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Elektronische Datenverarbeitung

„Wunderwerk der Technik“ für Sparkasse

LANDKREIS. Vor 50 Jahren haben die Sparkassen die elektronische Datenverarbeitung eingeführt. Ein „Wunderwerk der Technik“, schrieb unsere Zeitung damals. Was 1968 einen Riesenfortschritt für die Kontoführung bedeutete, nötig den EDV-Experten von heute höchstens ein müdes Lächeln ab.

veröffentlicht am 09.05.2018 um 15:43 Uhr

Jens Wiemken und Paul Knauthe an einem modernen SB-Terminal. Foto: kk
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Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite

LANDKREIS. Ein „Wunderwerk der Technik“, so die Schaumburger Zeitung damals, haben heimische Sparkassen vor ziemlich genau 50 Jahren in Betrieb genommen: Mit einer Honeywell-Großrechenanlage des Modells H 200 hielt die moderne elektronische Datenverarbeitung Einzug in die heimischen Geldinstitute. In Bad Nenndorf wurde ein gemeinsames Rechenzentrum in Betrieb genommen. Was 1968 einen Riesenfortschritt für die Kontoführung bedeutete, nötig den EDV-Experten von heute höchstens ein müdes Lächeln ab. Sie planen längst die Innovationen der Zukunft im Bereich Online-Banking. Über Meilensteine der Technik seither und aktuelle Entwicklungen informierten im Gespräch mit dieser Zeitung drei Mitarbeiter der Sparkasse Schaumburg, Jens Wiemken (Leiter Organisation), Paul Knauthe (Leiter Vertriebsmanagement) und Jörg Nitsche (Öffentlichkeitsarbeit).

„Wir kennen das Ganze eigentlich nur noch aus alten Erzählungen“, stellen die Banker schmunzelnd beim Lesen des alten SZ-Berichtes fest. Doch nicht ganz: Nitsche hat immerhin die „BuGe“, die Buchungsgemeinschaft der heimischen Sparkassen in Bad Nenndorf, noch selbst erlebt, bevor ihre Aufgaben von anderen Organisationen übernommen wurden. Mit der BuGe wurden 1966 im Schaumburger Land, damals noch aufgeteilt in die Kreise Grafschaft Schaumburg und Schaumburg-Lippe, die Weichen für den Einzug der EDV in den Sparkassen gestellt. Die Schaumburger waren übrigens Vorreiter in ganz Niedersachsen! Zwei Jahre später ging das Rechenzentrum dann tatsächlich in Betrieb.

1970 wurde in Hannover ein weiteres Rechenzentrum eröffnet. Dieses und zahlreiche weitere IT-Dienstleister fusionierten dann 2003 zur FinanzIT. Inzwischen betreiben die 386 Sparkassen nur noch ein einziges Großrechenzentrum in Deutschland, die FinanzInformatik. Großer Wert wird dort auf die Datensicherheit gelegt: Alle Daten sind auf Servern gespeichert, die in Deutschland stehen.

Die Inbetriebnahme des Nenndorfer Rechenzentrums war der SZ vor 50 Jahren einen Aufmacher wert. Links: Jens Wiemken und Paul Knauthe an einem modernen SB-Terminal. Repro: Archiv
  • Die Inbetriebnahme des Nenndorfer Rechenzentrums war der SZ vor 50 Jahren einen Aufmacher wert. Links: Jens Wiemken und Paul Knauthe an einem modernen SB-Terminal. Repro: Archiv

1983 wird in Rinteln der erste Geldautomat installiert

Auf Sparkassenseite wären Bankgeschäfte heute ohne elektronische Datenverarbeitung gar nicht mehr möglich. Doch es gibt natürlich immer noch Kunden, die zum Beispiel lieber einen Überweisungsauftrag per Hand ausfüllen, anstatt SB-Terminals, Online-Banking oder Smartphone-Apps zu nutzen. Wiemken: „Wir sprechen dabei von beleghaften Überweisungen.“ Die werden zwar immer weniger (minus 79 Prozent in den vergangenen 17 Jahren), müssen aber ja trotzdem bearbeitet werden. Auch hierbei übernimmt moderne Technik die meiste Arbeit. Ein Hochleistungsscanner, der in der Sparkasse in Stadthagen steht, liest 90 Überweisungen in der Minute ins System ein – 421 000 waren es 2017 noch im Geschäftsbereich der Sparkasse Schaumburg.

Die heimischen Sparkassenkunden selbst kamen Ende 1983 zum ersten Mal ganz direkt mit modernster Technik in Berührung: Damals wurden in Rinteln in den Filialen an der Weserstraße und am Andeplatz die ersten Geldautomaten installiert. Ein Jahr später zog die Kreis- und Stadtsparkasse Bückeburg mit Automaten in Bückeburg und Bad Eilsen nach.

