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Wenn es Herbst wird in den Gärten

Die Apfelernte ist in vollem Gang und auch die letzten Gemüsesorten wie Rotkohl, Wirsing und Kürbisse müssen noch vor dem ersten Frost geerntet werden. Jetzt ist auch die richtige Zeit, um süße Marmeladen einzukochen, Quitten- und Apfelsaft zu pressen und sich den einen oder anderen Apfel- oder Pflaumenkuchen schmecken zu lassen. Im Garten, auf der Terrasse oder in der Laube können sich Gartenfreunde beim Kaffeetrinken im Freien die letzten wärmenden Herbstsonnenstrahlen ins Gesicht scheinen lassen.

veröffentlicht am 16.10.2012 um 00:00 Uhr

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Vor dem Winter hält der Garten aber auch noch einiges an Arbeit bereit. Der Gartenbaumeister und Vorsitzende des Gartenbauvereins in Stadthagen, Dieter Kellermeier, hat einige nützliche Ratschläge und Tipps parat, um die Gartenpflege zu erleichtern und das grüne Wohnzimmer für den Winter vorzubereiten.

Wer kennt das nicht: Es wird stürmisch und regnerisch. Das führt dazu, dass viele Gärtner mit dem abfallenden Laub zu kämpfen haben. Kellermeier rät, die Herbststürme ruhig erst einmal abzuwarten und die Blätter nicht immer sofort zusammenzufegen. „Das Laub soll da liegen bleiben, wo es hinuntergefallen ist“, empfiehlt er. Außer auf dem Rasen könne man sich diese Arbeit zunächst sparen. Auf dem Grün jedoch würden die Blätter das Licht fernhalten und zu gelben Flecken führen. Nachdem die Herbststürme die Blätter verteilt haben, können sie in die Beete oder unter Sträucher gefegt oder einfach mit dem Laubpuster von den Rasenflächen weggeblasen werden. In den Beeten werden sie bis zum nächsten Frühjahr von den Regenwürmern zersetzt, erklärt der Gartenbaumeister. Aber auch Igel und andere Nützlinge freuen sich über die Laubhaufen, die sie zum Überwintern benötigen.

Damit es auch im nächsten Frühjahr in der grünen Erholungsoase wieder üppig blüht und gedeiht, müssen schon jetzt die ersten Blumen wie Tulpen, Narzissen und Krokusse eingesetzt werden. Die Pflanztiefe richtet sich nach den jeweiligen Knollen oder Zwiebeln. Tulpen beispielsweise können Kellermeier zufolge in etwa fünf Zentimeter Tiefe, Schneeglöckchen auch ruhig etwas höher eingegraben werden.

Bunte Blätter statt satten Grüns: Den Laubfeger mal stehen und das Laub liegen lassen, empfiehlt Gartenbaumeister Dieter Kellermeier.

Auch Stauden haben jetzt Pflanzzeit. Die Herbststauden stehen zurzeit in voller Blüte. So ist das Pflanzen von Astern, Chrysanthemen, und Herbstanemonen auch noch was fürs Auge. Die üppige Blütenpracht muss im Winter auch nicht unbedingt zurückgeschnitten werden. Wer den Blütenstand stehen lässt, schadet der Pflanze nicht und kann den Anblick der schönen Blütenstände noch lange genießen. Exotisch anmutende Gräser wie das Federborstengras oder das Zebragras dürfen auch stehen bleiben, ohne zurückgeschnitten zu werden. Sind sie allzu hoch, hilft es, sie locker zusammenzubinden. Auf diese Art verleihen die Gräser und Schilfbüschel dem Garten auch im Winter eine besondere Atmosphäre. Erst im Frühling, aber noch bevor sie austreiben, werden die büscheligen Stauden und Gräser zurückgeschnitten.

Im Gegensatz zu den Stauden wird es für die Kübelpflanzen im Oktober Zeit, in den Keller umzusiedeln. Bei dem Einwintern der Topfbewohner rät Kellermeier, die Blumen radikal zurückzuschneiden und dafür zu sorgen, dass sie frostfrei, kühl, trocken und hell stehen.

Eine weitere, wesentlich ermüdendere und mühsamere Arbeit ist das Umgraben. Wer sich das anstrengende Bearbeiten der Beete sparen möchte, sollte, so der Tipp des Gartenexperten, frühzeitig, möglichst bis Ende August, Grün-Dung einsäen. Da rät er besonders zu der blau blühenden „Phacelia“. Das Schöne an dieser Pflanze ist, so der Gärtnermeister, dass sie im Winter erfriert und der Boden im Frühjahr dann nur noch leicht aufgelockert werden muss. Ansonsten greift Kellermeier selbst im Winter, an frostfreien Tagen gerne mal zur Hacke um zu verhindern, dass in der nächsten Gartensaison das Unkraut sprießt. Er rät jedoch davon ab, im Frühjahr noch mal umzugraben, da die Wasserversorgung des Bodens dadurch gestört und die Erde zu trocken werden könnte. Es reicht aus, die Beete vor der Saat noch einmal abzuharken und mit einem Grubber aufzulockern.

Besonders bei Stauden, Beerensträuchern und Obstbäumen sollten Gartenfreunde im Frühling auf das Bearbeiten des Bodens verzichten, weil sonst die Wurzeln beschädigt werden könnten. Hier rät der Gärtnermeister, zu mulchen. Bei Stauden empfiehlt er den feineren Kiefernmulch und rät bei Tannenmulch zu Vorsicht, da dieser bei einigen Pflanzensorten auch schädlich sein kann.

Auch wenn die Erntezeit für die meisten Gemüsesorten vorbei ist, können frostsichere Sorten wie Grünkohl, Rosenkohl, Karotten und Schwarzwurzel auch über den Winter im Beet bleiben. Es ist jedoch darauf zu achten, dass sie nicht bei Frost geerntet werden, betont Kellermeier.

Besonders der Nachtfrost kann dem schmackhaften Gemüse gefährlich werden. „Da hat man einmal nicht aufgepasst, und schon ist die ganze Ernte erfroren“, weiß der Fachmann.

Wenn das Laub zu Boden fällt, haben Gärtner noch mal die Gelegenheit, Bäumen, Hecken und Sträuchern den letzten Schnitt zu verpassen. Im Herbst empfiehlt es sich, zu groß gewordene Baumkronen und ausgefranste Hecken in Angriff zu nehmen. Ein weiterer Grund für den Ansatz der Astschere ist auch der Schnitt zur Ertragssteigerung bei Obstbäumen und Beerensträuchern.

Vom Herbst bis zum Frühjahr können die unterschiedlichen Arten von Hecken, kleinen Buschbäumen sowie großen Nussbäumen und Weinreben wieder in Form gebracht werden. Das Wichtigste ist, so zu schneiden, dass viel Licht und Luft in die Bäume kommen können, empfiehlt Kellermeier.

Der Obstbaumschnitt sollte ihm zufolge möglichst gleich nach der Ernte angegangen werden. Besonders die Pflaumen und Kirschbäume, aber auch Beerenobststräucher wie die Johannisbeere und die Stachelbeere zählen zu den früh beschneidbaren Gehölzen. Auch Walnüsse und Weintraubenreben gehören zu den Sorten, die möglichst noch im grünen Zustand zurechtgestutzt werden sollten.

Bei jedem Schnitt bildet sich immer eine Schnittwunde. Aus diesen „Wunden“ tritt unter Umständen Pflanzensaft aus. Vor allem bei Frost kann dies zu Schäden führen, warnt Kellermeier. Um das zu vermeiden, bietet es sich besonders bei sogenannten stark blutenden Pflanzen wie der Weintraube an, sie zu schneiden, bevor die Äste und Ranken das Grün verlieren.

Grundsätzlich gilt: Bei Frost und wenn Temperaturen von minus fünf Grad und niedriger zu erwarten sind, sollte nicht mehr geschnitten werden. Während des Schnittes rät der Gartenbaumeister, darauf zu achten, dass nicht nur die Spitzen der Äste entfernt werden, weil der Baum sonst wieder austreibt und lästige „Besentriebe“ wachsen können. „Wenn, dann am besten immer ganze Äste abschneiden“, sagt er. Und auch unnötige, sogenannte „Wassertriebe“, also Triebe, die in der aktuellen Periode gewachsen sind, sollten gekappt werden.

Nicht nur bunte Blätter, sondern auch unzählige Apfelsorten schmücken im Herbst die Bäume in den Gärten. Je nach Wetterlage ist für die meisten Arten Mitte bis Ende Oktober Erntezeit. Gartenbaumeister Dieter Kellermeier empfiehlt jedoch, die Äpfel so lange wie möglich am Baum reifen zu lassen und die Ernte hinauszuzögern. Große Anbaubetriebe ernten meist früh und lassen die Früchte dann im Kühlhaus nachreifen.

Im eigenen Garten drängt die Zeit nicht, und so kann das Obst je nach Sorte und Frostperioden ruhig auch bis Anfang November am Baum hängen bleiben. Aber woher weiß man, ob die Äpfel reif sind? Auch hierfür hat Kellermeier einen guten Tipp: Ob ein Apfel richtig reif ist, erfährt man, wenn man den Apfel ein wenig anhebt und leicht dreht. Fällt er in die Hand, kann gepflückt werden.

Besonders die alten Sorten, wie der saftige „Ontario“, der säuerlich schmeckende „Boskoop“ und der glockenförmige „Echter Glocken“ zählen zu den sogenannten Winteräpfeln, die länger am Baum bleiben können.

Grundsätzlich bleiben Äpfel bei richtiger Lagerung, im Gegensatz zu anderem Obst wie Birnen oder Pflaumen, über mehrere Monate knackig. Das Obst sollte kühl und nicht zu feucht gelagert werden. Sind einige Früchte von der Schwarzfäule betroffen, können sie einfach aussortiert werden, die Fäule überträgt sich nicht. Ein weiterer Kniff des Gartenbaumeisters: „Wenn die Lagerstätte der Äpfel zu warm sein sollte, hilft es, die Äpfel in einer zugebundenen Plastiktüte zu halten, und diese nach 14 Tagen mit kleinen Löchern zu versehen.“

Der Sommer hat sich für dieses Jahr verabschiedet. Die Temperaturen sinken, und die ersten Herbststürme sind über das Land gefegt. Jetzt im Herbst weicht das saftige Grün einer bunten Farbenpracht. Da ist es an der Zeit, die Gärten ein letztes Mal aufzuräumen und sie winterfit zu machen.

In seinem Schaugarten hat Dieter Kellermeier Theorie und Praxis der Gartenkunde miteinander verbunden.

Fotos: tbh



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