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Faszination Kristalle: 2014 ist das internationale Jahr der Kristallografie

Wunderwelt von Formen und Farben

Um Alpentouristen anzulocken, ist in Reiseprospekten oft die Rede von kristallklarem Wasser der Gebirgsbäche und smaragdgrün schimmernden Bergseen. Kristalle werden im Allgemeinen mit besonderer Reinheit und hohem Wert assoziiert – und in der Tat weisen einige Vertreter dieser Festkörpergruppe Eigenschaften auf, die diese Zuordnung rechtfertigen. Wie Kristalle entstehen, in welcher Weise sie sich verwenden lassen und durch welche Verfahren sie künstlich hergestellt werden können, damit beschäftigt sich die Kristallografie, eine Wissenschaft, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen.

veröffentlicht am 02.01.2014 um 00:00 Uhr

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Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2014 zum internationalen Jahr der Kristallografie erklärt. Die Unesco hat die Federführung für das Wissenschaftsjahr. Es soll an den 100. Jahrestag der Entstehung der modernen Kristallografie erinnern und ihre Bedeutung für das Verständnis der materiellen Beschaffenheit der Welt bewusst machen. Grund genug, sich einmal genauer mit dem Thema Kristalle zu befassen.

Peter Kujath, Kristallexperte aus Emmerthal, hat sich über viele Jahre intensiv mit Kristallen beschäftigt und sich in dieser Zeit neben einer beachtlichen Mineral- und Fossiliensammlung auch ein großes Fachwissen angeeignet. „Kristalle“, so Kujath, „entstehen durch Keimbildung im flüssigen Milieu.“ Wie dieser komplexe Vorgang in der Natur abläuft, lässt sich auch zu Hause recht einfach simulieren. Hält man beispielsweise einen Faden in ein Glas mit gesättigter Kochsalzlösung, so zeigt sich bei entsprechender Temperatur recht schnell, dass sich die im Wasser gelösten Bestandteile an den Faden anlagern und kristalline Strukturen bilden. Bei vielfacher Vergrößerung wird erkennbar, dass diese Strukturen gitterförmig angelegt sind. Diese Gitterstruktur verleiht den Kristallen ihre sprichwörtliche Härte. Kristalle lassen sich vor diesem Hintergrund auch entsprechend ihres Härtegrades in Klassen einteilen. So besitzt etwa der meist farblose Calcit einen Härtegrad von 3, während der Diamant einen Härtegrad von 10 aufweist. Diamanten gelten als die härtesten Steine der Welt und werden daher nicht ohne Grund unter anderem als Bohrköpfe eingesetzt.

Durch das Anlegen von Wechselspannung lassen sich Kristalle in Schwingung versetzen. Dieses Phänomen machen sich zum Beispiel Uhrmacher bei der Konstruktion von Quarzuhren zunutze. Kristallen wird darüber hinaus auch eine heilende Wirkung nachgesagt, nachgewiesen werden konnte dies bisher allerdings nicht. Der Faszination, die Kristalle bei vielen Menschen wecken, ist dadurch aber kein Abbruch getan. So werden Kristalle schon seit vielen Jahren durch Schliff und Edelmetalleinfassung zu Schmucksteinen veredelt, die bei entsprechender Güte des Steins hoch gehandelt werden.

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Amethyst. pr

Auch in den umliegenden Landkreisen gibt es Kristallvorkommen, allerdings sind die edlen Steine nur schwer zu finden und der gewerbliche Abbau findet, wie in Langenfeld und in Rinteln, auf abgeriegeltem Gelände statt. Privater Raubbau hat in den letzte Jahren zu nicht unerheblichen Flurschäden geführt, weshalb die Suche nach Kristallen im Extertal und im Schaumburger Land mittlerweile verboten ist. Besonders im Extertal ließen sich vordem Quarz und Calcit-Kristalle finden. Kennern wie Peter Kujath sind diese Steine unter der Bezeichnung „Schaumburger Diamanten“ bekannt. Wer sich ein wenig Zeit für den Blick durch ihre Gitterstruktur nimmt, der erkennt schnell, warum Kristalle für viele Menschen eine so große Anziehungskraft haben. Vielleicht sieht man dann im Jahr der Kristallografie manchen Schmuckstein oder die eigene Armbanduhr mit ganz anderen Augen.

Sie sind faszinierend, vielfältig, meist voller Glanz und nicht selten überaus wertvoll: Kristalle. Viele Menschen sammeln Kristalle wegen ihrer Schönheit, ihrer Reinheit, ihrer Formenvielfalt – auch im Weserbergland. Und auch eine ganze Wissenschaft hat sich den Kristallen verschrieben, die Kristallografie. 2014 ist das Jahr der Kristallografie.



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