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Wo Hip-Hop zu Hause ist

WESERBERGLAND. Beim Blick durch die Hip-Hop-Brille auf die heimische Landkarte wird klar: Viele namhafte Rapper, DJs, Produzenten, Graffiti-Künstler und Beatboxer haben ihre Wurzeln in der Region. Sie kommen aus Bodenwerder, Rinteln, Bad Pyrmont, Bösingfeld, Hessisch Odendorf, Minden, Bad Oeynhausen und Lemgo. Allein um Hameln war es lange Zeit auffällig still. Doch das ändert sich gerade.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 10:31 Uhr
aktualisiert am 26.04.2018 um 11:38 Uhr

Hip-Hop ist in Hameln (Foto) und Umland tief verwurzelt. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Hip-Hopper aus dem Weserbergland

Hameln
In den 90ern war Hameln vor allem Anlaufstelle für Hip-Hopper aus der Region. An der Bahnhofstraße gab es den Plattenladen Beatstreet, bei Radio Aktiv die Rap-Show „… vom Feinsten“, im Regenbogen große Hip-Hop-Jams. Neben Rap-Größen wie Curse, Samy Deluxe, Kool Savas oder Azad standen dort auch Lokalmatadoren wie der Nation Clan aus Bad Pyrmont oder Soulrock aus Rinteln auf der Bühne. Unter den Gästen tummelten sich Leute, wie Casper, Big Toni … Doch Hamelner Hip-Hopper, die sich außerhalb der Stadt einen Namen machten, gab es lange Zeit nicht. Eine Ausnahme bildete Ali Reza Zeinali Yazdi alias Treyer, der in den 90ern in Hameln den Breakdance wieder aufleben ließ und später, zurück in Wiesbaden, in der Rap-Gruppe Sieben aufging, die etwa für Curse produzierte. Später sorgte die Breakdance-Crew Lost Kidz für Aufsehen jenseits der Stadtmauern. Heute ist Christian Pook alias G-Ko ein Rapper und Produzent aus Hameln, der in der Szene zunehmend von sich reden macht: an der Seite des Hannoveraners MXP als Dick & Doof sowie als Mitglied der Zombiez. An dem letzten Dick & Doof-Album arbeitete Oliver Sauerland mit. Eugen Langemann alias KVSV (Kasa) ist ein Hamelner Produzent, der etwa mit MXP arbeitet. Auf Platz 3 der deutschen Charts landete vor kurzem das neue Album von Ruffiction. Die Rap-Gruppe besteht mit Crystal F und Crack Claus zu zwei Dritteln aus Hamelnern.


Ruffiction sind Arbok 48 (v.li.), Crystal F und Crack Claus. Foto: Bastian Harting/pr

Bad Pyrmont
Erste Bühnenerfahrung sammelte Costa Meronianakis aus Bad Pyrmont in der Region als Rapper mit seiner Gruppe Nation Clan sowie als Tänzer und Hype Man von Blaque. Nach einem erfolglosen Intermezzo mit der Combo D-Zone Mitte der 90er Jahre wurde Moses Pelham vom damaligen Rödelheim Hartreim Projekt auf den Pyrmonter aufmerksam, nahm ihn bei 3P in Frankfurt unter Vertrag. In der Folge veröffentlichte Meronianakis als Illmatic vier Alben, ein weiteres zusammen mit Kool Savas. Heute ist der Wahl-Frankfurter zwar vor allem als Stand-up-Comedian tätig – es ist aber nicht ausgeschlossen, dass eines Tages das seit Jahren angekündigte gemeinsame Album mit Moses Pelham doch noch erscheint. Ein Rapper der nachfolgenden Generation aus Bad Pyrmont ist Mert.


Costa "Illmatic" Meronianakis Foto: Angela Kropp Photography/pr

Bodenwerder

Als Phillie MC machte sich Oliver Sauerland aus Bodenwerder in der deutschen Hip-Hop-Landschaft zunächst wenig Freunde – zu inszeniert und wenig originell. Aber kommerziell erfolgreich. Später wurde er Mitglied der Punk-Band Abstürzende Brieftauben, seinen Jugendidolen. Auch als Produzent setzte Sauerland Zeichen. Für Produktionen für Die Atzen und Nena wurde er mit Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Seine eigene Punk-Band heißt „Band ohne Anspruch“. Als Jonny Bockmist rappt er heute noch.


