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Wo Schokolade noch mit C geschrieben wird

Immer dann, wenn Elke Beutler die „Königin Luise“ bearbeitet, darf der Pfeffer nicht fehlen. Eine leichte Prise gemahlener schwarzer Körner rundet die feine Note ab, danach geht es für die „Königin“ in den Kühlschrank, für etwa 20 Minuten. Besondere Schokolade braucht besondere Behandlung – die „Königin Luise“ ist solch eine besondere: eine Vollmilch-Schokolade, mit Himbeeren und Sahne – und pikantem schwarzen Pfeffer.

veröffentlicht am 08.11.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Ressortleiter zur Autorenseite

Süß und scharf – „das passt sehr gut zusammen“, ist Elke Beutler überzeugt. Sie stellt die Schokoladentafeln in Handarbeit her. Das ist Tradition im Hause „Kapelle und Kapelle“ in Wiedenbrügge. Dort, in unmittelbarer Nähe zum Steinhuder Meer, hat Chocolatier Achim Kapelle ein Handwerk wiederbelebt, das schon vor über 260 Jahren am Schaumburg-Lippischen Hofe sehr beliebt war. Damals soll der ehemalige Bürgermeister Steinhudes, Johann Henrich Schwabe, die erste Schokoladenmanufaktur Deutschlands am Steinhuder Meer eröffnet haben. Fortan belieferte er auch den Schaumburg-Lippischen Adel – erst mit Kakao-Getränken, dann mit in Form gegossenen Schokoladentafeln. Seit zehn Jahren führt Achim Kapelle mit seiner Zwillingsschwester Tanja diese Tradition fort und stellt im Wiedenbrügger „Landsitz Kapellenhöhe“ feine Schokolade in Handarbeit her.

Das Verpacken jeder einzelnen Tafel in durchsichtige Folie gehört bei „Kapelle und Kapelle“ genauso zu dieser Handarbeit wie das laute Klopfen, das aus der Küche in den Gastraum schallt.

Elke Beutler nennt dieses Klopfen aber „Rütteln“. Ein unbedingt notweniger Arbeitsschritt, wie sie berichtet. Denn wenn die flüssige Schokolade bei einer Temperatur von etwa 30 Grad in die Formen gegossen wird, die später die typischen Tafeln ergeben, müssen erst die Luftblasen raus aus der braunen Masse. Ob die Schokolade dann hellbraun oder dunkelbraun wird – das entscheidet der Kakaoanteil. In der „Königin Luise“ sind es 38 Prozent. Bei dunkleren Sorten wie „Sofies Traum“, die ein feines Ingwer- und Orangenaroma hat, oder bei der „Königin von Saba“, einer Mischung aus Ananas, Kokos und Curry, liegt der Kakaoanteil bei 70 Prozent. Liebhaber können sich sogar mit „Grande Chapelle“ einen 95-prozentigen Kakaoanteil auf der Zunge zergehen lassen. „Das ist schon sehr speziell“, meint Elke Beutler. Eigentlich sei sie immer Fan von Vollmilch-Schokolade gewesen, erst die Arbeit in Kapelles Schokoladen-Manufaktur habe sie auf den Geschmack der hochprozentigen Zartbittervariante gebracht: „Da kann man wirklich Freude an der Dunklen entwickeln.“

Eine leichte Prise Pfeffer sorgt bei der „Königin Luise“, einer Vollmilch-Schokolade, für feine Schärfe.

Rund 1,5 Tonnen Schokolade – das sind rund 15 000 Tafeln – werden jährlich in Wiedenbrügge in Form gebracht, gerüttelt, verpackt und mit einer speziellen Banderole versehen. „Manchmal geht das Verkaufen schneller als das Verpacken“, sagt Elke Beutler. Achim Kapelle setzt auf Direktvermarktung. Nirgendwo anders als in der Kapellenhöhe gibt es „Kapelle und Kapelle“-Schokolade zu kaufen. „Wenn man Geschichte mit verkauft, gilt es auch, authentisch zu sein“, sagt der Chef des Hauses. Auch deswegen wird die Schokolade bei „Kapelle und Kapelle“ mit großem „C“ am Anfang geschrieben.

Vom Wintergarten des Landsitzes in Wiedenbrügge aus haben Gäste einen Panorama-Blick aufs Steinhuder Meer. Britscher Landhausstil macht sich breit in der Kapellenhöhe, die gleichzeitig Café, Hotel und Restaurant beherbergt. Als Chocolatier bezeichnet Achim Kapelle seinen Beruf – auch ein bisschen als Hotelier und Gastronom. Es sei die Vielfalt, die seine Arbeit seit zehn Jahren reizvoll macht. Und ganz unumwunden gibt er zu: „Ich würde mich als ,Meister der Genüsse‘ bezeichnen.“ Schon als kleiner Junge habe der Chocolatier seine besondere Vorliebe für Schokolade entdeckt und in Mutters Küche damit herum experimentiert. „Das ist natürlich nicht immer alles gut gegangen“, sagt Kapelle. Der Entschluss hingegen, im Jahr 2002 mit Schwester Tanja die besondere Geschichte der Schokolade im Schaumburger Land mit einer eigenen Manufaktur weiterzuspinnen, sei aber der richtige gewesen. „Auch, wenn die Selbstständigkeit nicht immer Schokoladeschlecken ist“, so der gelernte Hotelfachmann.

Den ersten Schokoladenmacher Deutschlands, Johann Henrich Schwabe, und Achim Kapelle verbindet eine Parallele: Beide haben wichtige Erfahrungen aus England mit nach Schaumburg gebracht. Irgendwann um 1740 kam Johann Henrich Schwabe aus London vom Hofe König Georgs II. und begann die Schokoladenproduktion am Steinhuder Meer. Auch Achim Kapelle hat in den 90er Jahren wichtige Erfahrungen in der Küche des Londoner Claridge-Hotels gesammelt und sie anschließend in die eigene Süßwarenherstellung eingebracht. Noch heute pflegt Achim Kapelle eine besondere Beziehung zu England: Mitten im Gastraum der Kapellenhöhe steht – umrahmt von Whisky- und Gin-Flaschen – ein Foto von Queen Elisabeth II, der Königin des Vereinigten Königreichs, auf dem Sims. Der Gin steht der Queen am nahesten. „Es ist ja ihr Lieblingsgetränk“, sagt Kapelle. Von der Begegnung mit der Queen zur „Tea-Time“ während seiner England-Zeit schwärmt der Chocolatier noch heute. Es sei „etwas ganz Besonderes“ gewesen, die Königin zu Gast zu haben. „Wahrscheinlich habe ich auch deshalb eine Affinität zum britischen Lebensstil und deswegen ist auch hier vieles mit Landhaus-Flair verbunden“, sagt Achim Kapelle mit zufriedener Miene. Schokolade macht eben glücklich.

Schokolade hat eine lange Geschichte. Schon vor über 260 Jahren wurden in der Region erlesene Süßwaren angefertigt. Diese Tradition besteht fort:

Chocolatier Achim Kapelle setzt in Wiedenbrügge auf klassische Herstellung und neue Kreationen.

Die Queen kam schon zur Tea-Time

Mit seiner Zeit in England verbindet Chocolatier Achim Kapelle wichtige Erfahrungen: Auch Queen Elisabeth II. war zu Gast bei ihm. Ein Foto soll heute daran erinnern, die Flasche Gin ebenso.



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