weather-image
14°
×

Martinssingen, Martinsreiten, Martinsumzüge – wer und was hinter diesen Traditionen steckt

Wer war der heilige Martin?

Bunte Lichter in der Dunkelheit, Süßigkeiten, leuchtende Kinderaugen: Mit Laternen in allen erdenklichen Formen und Farben und viel Gesang wird am 10. und 11. November in vielen Orten der Martinstag gefeiert – diese Tage gelten vor allem als Fest für Kinder. Sie stehen im Mittelpunkt bei den Martinsumzügen und natürlich beim Martinssingen – wenn sie heute und morgen in kleinen oder vielleicht auch mal größeren Gruppen von Haus zu Haus ziehen, Martinslieder singen und dafür Süßigkeiten bekommen.

veröffentlicht am 10.11.2015 um 11:25 Uhr
aktualisiert am 19.12.2015 um 14:38 Uhr

Autor:

Wen feiert man am Martinstag?

Am Martinstag feiern Christen den Schutzpatron St. Martin: Die Rolle des heiligen Martin ist nicht mit Martin Luther zu verwechseln. Mit dem Martinstag wird nämlich ursprünglich nicht an den Reformator, sondern an Martin von Tours erinnert. Martin von Tours lebte im vierten Jahrhundert nach Christus. Der Legende nach teilte er als junger Soldat seinen Mantel mit einem Bettler, der in einer bitterkalten Nacht frierend vor dem Tor der französischen Stadt Amiens saß. In der folgenden Nacht soll Martin im Traum Jesus erschienen sein, der dessen gute Tat als Sinnbild der Nächstenliebe lobte. Bewegt durch diese Begebenheit ließ sich Martin taufen, trat aus der Armee aus und wurde später Bischof von Tours. Der 11. November ist der Namenstag für „Martin“ und wird auch als Martinstag bezeichnet. An diesem Tag im Jahr 397 wurde der heilige Martin beerdigt. Der Brauch mit den Laternen kommt daher, dass der Bischof damals mit einer Lichterprozession mit einem Boot nach Tours überführt wurde und die Menschen des Trauerzuges Kerzen in den Händen hatten.

Hat das was mit Martin Luther zu tun?
Martin Luther hat mit dem Martinstag nichts zu tun, spielt aber trotzdem eine Rolle. Der Martinstag blieb nach der Reformation auch in protestantischen Gegenden als Feiertag erhalten, indem die Verehrung Martins von Tours auf den am 10. November geborenen Martin Luther übertragen wurde. Luther wurde am 11. November getauft – am Namenstag des heiligen Martins – womit sich der Kreis schließt. Die evangelische Ausprägung, am Vorabend des eigentlichen Martinstages Luthers Geburtstag zu feiern, hat zwar an Bedeutung verloren. Doch ziehen heute im Weserbergland die Kinder am 10. November mit bekannten Martinsliedern durch die Straßen und vor die Haustüren, um Süßigkeiten zu sammeln. Die ganz Cleveren nutzen mittlerweile am 10. und 11. beide Tage, um singen und mit vollen Tüten nach Hause zu gehen.

4 Bilder
Martin Luther (1483 – 1546)

Welche Veranstaltungen finden statt?
Beim traditionellen Martinsumzug für den Schutzpatron der Armen zünden Kinder jedes Jahr ihre Laternen an und ziehen damit durch die Orte. In ganz Deutschland gibt es zahlreiche Umzüge, an denen die ganze Familie teilnehmen kann. Die Umzüge finden aufgrund der Masse nicht ausschließlich am 11. November statt, sondern verteilt auf alle Tage der Woche.

