehn Jahre braucht eine Tanne, bis sie die richtige Größe erreicht hat. Pro Jahr wächst ein solcher Baum etwa 20 Zentimeter. Die Verbraucher wollen Tannen, die zwischen 1,50 Meter und 2,00 Meter hoch und perfekt gewachsen sind. Außerdem müssen die Bäume jedes Jahr einen Formschnitt bekommen, damit sie schön rund sind und eine Pyramidenform haben. „Das ist alles Handarbeit“, sagt Klug und knipst mit einer Gartenschere einen Teil der Zweige ab. Formschnitt, Düngen, zwischen den Fichten und Tannen Mähen, neue Jungpflanzen setzen – das gesamte Jahr über müssen die Bäumchen betreut werden.

In dem abgelegenen Spessartdorf im Sinngrund wird in diesem Jahr die bundesweite Weihnachtsbaumsaison eröffnet. Dafür kommen unter anderem Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) und die deutsche Weihnachtsbaumkönigin nach Mittelsinn. Als erstes offizielles Christbaumdorf Deutschlands hat der Ort 2016 von sich reden gemacht. An zwei Wochenenden im Advent öffneten viele Mittelsinner ihre Höfe, schmückten das Dorf weihnachtlich, verkauften Kunst, Weihnachtsbäume, Glühwein und einheimische Produkte, buken Brot und brauten Bier. Die Menschen kamen in Scharen in den kleinen Ort.

„Wir wären schon mit 2000 Besuchern höchst zufrieden gewesen“, sagt Klug, während er durch seine Plantage fährt. „Dass es dann etwa 10 000 geworden sind, hat uns allen die Sprache verschlagen.“ Richtig gut findet der 45-Jährige, dass seitdem fast alle Christbaumerzeuger des Ortes an einem Strang ziehen. „Früher hat hier jeder für sich sein Süppchen gekocht. Es gab vereinzelt auch Neid und Missgunst. Dieses Klein Klein ging mir auf den Senkel.“ Jetzt hat der eigens gegründete Verein mehr als 150 Mitglieder – bei gerade einmal 850 Einwohnern. Heuer ist die je zweitägige Veranstaltung für den zweiten und dritten Advent geplant.

Klug ist indes in seiner Plantage unterwegs und bereitet die offizielle Saisoneröffnung vor. Wird man bei so vielen Weihnachtsbäumen jeden Tag – auch im Sommer – der Bäume nicht auch einmal überdrüssig? „Nee!“, sagt er sofort. „Weihnachtsbäume sind mein Leben. Das ist mein Hobby und gleichzeitig mein Beruf. Ich will mit keinem anderen Arbeitnehmer tauschen.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare