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Warum tägliche Pflege einem das Leben erleichtern kann

Zeigt her Eure Füße!

Füße werden oftmals behandelt wie arme Stiefkinder, auch dann, wenn es ihnen gar nicht gut geht“, sagt Kathirgamar Kanagarajah. In Sri Lanka studierte er einst ayurvedische Medizin, in Krankenhagen führt er seine Praxis für medizinische Fußpflege. „Füße können so schön sein!“ sagt er. „Schöner als Hände. Bitte, kümmert Euch um Eure Füße!“

veröffentlicht am 29.11.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 09:23 Uhr

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Reporterin zur Autorenseite

Dass Kathirgamar Kanagarajah beim Thema „Fuß“ so pathetisch werden kann, hat mit seinem Arbeitsalltag zu tun. Als staatlich geprüfter Podologe wird er, anders als in der rein kosmetischen Fußpflege, allzu oft mit wirklich bedauernswerten Füßen konfrontiert. Da sind die vielen Frauen, die zu enge Schuhe tragen, auf Teufel komm raus, egal, ob es ihnen schadet; da sind Männer, deren Füße in schwitzigen Arbeitsschuhen mit Stahlkappen halb ersticken; und schließlich die leidenden Füße all derer, die mit Diabetes zu tun haben, schlecht durchblutet und sehr anfällig für Entzündungen, die die Patienten meistens lange, lange ignorieren.

Auch Renate Campe aus Hameln sieht täglich solche erkrankten Füße. Sie ist keine Podologin, sie kommt aus der klassischen „medizinischen Fußpflege“, die sich vornehmlich um die Fußkosmetik und zum Beispiel die Behandlung von Nagelproblemen kümmert. Weil in ihrer Praxis aber auch eine staatlich anerkannte Podologin angestellt ist, kennt sie beide Extreme: regelmäßig gepflegte Füße, deren Besitzerinnen und Besitzer dafür sorgen, dass sie jederzeit damit Eindruck machen können, und auf der anderen Seite Füße, deren Nägel manchmal jahrelang nicht geschnitten wurden, die von Nagelpilz besetzt sind, von eingewachsenen Nägeln und Hühneraugen geplagt, oft durch diabetische Veränderungen fast gefühllos, sodass sich Hornhautschrunden entzünden können und manche Zehen schon fast schwarz geworden sind.

„Es ist schon verrückt, dass es überhaupt so weit kommen kann“, sagt sie. „Jeder, der Diabetes mellitus hat, sollte wissen, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel den Stoffwechsel auf gefährliche Weise durcheinander bringt und zu Durchblutungsstörungen führt. Eine schlechte Durchblutung betrifft die Füße besonders stark. Diabetiker sollten deshalb täglich kontrollieren, ob Anzeichen von Veränderungen zu sehen sind. Aber die Füße sind eben aus den Augen, aus dem Sinn.“ Wenn sie davon erzählt, dass manche sich die empfindungslosen Füße an zu heißen Wärmflaschen verbrennen oder sich verletzten, wenn sie Hornhaut rabiat abhobeln, kann es sehr unheimlich werden. „Und trotzdem“, betont sie, „ich arbeite fast lieber mit den fußkranken Menschen. Da kann man geradezu ein Leben ändern.“

Kanagarajah geht es da ähnlich. Auch in seiner Praxis werden kosmetische Behandlungen angeboten. Und doch spricht er geradezu leidenschaftlich über diejenigen seiner Kunden, denen er durch Aufklärung helfen will. Dabei geht es nicht nur um diabetisch verursachte Fußprobleme. Falsche Schuhe sind ein mindestens ebenso wichtiges Thema. „Mit Schuhen verletzen wir unsere Füße“, sagt er. „Wir sollten so oft wie möglich barfuß gehen.“

Passt der Schuh nicht, gibt es Probleme

Es gibt Menschen, die einen sogenannten „Hammerzeh“ entwickeln, eine Fehlstellung der Zehen, bei der das Mittelglied nach oben steht, so als seien die Zehen gestaucht worden, und genau das sind sie oft auch, in zu engen Schuhen nämlich. Auch der Schiefstand des großen Zehs, Hallus valgus genannt, ist, davon gehen die Podologen aus, eine Folge von Schuhen, die zu eng sind, zu kurz oder die einen zu hohen Absatz haben. Der große Zeh wird dann weit nach innen gedrückt, sodass er alle anderen Zehen in Bedrängnis bringt. Manches Mal reagieren die Betroffenen erst so spät darauf, dass dann Chirurgen eingreifen müssen.

„Die Leute weigern sich, die Schuhe als ein Problem anzusehen“, so der Podologe. „Die Frauen führen modische Gründe an, die Männer reden von beruflichen Notwendigkeiten, und dann sind da noch die alten Menschen, die geschwollene Füße in viel zu enges Schuhwerk pressen, weil sie nicht verstehen, dass auch Schuhgrößen sich im Laufe des Lebens ändern.“ Er versuche es dann mit einem kleinen Experiment, indem er eine Pappschablone vom jeweiligen Fuß herstellt und seine Klienten bittet, diese in ihren Schuh einzupassen. „Und selbst dann, wenn jemand genau sehen müsste, da passt gar nichts mehr, sieht er weg.“

Scham spiele eine große Rolle in solchen Verweigerungshaltungen, gerade in jenen Fällen, wo ein Besuch beim Podologen viel früher hätte stattfinden sollen und die Füße sich in einem erschreckenden Zustand befinden. Viele kämen, weil ihr Partner sie dazu überreden konnte, viele auch per Überweisung vom Hausarzt oder vom Diabetologen. Wenn die Schmerzen, die jemand hat, nicht unerträglich würden, führe der eigene Antrieb eher seltener in die Fußpflegepraxis. „Ist der erste Schritt aber getan, dann gelingt es in der Regel, die Scham zu überwinden“, so Kanagarajah. „Es ist ja, anders als manche denken, nie zu spät für den Versuch, den Fuß zu retten.“

Noch besser ist es natürlich, schon lange vorher eine Achtsamkeit für die Füße zu entwickeln. Das gilt nicht nur für Menschen mit Diabetes. Fußpflegerin Renate Campe weiß da jede Menge Ratschläge, die bereits im Vorfeld verhindern können, dass Füße erkranken. So solle man die Zehennägel mit einer guten Schere regelmäßig beschneiden, und zwar in gerade Linie und nicht zu kurz, damit kein Nagel einwachsen kann. Eine genetisch bedingte besonders dicke Hornhaut nicht mit grobem Hobel, sondern lieber mit einer hornhautreduzierenden Creme pflegen: „Das hilft wirklich.“ Wer gerne hochhackige Schuhe trägt, sollte spezielle Einlagen verwenden. Auch Wanderer sollten nicht an gutem Schuhwerk sparen, wenn sie nicht Blutergüsse unterm Nagel bekommen und dadurch Nagelpilzinfektionen riskieren wollen.

Überhaupt der Nagelpilz. Ähnlich wie der Fußpilz wird er durch Ansteckung übertragen und bietet den Pilzsporen besonders dort eine Angriffsfläche, wo es bereits Verletzungen gibt oder wo Feuchtigkeit und Wärme nicht vernünftig aus den Schuhen abgeleitet werden. Schnell behandelt lässt sich der Verlauf schließlich stoppen, kümmert man sich aber nicht darum, kann er chronisch werden und das ganze Nagelbett entzünden. Je älter die Menschen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Nagelpilz erkranken, weil ihr Immunsystem insgesamt geschwächter ist.

Kathirgamar Kanagarajah, der lange Zeit in der Altenpflege tätig war, kennt die besonderen Anfälligkeiten alter Menschen für Fußerkrankungen ebenso wie Renate Campe, die auch Haus- und Seniorenheimbesuche unternimmt. Beide weisen darauf hin, dass alte Menschen in Bezug auf ihre Füße oft auf Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen sind. Ihnen fällt es schwer, sich zu bücken, die Füße zu waschen, rundherum abzutrocknen, und häufig reicht die Sehkraft nicht aus, um krankhafte Veränderungen zu erkennen. Auch cremen sie wegen dieser Mühseligkeiten ihre trockene Fußhaut nicht ein.

Wie würde das wohl sein, wenn die Menschen die Pflege ihrer Füße genau so wichtig nähmen wie etwa die Haarpflege? Beide, Fußkosmetiker und Podologen, hätten noch mehr als genug zu tun. „Oder, wer weiß, auch weniger“, meint Renate Campe. „Würde man seine Schuhe vernünftig auswählen, sie nie länger als zwei Tage hintereinander tragen, wirklich täglich die Strümpfe wechseln und drei Mal im Jahr zur Fußpflege gehen, dann könnten wir mehr Menschen auf gutem Fuß erwischen.“

„Vielen Menschen sind ihre Füße ganz fremd“, sagt Kathirgamar Kanagarajah. „Sie verstecken sie in Schuhen und Strümpfen und beachten sie kaum.“ Kanagarajah ist Podologe.

Podologen kümmern sich um Füße, vor allem um kranke Füße. Und von denen gibt es viele, weil ihre Menschen sich nicht um sie kümmern.

Eine genetisch bedingte besonders dicke Hornhaut sollte nicht mit grobem Hobel, sondern lieber mit einer hornhautreduzierenden Creme behandelt werden, empfiehlt die Fußpflegerin Renate Campe.

Fotolia/Andres Rodriguez



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