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Weser-Hochwasser künftig besser im Griff?

Schon immer wurden die an der Weser liegenden Städte und Gemeinden vom teilweise verheerenden Hochwassern heimgesucht. Aufzeichnungen in der Chronik der Stadt Minden legen davon seit dem frühen Mittelalter ein beredtes Zeugnis ab. Und trotz Regulierung der Flussläufe von Fulda und Werra ist im aktuellen Jahresbericht des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nachzulesen, dass die Weser auch heute noch als „Fluss mit erhöhtem Hochwasserrisiko“ einzustufen ist. Aktuell komme hinzu, so der NLWKN-Jahresbericht, dass sich inzwischen auch der Klimawandel bei der Weser-Wasserführung bemerkbar mache: Die Zahl der Weser-Hochwasser im Jahreslauf werde zunehmen. Es sei künftig mit mehr, wenn auch kürzeren Hochwassern zu rechnen sein, so die Prognose der Fachleute.

veröffentlicht am 22.01.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

Joachim Zieseniß

Autor

Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite

Grund genug für Bund und Land, die Hochwassergefahr stärker als bisher ins Visier zu nehmen. So hat die NLWKN in ihrer Betriebsstelle in Hildesheim bereits 2009 eine Hochwasser-Vorhersagezentrale für die Weser, Aller und Leine eingerichtet und mit vier Mitarbeitern besetzt. Als weiterer Schritt, künftige Weserfluten besser in den Griff zu bekommen, sollen derzeit Hochwasserschutzpläne für die niedersächsischen Abschnitte an Oberweser und Unterweser aufgestellt werden. Die Vorarbeiten hierfür, eine Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete der Weser, sind bereits Ende vorigen Jahres abgeschlossen worden, teilt der Sprecher des NLWKN, Achim Stolz, mit.

Überschwemmungsgebiete wurden bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in preußischen Gebieten kartografisch ausgewiesen. Die ersten Überschwemmungspläne stammen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Etwa ab 1975 wurde in der Wasserwirtschaft damit begonnen, hochwassergefährdete Bereiche nach neueren Berechnungsverfahren zu ermitteln. Hierbei wurden hydrologische Modelle und statistische Verfahren zur Ermittlung von Bemessungsabflüssen sowie digitale Geländemodelle und Computerberechnungen eingesetzt.

Für die Flussgebiete der Weser im Bereich Nordrhein-Westfalens wurden anhand der modernen Berechnungen bereits seit Oktober 2005 Hochwasser-Aktionspläne im Auftrag des Staatlichen Amtes für Umwelt und Arbeitsschutz Ostwestfalen erarbeitet. Der Plan beschreibt für den nordrhein-westfälischen Teil der Weser die Hochwassersituation, gibt Empfehlungen und schlägt Maßnahmen vor. In Vorbesprechungen wurden die Maßnahmen mit den Beteiligten abgestimmt. Wegen der Grenzsituation zu Niedersachsen wurden die dort zuständigen Stellen an den Terminen beteiligt.

Der Nordrhein-westfälische Hochwasser-Aktionsplan Weser teilt sich in zwei Abschnitte: Der erste Abschnitt im Kreis Höxter beginnt bei Herstelle unterhalb des hessischen Bad Karlshafen und reicht bis Stahle gegenüber Holzminden. Er hat eine Länge von etwa 40 Kilometern. Noch ohne Hochwasserschutzplan ist dann der niedersächsische Teilabschnitt mit den Landkreisen Holzminden, Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Der zweite bereits überplante Abschnitt beginnt bei Porta Westfalica-Eisbergen unterhalb von Rinteln und endet an der nördlichen Grenze Nordrhein-Westfalens zu Niedersachsen bei Schlüsselburg. Die Länge dieses Abschnittes beträgt etwa 80 Kilometer.

Bereits Anfang 2006 hatte der Bürgermeister der Stadt Rinteln, Karl-Heinz Buchholz (SPD), und das FDP-Ratsmitglied Karl Lange im Umweltministerium Minister Hans-Heinrich Sander ein Schreiben übergeben, in dem sie die Aufstellung eines Hochwasseraktionsplans Weser auch für den niedersächsischen Oberweser-Abschnitt anregen.