Jörg Nitsche erinnert sich daran, dass er als junger Sparkassen-Mitarbeiter in Obernkirchen den Geldautomaten auffüllen musste. Dabei wurde auch immer ein ganz besonderes Kästchen geleert. Darin befanden sich die vergessenen EC-Karten. Damals „spuckten“ die Automaten nämlich erst das Geld, danach die Karte wieder aus.

Heute betreibt die Sparkasse Schaumburg 49 Geldautomaten. Diese sind übrigens nach wie vor recht beliebt. Während anderswo die ersten Automaten wieder abgebaut werden, gibt es in der Region nur gering rückläufige Nutzungszahlen. 2 590 439 Mal holten die Schaumburger 2017 Geld aus einem der Sparkassen-Automaten. „Bargeld hat immer noch eine überragende Bedeutung“, stellt Jens Wiemken fest.

Anfang der 1990er-Jahre konnten die Kunden erstmals Geldgeschäft digital von zu Hause aus erledigen. Über Bildschirmtext (Btx) wurden einfache Überweisungen möglich. Viele Kunden hielten das aber noch für „gefährliches Teufelswerk“. Diese Vorbehalte konnte auch der erste Internet-Auftritt der Sparkasse 1998 noch nicht restlos ausräumen. Die Vorteile, die Online-Banking vom heimischen Computer aus bietet, erkennen seither aber immer mehr Kunden. Wurde es zunächst meist nur für Überweisungen und den schnellen Überblick über das eigene Konto genutzt, kamen im Laufe der Jahre immer mehr Komfort- und Service-Funktionen hinzu. Die Sparkasse spricht heute von ihrer Internet-Filiale (IF). Zwei Beispiele: Durch das Elektronische Postfach werden alle wichtigen Unterlagen und die Kontoauszüge schnell und sicher übertragen. Diese müssen nicht mehr ausgedruckt und verschickt werden, das spart nicht zuletzt wertvolle Ressourcen. Der „Kontowecker“ ist ein praktischer Nachrichten-Service per SMS oder E-Mail. So kann man sich zum Beispiel ganz aktuell informierten, wenn das Konto einen bestimmten Betrag über- oder unterschreitet.

Paul Knauthe versichert, dass sich Online-Kunden um die Sicherheit ihrer Transaktionen keine Sorgen zu machen brauchen. Längst müsse sich niemand mehr durch ellenlange TAN-Listen durcharbeiten, moderne Autorisierungsverfahren hätten diese abgelöst. Natürlich spiele das Thema Datensicherheit im Internet eine große Rolle. Allgemeine Sicherheitstipps und aktuelle Betrugsmaschen seien in der IF einzusehen. Verdächtige Zahlungen würden angehalten, die Kunden direkt informiert. Unter dem Strich seien die tatsächlichen Schadenszahlen aber sehr gering.

Am Service-Telefon sitzen richtige Menschen

Mit zunehmender Verbreitung von Smartphone und Tablet kommt auch Bankgeschäften per App eine immer größre Bedeutung zu. Dieser Service wurde 2009 eingeführt und wird ständig erweitert. Zwei Beispiele: Mit „Kwitt“ lässt sich per App ganz einfach Geld von Handy zu Handy senden oder anfordern. Und bei Foto-Überweisungen müssen keine Daten mehr per Hand eingegeben werden. Rechnungen oder spezielle Giro-Codes werden einfach eingescannt. Inzwischen nutzen über 53 000 Teilnehmer das Online-Banking der Sparkasse Schaumburg. Die Banking-App wurde schon fast 14 000 Mal heruntergeladen.

Langfristig werden diese Entwicklungen wohl dazu führen, dass Bargeld im täglichen Leben an Bedeutung verliert. Dazu tragen auch bargeldlose Bezahlverfahren wie „paydirekt“ der Sparkassen bei.

Doch machen sich die Sparkassen-Mitarbeiter bei so viel moderner Technik nicht selbst überflüssig? „Fundierte persönliche Beratung vor Ort wird immer ihre Bedeutung behalten“, versichern Wiemken und Knauthe. Automatisiert würde das Routine-Geschäft. Doch wenn es zum Beispiel um Fragen wie Geldanlage, Kreditaufnahme oder Immobilienvermittlung gehe, sei menschliches Know-how gefragt.

Auch am Service-Telefon der Sparkasse sitzen tatsächlich noch richtige Menschen – und zwar hier in der Region und nicht in Asien. Und die sind in der Regel auch ohne lange Warteschleifen zu erreichen. „Das wissen auch viele ältere Kunden sehr zu schätzen, denen der Weg in die Filiale zu beschwerlich ist“, berichtet Nitsche. Denn auch am Telefon ließen sich die meisten Bankgeschäfte erledigen.



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