  • In Hameln findet am Mittwoch, 11. November, um 17 Uhr der traditionelle St.-Martins-Umzug der St.-Augustinus-Gemeinde statt. Nach einer kurzen Andacht auf dem Pfarrhof führt ein leuchtender Umzug mit Pferd und Reiter, Laternen und Blasmusik durch Hamelns Straßen.
  • Der Martinsumzug des Hamelner Familienzentrums findet am Freitag, 13. November, um 16 Uhr statt. Mit einem Reiter werden Eltern und Kinder durch das Klütviertel begleitet. Startpunkt ist die Kirche zum Heiligen Kreuz.
  • Hamelns großer Laternenumzug, den die Dewezet in Kooperation mit dem Kinderspielhaus, der Sparkasse Weserbergland und der Stadt Hameln, veranstaltet, findet ebenfalls am Freitag statt. Treffpunkt ist um 16.15 Uhr im Bürgergarten, beginnen wird der Laternenumzug um 17 Uhr.
  • In Bodenwerder laden die katholische und die evangelische Kirchengemeinde am Mittwoch, 11. November, zum St.-Martins-Umzug ein. Treffpunkt ist um 17 Uhr in der Stadtkirche St. Nikolai. Von dort geht es mit Martin hoch zu Ross zur katholischen Kirche Maria Königin.
  • Der Münchhausen-Laternenumzug von Bodenwerder findet am Freitag, 13. November, statt. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Münchhausenbrunnen in der Innenstadt.
  • Bereits heute geht es in Heyen rund: Die Kinderbetreuung Kuckucksnest in Heyen und der Kindergarten Sonnenschein aus Halle starten um 16.45 Uhr ein Laternenfest. Treffpunkt ist das Kuckucksnest in der Dasperstraße in Heyen.
  • In Lügde wird Sankt Martin am Mittwoch, 11. November, ab 16.30 Uhr gefeiert. Dann findet in der St.-Marien-Kirche ein Wortgottesdienst mit Martinsspiel statt, anschließend ab 17 Uhr läuft der Laternenumzug mit Pferd durch die Lügder Altstadt.

Was gibt es zu Naschen?
Traditionsreiche Küche: Traditionelles kommt an „Martini“ auf den Tisch. In vielen Gegenden Deutschlands gibt es ein spezielles Gebäck für den Martinstag. Die Gestalt unterscheidet sich jedoch stark: Im Rheinland erhalten die Kinder beim Laternenumzug einen Weckmann, in Westfalen heißt das Gebäck aus Hefeteig und Rosinen Stutenkerl – so auch in Lügde. Im benachbarten Bad Pyrmont gab es früher die sogenannten Martinsbrötchen. In Süddeutschland sind kleine Martinsgänse aus Hefe- oder Keksteig sowie Laugenbrezeln üblich. Auch sie symbolisieren die Nächstenliebe, da ein Bäcker im Mittelalter das „Backwerk mit Löchern“ erfunden haben soll, damit seine Kunden kein zu luftiges Brot essen mussten. Als Stutenkerl, auch Krampus, Weck(en)mann, Kiepenkerl, Klaaskerl, Backs-mann, Piefekopp oder Grittibänz, wird ein Gebildebrot aus Hefeteig bezeichnet.

Warum gibt es die Martinsgans?
Die Martinsgans: Nur eine Figur in der Geschichte des heiligen Martin ist weniger gut dabei weggekommen: die Gans. Jedes Jahr werden zu St. Martin Tausende Gänse gefüllt, stundenlang gegart und gegessen. Aber warum eigentlich? Der Legende nach war Martin zu bescheiden, um sich zum Bischof weihen zu lassen. Daher versteckte er sich im Gänsestall. Doch die Gänseschar schnatterte so aufgeregt, dass Martin gefunden und geweiht werden konnte.

Und was ist mit Halloween?
Halloween ist eine weitere Gelegenheit im Jahr, zu der Kinder von Haus zu Haus ziehen und um Süßigkeiten bitten können. In Deutschland spielt Halloween als Gruselfest noch gar nicht so lange eine Rolle. Eigentlich kommt es aus den USA, wo die Menschen ihre Häuser schmücken und gruselige Kostüme anziehen. Ursprünglich – vor Hunderten von Jahren – war Halloween ein Herbstfest, das im alten England gefeiert wurde. Die Menschen glaubten damals, dass in dieser Nacht Hexen und Geister leibhaftig herumspuken. Am 31. Oktober wird außerdem der Reformationstag gefeiert. Heute ärgern sich Vertreter der Kirche in Deutschland darüber, dass am 31. Oktober immer mehr Menschen Halloween feiern. Sie befürchten, dass der Reformationstag in Vergessenheit gerät.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige