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Ab Juli gilt: Für manche Hundehalter wird Sachkundenachweis und Registrierung Pflicht

Wesenstest fürs Frauchen

Auf die Hundehalter in Niedersachsen kommen ab dem 1. Juli 2013 weitreichende neue Pflichten zu.

veröffentlicht am 14.06.2013 um 00:00 Uhr

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Autor:

Martina Koch

Als Reaktion auf Beißattacken hat die Landesregierung das Hundegesetz novelliert: Hundehalter ohne Vorerfahrung müssen künftig anhand eines Hundeführerscheins nachweisen, dass sie ihr Haustier unter Kontrolle haben. Für den Sachkundenachweis und die Anmeldung im Zentralen Register des Landes Niedersachsen galt bisher eine Übergangsregelung. Diese läuft mit dem Inkrafttreten des Hundegesetzes aus.

Daraus ergeben sich zwei bedeutsame Neuerungen für Hundehalter. Zum einen muss jeder Halter sein Tier beim Zentralen Register anmelden. Mit dem landesweiten Register sollen Hundehalter zukünftig zügig ermittelt werden können – etwa bei einem Beißvorfall, wenn die Halterfrage vor Ort nicht geklärt werden kann. Die Registrierung wird durch die Kommune Systemhaus Niedersachsen (KSN) im Auftrag des Landes durchgeführt. Dafür wird eine einmalige Gebühr erhoben.

Für jede Online-Registrierung fallen nach Angaben des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Kosten in Höhe von 14,50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an. Die telefonische und die schriftliche Anmeldung kosten 23,50 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.

Ab Montag, 1. Juli, müssen Hundehalter zusätzlich ihre Sachkunde nachweisen. „Der Nachweis besteht aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung“, sagt Sonja Braun, anerkannte Hundetrainerin und -verhaltenstherapeutin aus Stadthagen. Der Theorieteil kann wahlweise klassisch mit Stift und Papier oder computergestützt erfolgen.

„Jeder Prüfling erhält 30 bis 35 Fragen aus einem großen Fragen-Pool. Es kann also niemand einen vorgegebenen Fragebogen auswendig lernen“, sagt Braun. Bei bestandener theoretischer Prüfung erhält der Hundehalter ein Zertifikat, das ihn zur Teilnahme am praktischen Teil der Prüfung berechtigt.

Prüfungstermine darf jede Hundeschule anbieten, selbst wenn die Trainer nicht zertifiziert sind. Es muss jedoch gewährleistet sein, dass die Prüfungen von einem anerkannten Leiter abgenommen werden. „So kann jeder Hundehalter die Schule seines Vertrauens weiterhin besuchen“, ergänzt Braun.

Das neue Gesetz richtet sich ausschließlich an Hundehalter, die sich nach dem 1. Juli 2011 erstmals einen Hund angeschafft haben und laut Gesetz nicht anderweitig als sachkundig gelten. Aus dem Raster fällt, wer in den vergangenen zehn Jahren für mindestens zwei Jahre ohne Probleme ein Tier gehalten hat.

Jäger, Tierärzte und weitere Gruppen wie beispielsweise die Betreiber von Tierheimen sind ebenfalls befreit. Familienmitglieder müssen ebenfalls keinen Hundeführerschein ablegen. Der Halter selbst übernimmt die Verantwortung, wenn er seinen Hund einer anderen Person anvertraut.

Besonders die Leiter von Tierheimen sehen die Einführung des Hundeführerscheins in Niedersachsen kritisch. „Es wird der eine oder andere Hund bei uns im Tierheim bleiben“, ist sich Jutta Schneider, Leiterin des Tierheims Bad Nenndorf sicher.

Der dortige Tierschutzverein hat in diesem Fall dann nicht nur den Vierbeiner weiter zu versorgen, sondern auch die Kosten zu tragen. Schon jetzt beobachte Schneider erste Reaktionen auf das neue Gesetz. „An einem Tag wurden bei uns drei ältere Hunde ausgesetzt. Sie waren in einem schlechten Zustand, keiner war gechipt und die Halter nicht ermittelbar.“ Die Einführung der Chippflicht sowie der Verpflichtung einer Tierhaftpflichtversicherung begrüßt die Expertin.

Doch der Hundeführerschein sei nicht zu Ende gedacht. Denn jemand, der in den vergangenen Jahren einen Kleinhund hatte, könnte sich jetzt einen großen Hund anschaffen, ohne von dieser neuen Regelung betroffen zu sein. „Aber nur weil jemand Hundeerfahrung hat, heißt das noch lange nicht, dass er mit jeder Rasse vernünftig umgehen kann“, sagt die Tierheimleiterin.

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rodenberg, Bad Nenndorf und Umgebung fühlt sich außerdem mit der neuen Regelung allein gelassen. So wisse sie nicht, wie dieser Hundeführerschein überprüft werden soll. „Wir sind keine Instanz, wir können das nicht übernehmen“, gibt sie zu bedenken.

Und was ist mit den älteren Menschen, die einem „Hunde-Senior“ die letzten Jahre so schön wie möglich machen wollen? „Sollen die auch noch diese Kurse ablegen?“ Die Tierheimleiterin wünscht sich, dass bei solchen Gesetzesänderungen auch die Menschen gefragt werden, die täglich mit Problemhunden zu tun haben.

Und sie gibt zu bedenken: „Wir können in Deutschland nicht für alles einen Führerschein haben.“

Weitere Informationen zum Thema sind auf der Internetseite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter der Adresse www.ml.niedersachsen.de, nachzulesen.

Auf Hundehalter kommen ab dem 1. Juli neue Pflichten zu. Hundehalter ohne Erfahrungen müssen künftig anhand eines Hundeführerscheins nachweisen, dass sie ihr Haustier unter Kontrolle haben. Was haben Besitzer von Husky und Co. in Zukunft zu beachten? Wir geben Antworten und gleichzeitig Kritikern die Gelegenheit, ihre Bedenken zu äußern.



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