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Vom Ostkreis nach Belgien

Wie Claudia Seebothe ihre zweite Heimat fand

Nach ihrer Weltreise fand Claudia Seebothe eine Anstellung bei der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer in Brüssel und unterstützt heute deutsche Unternehmen bei ihrer Suche nach Geschäftspartnern in Belgien und Luxemburg. Das kleine Nachbarland ist für sie inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden – zumal es einige verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Weserbergland gibt.

veröffentlicht am 06.05.2018 um 14:00 Uhr

Claudia Seebothe arbeitet bei der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer in Brüssel und unterstützt deutsche Unternehmen bei ihrer Suche nach Geschäftspartnern in Belgien und Luxemburg. Foto: Claudia Seebothe
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Ich kannte Belgien schon von mehreren Reisen und einem Praktikum während des Studiums. Nun freue ich mich, wieder zurück zu sein. Denn das Land hat mich schon früher durch seine komplexe Geschichte und Lage im Herzen Europas fasziniert,“ berichtet die junge Frau. Die drei Regionen Flandern, Brüssel-Hauptstadt und Wallonien unterscheiden sich wirtschaftlich und kulturell sehr stark voneinander.

Während die flämische Mentalität eher nordwestlich geprägt ist, spielt in Wallonien die romanische Kultur eine große Rolle – und die deutsche Sprache. Denn in Ostbelgien gibt es die Deutschsprachige Gemeinschaft mit rund 75 000 Einwohnern. Brüssel-Hauptstadt ist offiziell zweisprachig und inoffiziell multikulturell. Hier treffen Menschen aus aller Welt zusammen. Da verwundert es nicht, dass Belgien gerne als Testmarkt für neue Produkte genutzt wird. „Genauso abwechslungsreich wie das Land ist auch meine Arbeit. Bei den Anfragen von deutschen Unternehmen sind von Lebensmitteln über Sicherheitstechnik bis innovativen Lösungen für Energieeffizienz in Gebäuden alle Branchen vertreten.“

Im Umgang mit Geschäftspartnern ist von deutscher Seite Fingerspitzengefühl gefragt, denn nicht jeder wird gerne auf die großen Nachbarländer, die Belgien umgeben, angesprochen. „Im Rahmen unserer Unternehmerreisen erhalten die deutschen Unternehmen auch Informationen zum praktischen Umgang mit Geschäftspartnern in Belgien. Denn auch wenn das Land Deutschland geografisch und kulturell sehr nah ist, gibt es einige Unterschiede zu beachten, die über einen Vertragsabschluss entscheiden können. Dazu gehört es auch, sich der regionalen Identität des Geschäftspartners bewusst zu sein“, so Claudia Seebothe. Eines jedoch haben alle Belgier gemeinsam: die Liebe zum Bauen. Ob Neubau, Renovierung oder die Restauration denkmalgeschützter Gebäude; die Anzahl der Baustellen in Belgien ist auffällig hoch. Sie seien „mit einem Backstein im Bauch geboren“, sagen viele Belgier über sich selbst.

Tombeau des Geants. Foto: Claudia Seebothe
  • Tombeau des Geants. Foto: Claudia Seebothe

Wenn sie nicht gerade mit deutschen Besucherdelegationen Baustellen besichtigt oder potenzielle Geschäftspartner trifft, ist Claudia Seebothe auch privat viel in Belgien unterwegs. „Mir ist aufgefallen, dass man in Deutschland wenig über Belgien hört und liest. Dabei sind die beiden Länder wirtschaftlich und politisch nicht erst seit der Gründung der EU eng verbunden. Und Belgien hat neben der beleuchteten Autobahn, auf der man schnell nach Frankreich kommt, viel zu bieten.“ Eine multikulturelle Metropole im Herzen des Landes, ein hervorragendes Radwegenetz in Flandern und die hügelige Landschaft Wallonien, die von schmucken Dörfern durchsetzt ist und die junge Frau an das heimatliche Weserbergland erinnert. „Obwohl Brüssel eine sehr grüne Stadt ist, fehlt mir manchmal die Natur. Dann setze ich mich am Wochenende ins Auto und fahre nach Wallonien. Auf einem der herrlichen Wanderwege kann ich schnell den Stress und die Hektik der Großstadt hinter mir lassen. Neulich habe ich so entdeckt, dass die Weser auch durch Belgien fließt“, erzählt Claudia Seebothe.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um die heimische Weser, sondern eine Namensvetterin, die sich 70 km lang durch die Wallonie schlängelt und bei Lüttich in die Ourthe mündet. Während die deutsche Weser ein wichtiger Verbindungsweg zwischen Mitteldeutschland und der Nordsee ist, wurde das Wasser der belgischen Weser bis ins 20. Jahrhundert für die blühende Textilindustrie genutzt.

Zwar eignet sich die belgische Weser weniger für Radausflüge, doch Fahrradliebhaber kommen in dem von Kanälen durchzogenen Flandern voll auf ihre Kosten. Kurzstrecken oder Radfernwege – auch in Belgien fährt man gerne mit dem Fahrrad. Oder man schaut anderen beim Radfahren zu, denn Radfahren ist Nationalsport.

Während in Deutschland Sportfans jedes Wochenende ins Stadion gehen, kann man in Belgien kaum den Frühling und damit den Start der Radsaison abwarten. Umwege durch gesperrte Straßen werden ohne Widerspruch in Kauf genommen, um wenig später an der Rennstrecke seinen Favoriten lautstark zu unterstützen. Höhepunkt bildet die Durchfahrt der Tour de France im Juli. Erst nach diesem wichtigen Ereignis, kann man dann übrigens Urlaub machen. Aber dafür richtig.

„In meinem ersten Sommer in Belgien war ich doch sehr überrascht“, berichtet Claudia Seebothe, „vier Wochen lang von Mitte Juli bis Mitte August schien das Land im Kollektiv-Urlaub zu sein. Verkürzte Öffnungszeiten oder Ladenschluss wegen Jahresurlaub, freie Straßen in Brüssel und kaum jemand auf der Arbeit zu erreichen.“

Was sie ebenfalls überrascht hat, ist der große Wert, den viele Belgier dem Essen beimessen: „Belgien ist eine richtige Feinschmecker-Nation. Den Menschen hier ist die Qualität des Essens sehr wichtig und die lassen sie sich auch gerne etwas kosten. Selbst in kleinen Dörfern finden sich exzellente Restaurants, die viele Belgier zum Anlass für einen Ausflug am Wochenende nehmen. Auch Geschäfte werden oft beim gemeinsamen Essen gemacht.“

Das Fazit der jungen Frau nach gut einem Jahr fällt durchweg positiv aus: „Ich fühle mich sehr wohl hier und mag das internationale Arbeitsumfeld in Brüssel sehr. Gleichzeitig hat Belgien als Land durch seine Lage mitten in Europa und seine bewegte Geschichte viel zu bieten. Und ich habe gerade erst angefangen, mehr davon zu entdecken.“

Online: www.rucksackjournal.com



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