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Warum der Naturpark ein enormes Entwicklungspotenzial hat

Weser trifft Bergland

Das Potenzial des Naturparks Weserbergland sticht ins Auge“, sagt Hans-Walter Herpel. Doch: Noch längst nicht alle Schätze seien gehoben. Für den Verband Deutscher Naturparke (VDP) evaluiert er als Qualitäts-Scout die Gebiete, die sich als „Qualitäts-Naturpark“ zertifizieren lassen wollen. Jetzt war er zwischen Bückebergen und Ith, zwischen Deister, Süntel und Pyrmonter Bergen unterwegs.

veröffentlicht am 23.07.2018 um 12:41 Uhr

Berge, Wald und Wasser: Die Landschaft im Naturpark Weserbergland weiß zu verzaubern. Dieses Bild entstand am Info-Punkt in der Auenlandschaft Hohenrode. Foto: kk
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Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite
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Doch was macht eigentlich den besonderen Reiz unserer Region aus – und warum lohnt es sich, hierzulande die Naturpark-Idee konsequent fortzuentwickeln?

Naturparke in ihrer heutigen Form haben in Deutschland eine recht kurze Geschichte. Erst 1956 wurde das Programm zu ihrer Einrichtung initiiert. Es bestehen 105 Naturparke, die etwa 27 Prozent der Landesfläche einnehmen. Sie gelten als wichtiger Baustein des Naturschutzes und sollen helfen, landschaftliche Schönheit, seltene Arten und Biotope zu erhalten und zugänglich zu machen. Wertvolle Kulturlandschaft soll bewahrt und gleichzeitig schonend wirtschaftlich vermarktet werden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Tourismus. Grundgedanke ist der „Schutz durch Nutzung“, was den Naturpark zum Beispiel vom Nationalpark unterscheidet. „Der Naturpark Weserbergland ist deshalb ein wichtiger weicher Standortfaktor“, sagt sein ehrenamtlicher Geschäftsführer Karl-Heinz Buchholz. Und, ganz wichtig: Naturparke könnten nur von und mit den Menschen entwickelt werden, die in ihnen leben.

Viel zu entdecken: Gerade junge Leute sollen in einem Naturpark auf ihre Kosten kommen. Foto: VDP
  • Viel zu entdecken: Gerade junge Leute sollen in einem Naturpark auf ihre Kosten kommen. Foto: VDP
Jede Menge „Reliefenergie“: Blick von der Paschenburg über die Schaumburg ins Wesertal. Foto: kk
  • Jede Menge „Reliefenergie“: Blick von der Paschenburg über die Schaumburg ins Wesertal. Foto: kk
Seltene Naturerlebnisse: Junger Seeadler über der Hohenroder Auenlandschaft. Foto: Archiv/Büscher
  • Seltene Naturerlebnisse: Junger Seeadler über der Hohenroder Auenlandschaft. Foto: Archiv/Büscher

Der Park umfasst den Landkreis Hameln-Pyrmont und den südlichen Teil des Landkreises Schaumburg. Mit einer Größe von 116 000 Hektar ist er einer der größten in Niedersachsen. Im Übergangsbereich der Mittelgebirge zur Norddeutschen Tiefebene wird er von der Weser geteilt. Sanft geneigte Hänge, bedeckt von großen zusammenhängenden Waldungen, wechseln sich mit kleinräumigen Tälern ab.

1975 gründeten die damaligen Landkreise Hameln-Pyrmont, Grafschaft Schaumburg und Schaumburg-Lippe den Zweckverband „Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln“. Die Initiative ging damals vor allem von der Landwirtschaft aus. Über Jahre wurde der Park in der Öffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen, Aufgaben und Nutzen blieben schwammig. Darunter hat er zum Teil noch heute zu leiden. Er führte einen Dornröschenschlaf, 1993 löste sich der Zweckverband auf. Kommissarisch kümmerte sich jetzt die Bezirksregierung um den Naturpark.

Viele Jahre im Dornröschenschlaf

Mit der Einrichtung einer Geschäftsstelle im Hamelner Kreishaus begann 2005 die „Wiederbelebung“, die in den vergangenen Jahren an Dynamik gewann: Ausweisung der Qualitätswanderwege Weserberglandweg und Ith-Ils-Weg, der Radroute WeserErleben und des Hohensteinpfades NaturErleben, Entwicklung eines 180-seitigen Naturparkplans und Teilnahme an der Qualitätsoffensive Naturparke.

Nun müssen die beiden Landkreise als Träger wichtige Weichen für die Zukunft stellen. Experten wie Herpel, der über 30 Jahre den Naturpark Hochtaunus leitete, und Buchholz sind sich sicher, dass der Park seine vielfältigen Aufgaben nur dann erfüllen kann, wenn er hauptamtlich gemanagt wird. Sie halten auch eine neue Organisationsform wie einen Zweckverband für sinnvoll, um möglichst viele Beteiligte und Betroffene mit ins Boot zu holen.