Die Landesregierung hatte daraufhin geantwortet, dass sich die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) „unter dem Eindruck der in den vergangenen Jahren abgelaufenen Hochwasserereignisse“ bereits mit der Problematik befasst habe. Sie habe den Ländern empfohlen, auf der Grundlage der „Handlungsempfehlung zur Erstellung von Hochwasser-Aktionsplänen“ entsprechende Pläne zu erstellen. In den Bundesländern, so auch in Niedersachsen, seien bereits verschiedene Pläne erstellt worden oder in Bearbeitung.

Nachdem in einem ersten Schritt die Hochwasserlinien in den drei niedersächsischen Oberweser-Landkreisen mit dem Jahreswechsel verbindlich und damit auch baurechtlich in Kraft getreten sind, wird sich nun eine aus den drei Landkreisen zusammengesetzte „Lenkungsgruppe Hochwasserschutzplan“ damit beschäftigen, anhand der neuen Überschwemmungskarten einen Maßnahmen- und Gefahrenabwehrplan zu erarbeiten. Federführend in dieser Lenkungsgruppe ist der Landkreis Hameln-Pyrmont beziehungsweise Torsten Röpke, Leiter des Umweltamtes. Er erklärt das weitere Vorgehen auf dem Weg zu diesem Hochwasser-Aktionsplan, der voraussichtlich 2015 fertig sein wird und dann den Gemeinden als Grundlage für deren Hochwasserschutzplanungen dienen soll: In einem Auslegungsverfahren werden die neuen Hochwasserschutzgebiete ab Mitte dieses Jahres der Öffentlichkeit vorgestellt, Einsprüche sind möglich. Mitte kommenden Jahres werden die drei Kreistage dann über die Pläne abstimmen. Für den Landkreis Hameln-Pyrmont bedeutet das beispielsweise, dass sich die Zahl der amtlichen Überschwemmungsgebiete von ehemals 6 jetzt auf 19 erhöht hat, da auch Weser-Nebengewässer neu überplant wurden.

Mit ähnlicher Zielsetzung erarbeiten die Landkreise Verden und Diepholz unter der Federführung des Landkreises Nienburg zurzeit den Hochwasserschutzplan Mittelweser. Insgesamt sollen so 120 Flusskilometer niedersächsische Weser hochwassersicher gemacht werden.

Das Umweltministerium hat bereits zugesagt, den Hochwasserschutzplan Oberweser sowohl finanziell als auch fachlich zu unterstützen. So wird das Land sowohl die Neufestlegung der Hochwassergebiete als auch den darauf aufbauenden Hochwasserschutzplan Weser zu 70 Prozent fördern. Den Rest teilen sich weseranliegende Kreise, Städte und Gemeinden. Insgesamt sind für die Maßnahme für den Oberweserabschnitt rund 170 000 Euro veranschlagt. Die Neufestlegung der Hochwasserzonen dürfte schon jetzt für manchen Anlieger eine Überraschung bedeuten: So liegt für den Emmerthaler Pharma-Hersteller Lohmann beispielsweise ein Betriebserweiterungsgelände im neuen Überschwemmungsgebiet.

Das bedeutet verschärfte Bauauflagen. Und während es im Gebiet der Stadt Hameln keine größeren Veränderungen der Hochwasserlinien gibt, sieht es in in der Nachbarstadt Hessisch Oldendorf schon dramatischer aus: So werden sechs Hektar bei Welsede nicht mehr als Gewerbegebiet bebaut werden dürfen; und auch Teile von Großenwieden, die bislang aus Hochwassergebietsbestimmungen ausgenommen waren, sind ab sofort amtliches Hochwassergebiet mit allen Beschränkungen.

Die verheerenden Hochwasser an Elbe und Oder sind noch frisch in Erinnerung. Damit die Menschen an der Weser künftig besser vorbereitet sind, wird derzeit an einem neuen Hochwasserschutzplan gearbeitet.

Mit Hochwasser-Aktionsplänen wollen Ämter und Politik allzu großen Gefahren in Überschwemmungsgebieten vorbeugen.



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