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Passend zur großen Frage zum Valentinstag: Wissenschaftler haben eine Eheformel entwickelt

Wie lange hält die große Liebe?

Für die Blumenhändler ist der heutige Tag der wichtigste des Jahres, Restaurants bieten spezielle Menüs, Hotels Champagner mit Erdbeeren im Deluxe-Zimmer und Mietwagen-Anbieter empfehlen „Kurz-Trip ins romantische Italien“. Der Valentinstag, das ist nichts Neues, ist nicht mehr nur der Tag der Liebenden, sondern längst auch ein Tag des Kommerzes geworden. Grund genug für viele Deutsche zu sagen: Was für ein Blödsinn. Das Magazin „Reader’s Digest“ veröffentlichte im vergangenen Jahr eine repräsentative Umfrage, wonach 60 Prozent der Deutschen den Valentinstag für „kommerziellen Quatsch“ halten.

veröffentlicht am 14.02.2013 um 00:00 Uhr

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Einige Zahlen geben den Verweigerern durchaus recht. Über 100 Millionen Euro setzt die Blumen-Branche nach Angaben des Fachverbandes deutscher Floristen (FDF) im Schnitt rund um den Tag der Liebenden um – vor allem mit der klassischen Rose. Nach diesen Angaben wurden im vergangenen Jahr in der Valentinswoche rund 30 Millionen Rosen um den Globus geflogen. Nicht zuletzt deshalb haben auch Umweltschützer den Valentinstag inzwischen als Hassobjekt entdeckt.

Ganz so einfach ist das bei allen Kommerz-Vorwürfen aber nicht mit der kompletten Ablehnung, sagt die Kulturwissenschaftlerin Lina Wiemer, die an der Universität Freiburg eine Magisterarbeit geschrieben hat mit dem Titel „Was Geschenke über die Liebe erzählen – eine Analyse von Erzählungen über Paarbeziehungen“. Auch wenn laut „Reader’s-Digest“-Studie vor allem die 30- bis 49-Jährigen mit betonten Liebesbekundungen am 14. Februar nichts anfangen können, voraussetzen dürfen sie das nach Ansicht von Wiemer in einer Beziehung nicht. Sonst geht es ihnen wie jenem Mann, dessen Frau sich zum Tag der Liebe etwas wertvolles Silbernes wünschte – und einen teuren, silbernen Messerblock bekam, weil sie doch so gerne kocht. Das war dann doch keine so gute Idee…

Am Valentinstag geht es – wie eigentlich jeden anderen Tag auch – um Liebe, Gefühle, Zuneigung. Wer schon bei der Hochzeit gerne wissen möchte, ob die Partnerschaft ewig halten wird oder schon nach einigen Jahren die Scheidung ins Haus steht, der sollte den Oxford-Professor James Murray und seinen Kollegen John Gottman von der Universität Washington in Seattle befragen. Der schottische Mathematiker und der US-amerikanische Psychologe haben nämlich zusammen eine Formel entwickelt, mit der sich berechnen lässt, ob die Ehe eines Tages geschieden wird oder auch nicht – mit einer Vorhersagegenauigkeit von 94 Prozent. „Es klingt verrückt und ich war selber überrascht,“ sagt Murray, „dass menschliche Emotionen sich in eine mathematische Formel übersetzen lassen und damit dann Vorhersagen getroffen werden können.“ Die beiden Wissenschaftler behaupten das natürlich nicht einfach nur so, sie können es auch belegen, und zwar mit einer Langzeitstudie, die sie 1992 begonnen haben. Damals holten sie sich 700 frisch vermählte Paare ins Labor der Universität Washington in Seattle und unterzogen sie einem Beziehungsstresstest. Beide Ehepartner mussten sich dabei an einen Tisch setzen und 15 Minuten lang über heikle Themen miteinander diskutieren, wie Schwiegereltern, Geld oder auch gemeinsame Zukunftsplanung. Diese oft schnell zum Streitgespräch ausartenden Unterhaltungen wurden von den Forschern mit Filmkameras festgehalten und von physiologischen Untersuchungen begleitet, bei denen der Blutdruck oder auch die Schweißproduktion gemessen wurde. Ein Team von Psychologen bewertete daraufhin Gesichtsausdruck und Körpersprache jedes einzelnen Probanden mit einem speziellen Punktesystem. So gab es etwa für offen gezeigte Gleichgültigkeit vier Minuspunkte, Herumjammern wurde mit einem Minuspunkt bewertet, ebenso wie Zorn und Wut oder auch Dominanzgebaren dem Partner gegenüber, wohingegen aufrichtiges Interesse zwei Pluspunkte einbrachte und Zuneigung oder Humor sogar vier.

