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Meister der schwarzen Kunst

Wie Gutenberg den Buchdruck erfand

Als bei einer Umfrage unter Wissenschaftlern der bedeutendste Erfinder des zweiten Jahrtausends gesucht wurde, landete ein Mann auf Platz eins, der bereits im 15. Jahrhundert gelebt hat und mit seiner Erfindung für eine wahre Revolution in der Bildung sorgte. Der Mann, der noch vor Christopher Kolumbus lebte, der Leonardo da Vinci in den Schatten stellte und für bedeutender gehalten wird als alle anderen großen technischen Erfinder nach ihm, ist der Mainzer Johannes Gensfleisch zum Gutenberg, kurz Johannes Gutenberg genannt. Ihm verdanken wir die Kunst des Buchdrucks mit beweglichen Lettern.

veröffentlicht am 17.03.2018 um 14:52 Uhr

Johannes Gutenberg in einer Darstellung aus dem 16. Jahrhundert.
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Ehe Gutenberg mit seiner Entwicklung im Jahr 1448 mit verschiedenen Kleindrucken, den sogenannten Donaten, an die Öffentlichkeit trat, mussten Bücher noch mühsam von Hand (ab)geschrieben werden, waren sie für das gemeine Volk unerschwinglich teuer, war Bildung ein Privileg der höchsten Stände und konzentrierte sich vor allem auf die Klöster. Mit der Erfindung Gutenbergs änderte sich das schlagartig. Die Zahl der Buchdruckereien entwickelte sich rasant, bis zum Jahr 1500 wurden in etwa 270 Städten bereits 40 000 verschiedene Bücher in mehr als zehn Millionen Exemplaren gedruckt. Eine wahrlich gewaltige Entwicklung.

Wer aber war Johannes Gutenberg? Wohl kennt man die Namen seiner Eltern und Großeltern, aber nicht einmal sein genaues Geburtsdatum ist bekannt. Im Laufe der Jahre hat sich die Zunft auf den 24. Juni, den Johannistag, des Jahres 1400, geeinigt. Gutenberg war zwar ein Patriziersohn der Stadt Mainz, weil aber der Großvater einfacher Krämer gewesen war, wurden ihm die Patrizierrechte nicht zugestanden, was den genialen Erfinder schwer kränkte. Aufgrund von Streitigkeiten musste Gutenberg Mainz im Jahr 1434 verlassen und für zehn Jahre nach Straßburg übersiedeln. Dort, so scheint es, begannen seine Arbeiten an einer von ihm streng geheim gehaltenen Technik. Als sich Gutenberg aus der elsässischen Metropole verabschiedet, verliert sich seine Spur für vier Jahre. In keiner europäischen Stadt, in keinem Kirchenbuch findet sich irgendeine Eintragung, die Rückschlüsse auf seinen Aufenthalt zuließe. Gutenberg, so nimmt die Forschung an, hat in dieser Zeit wohl intensiv an der Entwicklung des Drucks mit beweglichen Lettern, des Mobilletterdrucks, gearbeitet, denn als er im Jahr 1448 nach Mainz zurückkehrt, sucht und findet er 1450 Johann Fust als Geldgeber und Geschäftspartner, der den Aufbau einer Setzerei und Druckerei finanziert – Gutenberg will die Bibel drucken. Wohl gelingt das großartige Werk, finanziell aber gerät er mit Johann Fust schwer aneinander. Nach der Niederlage in einem von Fust gegen Gutenberg angestrengten Prozess muss dieser im November 1455 die von ihm errichtete Werkstatt dem Kontrahenten überlassen und an die 2000 Gulden zurückzahlen, eine für damalige Verhältnisse außerordentlich hohe Summe. Ein Stadtschreiber verdiente damals etwa zehn Gulden im Jahr!

Was in den Prozessakten offen bleibt, ist die Antwort auf die Frage, ob Fust die Werkstatt noch vor Fertigstellung der Bibel übernahm oder erst nachher. Für Letzteres spricht der Brief eines Päpstlichen Nuntius aus dem März des Jahres 1455, der von einer wunderbaren in Mainz gedruckten Bibel nach Rom berichtet, die für einen stattlichen Preis käuflich zu erwerben sei. Gutenberg scheint die Bibel also bereits vor dem Verlust der Druckerei an Fust gedruckt und verkauft zu haben, was ihm weitaus mehr Geld eingebracht haben dürfte als er seinem Kontrahenten zurückzahlen musste.

Vieles deutet darauf hin, dass Gutenberg auch nach der Niederlage in dem Prozess weiter drucken konnte und ein ordentliches Auskommen hatte. Weil es zur damaligen Zeit aber noch kein Patentrecht gab, konnte sich jeder findige Handwerker Gutenbergs Erfindung zu eigen machen, ohne dem genialen Erfinder auch nur einen Pfennig zahlen zu müssen. Für die Verbreitung der Buchdruckkunst war dies sicher kein Schaden.

Die Gutenberg-Bibel aber zählt heute zu den wertvollsten Büchern der Welt. Eines von drei auf Pergament gedruckten und erhalten gebliebenen Exemplaren ist in der Universitätsbibliothek Göttingen und im Internet (gutenbergdigital.de) der Öffentlichkeit zugänglich. Der Wert der Göttinger Bibel wird auf bis zu 30 Millionen Euro geschätzt.



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