Oliver Sauerland Foto: pk

Hessisch Oldendorf
Eines der ersten deutschen Rap-Alben hat seinen Ursprung in Hessisch Oldendorf: „It‘s A Blaque Thing“ erschien 1991 bei der EMI Group. Die Gruppe dahinter, Blaque, bestand aus den US-amerikanischen, in Hessisch Oldendorf stationierten Rappern Courtney Davis alias C-Bone und Steve Harbison alias T.A.M.C sowie Produzent und DJ Sascha „Busy“ Bühren aus Bad Oeynhausen. Zuletzt machte aus Hessisch Oldendorf der Rapper L.E.V. von sich reden. Er veröffentlichte 2015 das Album "Rot". Zurzeit ist er als Schauspieler in dem Film "Romeos Erbe" zu sehen - und als Rapper zu hören.


Blaque Foto: EMI Group

Rinteln
Daniel Ferreira Sezinando alias Soulrock aus Rinteln macht die Musik mit seinem Mund. Er ist Beatboxer. Noch als Rintelner wurde er als solcher Vizemeister in Berlin. Heute begeistert der Beatboxer die Menschen dort vor allem als Straßenkünstler. Ein weiterer Rintelner in Berlin ist der Rapper Johannes Loock alias Zeta.


Soulrock Foto: pk

Minden
Minden hat gleich mehrere große Hip-Hop-Künstler hervorgebracht: Curse setzte als Rapper in Deutschland neue Maßstäbe, die Rap-Gruppe Der Klan lieferte mit dem Album „Flashpunks“ (2000) einen bis heute gefeierten Klassiker, Klan-Mastermind Lord Scan ist zudem ein hervorragender Graffiti-Künstler, der in Minden das „Hack & Lack“-Festival veranstaltet. Toni „Big Toni“ Schönebeck ist ein international gefeierter Breakdancer, der heute mit seinem Bruder Ricco das Produzenten-Team Hitnapperz bildet. Sie haben maßgeblich das neue Curse-Album „Die Farbe von Wasser“ produziert. Vor wenigen Tagen erschien die neue Single „Zusammen“ von den Fantastischen Vier – produziert von den Hitnapperz. Weserwasser!

Curse Foto: Robert Eikelpoth/pr

Lemgo
Andreas Biernat brachte als Rapper Abroo seine Stadt Lemgo auf die Hip-Hop-Landkarte. Erst allein, dann mit Casper und dem Mainzer Separate als „Kinder des Zorns“, später mit den Antihelden, dann wieder allein. 2016 erschien sein Album „Königreich der Angst“. Im letzten Jahr veröffentlichte er gemeinsam mit Headtrick und Pawcut das Steampunx-Album. Zurzeit ist ein neues Album der Antihelden in Arbeit, die Abroo gemeinsam mit  Dra-Q bildet.


Abroo Foto/Screenshot: YouTube

Bösingfeld
Benjamin Griffey aus Bösingfeld hat es als Casper wiederholt bis an die Spitze der Charts und zu Gold- und Platin-Alben geschafft. Sein zweites Album, „Hin zur Sonne“ (2008), wurde von Busy aus Bad Oeynhausen gemastert; später arbeitete Casper auch mit dem aus Börry/Emmerthal stammenden Produzenten Philipp Hoppen (K.I.Z., Kraftklub). Der Rapper mit der Reibeisenstimme ist für seine musikalischen Ausflüge in rapferne Genres bekannt. 2017 erschien sein Album „Lang lebe der Tod“. Chartplatzierung? Die Eins.


Casper Foto: Four Music/pr

Bad Oeynhausen
Sascha „Busy“ Bühren aus Bad Oeynhausen machte sich zunächst Ende der 80er Jahre als DJ einen Namen, dann als Produzent (Blaque, Curse u. a.) und schließlich als gefragter Audio Master (Seeed, Nena, Lena Meyer-Landrut u. v. m.). Er lebt und arbeitet inzwischen in Berlin.


Busy Foto: pk



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