Am Ende stand so ausreichend Material zur Verfügung, dass die Forscher in ihre Eheformel eingeben konnten. Die Ergebnisse der recht komplexen Berechnungen wurden dann in der Folge jedes Jahr überprüft. Die Forscher schauten also, ob die Paare noch verheiratet waren oder sich inzwischen getrennt hatten und vor allem, ob ihre Prognosen korrekt waren. „In den vielen Jahren hat sich gezeigt,“ sagt die beteiligte Mathematikerin Dr. Kirsten Swanson, „dass diejenigen Paare sich nicht scheiden ließen, die ein durchschnittliches Punkteverhältnis von 5 zu 1 hatten, also auf einen Minuspunkt im Schnitt fünf Pluspunkte folgten“. Mehr noch: „Paare, die sich scheiden ließen, wiesen eine Punkteverteilung von 0,8 zu 1 auf“ ergänzt Swanson. Noch etwas fanden die Forscher heraus: Diejenigen Paare, die stark von dem idealen Punkteverhältnis von 5 : 1 abwichen, ließen sich im Schnitt nach fünf Jahren scheiden, Paare mit nur leichten Abweichungen erst nach 16 Jahren. Die Langzeitstudie brachte aber auch ans Licht, was diese Beziehungen tötete. „Es sind Entfremdung, Gleichgültigkeit beziehungsweise Verachtung“ sagt der Psychologe John Gottman, „und nicht unbedingt der Streit, wie man vielleicht vermuten könnte. Wer streitet, aber auch als Ausgleich viel lacht, kann durchaus eine stabile Ehe führen.“ Wenn man sich hingegen emotional voneinander entfernt und nichts mehr zu sagen hat, dann steht die Ehe unter keinem guten Stern, so Gottmann: „Man erkennt diese Paare im Restaurant, wenn sie sich stumm gegenübersitzen.“

Die Studie hat auch gezeigt, dass Ehepartner, die gemeinsamen Erinnerungen rein gar nichts Positives abgewinnen konnten, auf das Scheitern ihrer Ehe zusteuerten. Aber selbst derartige Fälle müssen nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden, weiß der Psychologe aus Seattle und macht den Betroffenen Hoffnung: „Manche Menschen wissen eben nicht, wie man eine emotionale Beziehung zum Partner aufbaut oder wie man Dinge mit Humor nimmt. Wichtig ist in so einem Fall die Bereitschaft sich zu ändern und aufeinander zuzugehen. Ein professioneller Eheberater kann dabei eine gute Hilfe sein.“ Es gibt eine Reihe von Anhaltspunkten, an denen sich erkennen lässt, ob die Ehe zum Scheitern verurteilt ist, sagt Gottman, der die vier wichtigsten die „apokalyptischen Reiter“ nennt:

Erstens: Schuldzuweisungen mit der Absicht, sich selbst ins Recht und den Partner ins Unrecht zu setzen. Generalisierungen sind dabei an der Tagesordnung, frei nach dem Motto: „Immer machst du dies und jenes“ oder „niemals“.

Zweitens: Das Bloßstellen und Herabwürdigen des Partners, indem man ihn beschimpft, mit Sarkasmus überzieht oder mit entsprechender negativer Mimik und Gestik seine Verachtung ausdrückt.

Drittens: Sich selbst als Opfer darstellen, indem man herumjammert, dem anderen die Worte im Mund umdreht und sich selbst in den Vordergrund drängt, ohne auf die Belange des anderen einzugehen.

Viertens: Eine Mauer um sich herum errichten, indem man sich emotional zurückzieht, schweigt und Distanz zum Partner aufbaut.

Andererseits profitiert die Beziehung dem Psychologen zufolge davon, wenn man seinem Partner gegenüber aufgeschlossen ist, auf ihn eingeht und sich für seine Belange ernsthaft interessiert. Respekt und sachliche Argumentation tun ein Übriges. Vor allem aber sollte man auch ruhig öfters einmal herzhaft zusammen lachen.

Wie lange wird die ganz große Liebe wohl halten? Die Wissenschaft hat darauf eine Antwort gefunden – Vorhersagegenauigkeit: 94 Prozent. Der Psychologe John Gottman und der Mathematiker James Murray haben eine Formel entwickelt, mit deren Hilfe sich die Dauer einer Partnerschaft ganz exakt berechnen lässt. Eine Liebesgeschichte zum Valentinstag.



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