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Märchenwelt in Kassel wird eröffnet

Wo die Grimms zu Hause sind

Es war einmal… Grimms Märchen. Auch im Weserbergland kennt nicht nur jedes Kind die Geschichten von Rotkäppchen oder Hänsel und Gretel – die Brüder Grimm hinterließen auch Spuren. Nicht zuletzt entlang der Deutschen Märchenstraße, die sich 600 Kilometer durch die Landschaften schlängelt, in denen jene Gestalten zu Hause sind, die Jacob und Wilhelm Grimm für ihre Märchen gesammelt haben. Mehr als 200 Jahre, nachdem ihre Erstausgabe erschienen ist, wird in Kassel die „Grimmwelt“ eröffnet.

veröffentlicht am 01.09.2015 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 07.09.2015 um 10:44 Uhr

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Die Ausstellung will kein Museum sein, sondern eine Erlebniswelt. Im Mittelpunkt stehen die Märchen, die Brüder Grimm werden aber auch als Wissenschaftler für Sprache und Literatur, Recht und Politik dargestellt.

Es gibt wenige „Ausstellungsstücke“ im herkömmlichen Sinn. Und so wird auch der Rattenfänger aus Hameln nicht zu finden sein, obwohl die Gestalt in der Sagensammlung der Grimms aufgenommen wurde. 1816 und 1818 sind die beiden Bände der „Deutschen Sagen“ aus der Feder Grimm-Brüder erschienen, der Erfolg allerdings war nur mäßig. Den Siegeszug der „Rattenfängersage“, die für Hameln von so großer Bedeutung ist, konnte das aber nicht verhindern. Für weltweite Verbreitung der Rattenfängersage sorgte hier eher das Poem vom „Pied Piper of Hamelin“ von Browning.

Für Märchen-Fans gibt es in Kassel viel zu entdecken: Die neue Grimmwelt, die in einem 20 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Weinberg entstanden ist, soll Familien ebenso ansprechen wie Kulturinteressierte, Laien genauso wie Grimm-Experten. Die 1600 Quadratmeter Ausstellungsfläche stehen maximal 400 Besuchern gleichzeitig offen. Pro Jahr werden 80 000 Besucher erwartet. Im Januar 2012 war im Rahmen eines Architektenwettbewerbes das Design festgelegt worden. Gewonnen hatte das Aachener Architektenbüro „Kadawittfeldarchitektur“: Das Gebäude sieht aus wie eine moderne Burg mit einer großen Freitreppe.

Eine Ausstellung wie ein Wörterbuch – das ist die Grimmwelt.

Konzipiert wurde die Ausstellung von den Berliner Kuratorinnen Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp. Sie haben sich vom Wörterbuch des berühmten Bruderpaars inspirieren lassen. Über jedem der 26 Ausstellungsräume prangt ein in Neonlicht leuchtender Buchstabe, der wiederum für einen Bucheintrag steht. Die Ausstellung ist nicht von A bis Z, sondern thematisch geordnet. Los geht es mit Z wie Zettel. Denn alles, was die Grimms geschaffen haben, kommt aus Zetteln und Büchern, erläutert Nicola Lepp. Die Welt der Sprache bilde so den Einstieg in die Ausstellung. Die Projektion im Foyer, bei der Begriffe aus dem Deutschen Wörterbuch der Grimms zu sehen sind, ist Teil einer Installation des Künstlers Ecke Bonk, Buch der Wörter/book of words: random reading“, die 2002 auf der documenta zu sehen war und nun ihren Platz in dem Neubau gefunden hat. Unter F wie „Froteufel“ – dem letzten Eintrag, den Jacob Grimm vor seinem Tod vollendete – erfährt der Besucher alles über die Entstehungsgeschichte des Wörterbuches.

Fünf Monate lang haben die Initiatoren zu viert am Konzept gearbeitet, Ideen entwickelt und sich Rat bei Experten geholt. Sie setzen gezielt auf unterschiedliche Medien und Exponate: Original-Dokumente und ein Schrank aus dem Nachlass der Grimms sind ebenso zu sehen wie weitere Werke von documenta-Künstlern; darunter auch ein exklusiv gefertigtes Werk des chinesischen Künstlers Ai Weiwei: Fünf riesige, farbig angemalte Wurzeln mit dem Titel „Colored Roots 2009-2015“. Ein Dornenwald aus grünen Kunststoffwalzen und die dazugehörige Soundinstallation lädt Kinder zum Verirren und Lauschen ein.

Die Grimm-Welt Kassel versteht sich als ein modernes „Mitmachmuseum“. Durch unterschiedliche Räumlichkeiten und Themenbereiche soll der Besucher dazu angeregt werden, in die Welt der Brüder Grimm einzutauchen. Vier jeweils 125 Quadratmeter große „Märchen-Räume“ wurden von Künstlern, Designern, Modemachern und anderen Kreativen so gestaltet, dass die Besucher einen hohen Erlebniswert bekommen und sie mit einbezogen werden. In einem weiteren Raum sollen die Besucher die Märchen hören und lesen können.

Und in der „Schatzkammer“ steht das Unesco-Weltdokumentenerbe, nämlich die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen, im Vordergrund.



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