Zukunftsfähigkeit setze eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung voraus, heißt es auch im von den Umweltausschüssen der Kreistage beschlossenen Naturparkplan. Nur so könnten Aufgaben wie Naturschutz und Landschaftspflege, die Förderung von Erholung und nachhaltigem Tourismus, die Umweltbildung und bessere Kommunikation sowie eine nachhaltige Regionalentwicklung vorangetrieben werden.

Hans-Walter Herpel hat sich in den vergangenen Wochen ausführlich mit dem Naturpark Weserbergland beschäftigt. Er hat den Naturparkplan studiert, sich durch die Angaben im 100-seitigen Kriterienkatalog zur Zertifizierung als „Qualitäts-Naturpark“ gearbeitet, war mit Buchholz unter anderem in der Schillathöhle, bei den Süntelbuchen auf dem Dachtelfeld und in der Auenlandschaft Hohenrode. Wo sieht er die Stärken des heimischen Parks?

„Die Landschaft hier hat sehr viel zu bieten – die Reliefenergie ist enorm!“, sagt Herpel. Reliefenergie? Geologen bezeichnen damit die Höhenunterschiede, die in einem bestimmten Gebiet auftreten. Man kann diese aber auch ganz sinnlich wahrnehmen: Einfach den Blick vom Klippenturm in Rinteln oder vom Klütturm in Hameln auf die Weser richten – und genießen. „,Weser‘ und ,Bergland‘ – genau das ist es“, stimmt Buchholz zu. Doch das ist natürlich nicht alles: Sehenswürdigkeiten von Schlössern über Museen bis zu Freizeitparks komplettieren das Naturerlebnis. Diesen Reiz schätzen viele Gäste: 1,86 Millionen Übernachtungen werden jährlich in der Naturparkregion gezählt, die Zahl der Tagesgäste wird auf elf Millionen geschätzt. Darunter sind viele Naturfreunde, die die Region auf den Wander- und Radrouten und auf dem Wasser erkunden wollen. Das „Naturleben“ ist gefolgt vom Wandern laut einer Umfrage das Hauptmotiv der Menschen, die einen Naturpark besuchen. Solche Erlebnisorte bietet das Weserbergland zuhauf. Der Naturparkplan nennt unter anderem den Hohenstein, die Auenlandschaft Hohenrode, den alten Steinbruch in Liekwegen oder den Ithkopf. Den Gästen will der Naturpark gemeinsam mit vielen Partnern ein gepflegtes Wegenetz aber auch fundierte Information zur Verfügung stellen. Besucher sollen gezielt gelenkt, besonders schützenswerte Bereiche aber geschont werden.

Das gilt auch und gerade für die Einheimischen: Bei ihnen ist ein „Naturpark-Bewusstsein“ hierzulande kaum verbreitet. Während anderswo stolz mit Slogans wie „Leben und Arbeiten im Naturpark“ geworben wird, wissen bei uns nur wenige überhaupt, dass sie in einem Nationalpark leben. Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit gehören daher zu den Feldern, die zukünftig vorrangig beackert werden müssten. Dazu gehören ein eigenständiger Internetauftritt und ein Informationszentrum.

Jetzt werden die Weichen für die Zukunft gestellt

Ausbaufähig ist sicherlich auch der Bereich der Umweltbildung. Mehr Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene stehen daher auf der Wunschliste der Naturpark-Befürworter. Schon jetzt engagiert man sich in der Zusammenarbeit mit Kindergären. In Rinteln sind die „Heidestrolche“ und die „Waldzwerge“ offizielle Naturpark-Kitas, mit denen gemeinsam Projekte umgesetzt werden. Besonders im Fokus stehen auch Angebote für Familien.

Natürlich kann der Naturpark all diese Aufgaben mit seinen begrenzten Ressourcen nicht alleine stemmen. Selbst wenn die Entscheidung für hauptamtliche Mitarbeiter fiele, wären deren Kapazitäten begrenzt. Darum wäre es deren wichtige Aufgabe, Netzwerke zu bilden und zu pflegen, Partner mit ins Boot zu holen. Das wird auch jetzt schon erfolgreich praktiziert. Ein Blick in den gerade erschienenen Programmflyer „Naturerlebnisse“ weist viele Kooperationspartner von der Volkshochschule über die Tourismusverbände bis zum Naturschutzbund, den Fortbehörden oder der Klimaschutzagentur aus.

„Wir müssen uns entscheiden, ob wir springen wollen oder nicht“, sagt Buchholz. Der ehemalige Rintelner Bürgermeister meint damit die Entscheidung über Hauptamtlichkeit und zukünftige Organisationsform im Naturpark Weserbergland. Aus seiner persönlichen Meinung macht er dabei kein Hehl: „Springen!“ Die Kulturlandschaft Weserbergland und ihre Menschen wären es Wert.



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