weather-image
21°
×

Überall auf der Welt gibt es optische Phänomene, die vermeintlich Naturgesetze außer Kraft setzen

Wie man sich täuschen kann!

Die toten Kinder eines geschlossenen Waisenhauses ziehen Autos den Hügel hoch – nicht nur über das Phänomen an der Hangstraße zur Maikuhle in Groß Berkel gibt es viele, teils kuriose Theorien. Es scheint einfach unerklärlich zu sein, warum hier Autos, ohne Antrieb oder fremde Hilfe, den Hügel hinauf rollen. Dass es sich dabei nur um eine optische Täuschung handeln kann, haben Wissenschaftler an anderen Beispielen längst bewiesen. Doch trotzdem faszinieren solche Orte, an denen die Gesetze der Physik – scheinbar – außer Kraft treten. Viele von ihnen sind daher zu Touristenattraktionen geworden.

veröffentlicht am 28.08.2014 um 00:00 Uhr

Autor:

So auch der „Spook Hill“ (engl.: Spukhügel) in Lake Wales im US-Staat Florida. Es heißt, dass Indianer hier mit ihren Pferden lang geritten seien und ohne Mühe den vermeintlichen Hügel hinaufgelangen konnten. Sie fanden dafür keine Erklärung und nahmen an, dass es sich um einen Fluch handeln müsse. Daher wird der „Spook Hill“ auch „Fluch des Indianerhäuptlings“ genannt.

Noch verwunderlicher ist die Theorie über den „Oregon Vortex“ (engl.: Oregon-Wirbel), der in der Nähe des Gold Hill im US-Staat Oregon liegt. Das kreisförmige Gebiet von 55 Metern Durchmesser sei ein verwirbeltes Kraftfeld, das zur Hälfte unter, zur Hälfte über der Erde liegt. Bäume sollen hier in einem ungewöhnlichen Neigungswinkel wachsen, Vögel würden ihre Richtung während des Flugs ändern und auch Menschen stünden zum Kraftfeld hin geneigt. Als Erklärung wird angeboten: Alles werde – wie magisch – von dem magnetischen Pol angezogen. Diese Annahme des Magnetismus dient auch bei zahlreichen anderen Orten, bei denen scheinbar Gegenstände gegen die Schwerkraft bergauf rollen, als Erklärungsversuch. Der „Magnetic Hill“ (engl.: magnetischer Hügel) in New Brunswick in Kanada, wurde sogar danach benannt. Im Jahr 1933 wurde hier die Besonderheit entdeckt, und seitdem versuchten Wissenschaftler immer wieder, eine logische Begründung zu finden. Eine japanische Forscherin zeigte am Beispiel des „Magnetic Hill“, dass es sich nur um optische Täuschungen handelt, und erhielt im Jahr 2010 dafür den Preis des „internationalen Wettbewerbs für die besten, visuellen Illusionen“.

Auch bei dem „Electric Brae“ (engl.: elektrischer Hang), einem Berg in der schottischen Grafschaft Ayrshirt, wurde angenommen, dass es sich um eine elektrische oder magnetische Anziehungskraft des Bergs handeln müsse.

2 Bilder

Eisenhower brachte

Gäste zum „Magnetic Hill“

Schon früher war die Straße A 719, die zum „Magnetic Hill“ führt, das Ziel zahlreicher Touristen. Beispielsweise brachte der Oberbefehlshaber Eisenhower während des Zweiten Weltkriegs hier seine Gäste hin, um ihnen das Wunder zu zeigen. Heute ist klar, dass es sich nur um eine optische Täuschung handelt. Die Gestaltung der Landschaft führt zu der Annahme, dass es berghoch geht, obwohl eigentlich genau das Gegenteil der Fall ist. Diese Begründung können Touristen heute auf einem Stein nachlesen, der am Rande der Straße steht. Wie die anderen Phänomene verdankt auch der „Gravity Hill“ (engl.: Hügel der Schwerkraft), der in einem Vorort von New Paris im US-Staat Pennsylvania liegt, seinen Namen der Annahme, dass hier die Gesetze der Schwerkraft nicht ohne Weiteres gelten.

Aber auch in Europa findet man zahlreiche solcher vermeintlichen Gravitationsanomalien. Seit den siebziger Jahren haben Wissenschaftler versucht, herauszufinden, warum Autos auf der Landstraße „Via del Laghi“ in Italien den Berg hochrollen. Die Bergstraße verbindet als Verlängerung der Via Appia Nuova die Hauptstadt Rom mit der Weinregion Frascati sowie mit der Seelandschaft der Albaner Berge. Hinter der Ortschaft Rocca di Papa führt eine optische Täuschung dazu, dass man annimmt, es handele sich um eine 200 Meter lange Steigung, die Autos und Gegenstände hinauf rollen.

Dasselbe gilt auch für die „Strazacka-Straße“, die nahe dem polnischen Kurort Karpacz verläuft. Am Fuß der Schneekoppe kullern Gegenstände hier scheinbar gegen die Schwerkraft bergauf. Seit Jahren kommen extra Reisebusse an diese Stelle, schalten ihren Motor aus und rollen im Leerlauf den Berg hinauf – zur Faszination der Touristen.

Aber nicht nur Autos rollen berghoch – sondern ganze Flüsse fließen irreführenderweise rückwärts. In China zum Beispiel soll ein Fluss einen 60 Meter langen Hügel hinauf fließen. Und auch in Deutschland, im Eybacher Tal, scheint es so, als würde ein Bach stellenweise aufwärts strömen. Viele Esoteriker kommen hierhin und sprechen von einem großen Kraftfeld und einer ungeheuren Energie.

Doch bei all diesen vermeintlichen Wundern ist leider wenig Magie im Spiel – es ist einfach nur unsere Wahrnehmung, die sich täuschen lässt.

Flüsse, die aufwärts fließen? Autos, die den Berg hinaufrollen? In vielen Ländern gibt es optische Täuschungen, die glauben machen, dass dort keine Schwerkraft gilt. Manche von ihnen werden sogar zum Touristenmagnet – manche zum Wallfahrtsort für Esoteriker. Eine Geschichte von faszinierenden Phänomenen.

„Electric Brae“ – ein Hügel mit magnetischer Wirkung (links)? Am „Oregon Vortex“ neigt sich alles zu einem bestimmten Kraftfeld hin, so zumindest die halbseidenen Theorien.pr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige