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Ursprung der Paddelwettkämpfe liegt in China / Am 16. Juni gehen 64 Boote in Hameln an den Start

Wenn „Drachen“ über die Weser jagen

Dumpfe Trommelschläge und anpeitschende Rufe sind auf der Weser zu hören, ein schmales, langes Boot schießt zwischen den Ufern hinweg. Im schnellen Rhythmus werden 18 Ruder ins Wasser getaucht. Eine Szene, wie sie derzeit nahezu jeden Tag beobachtet werden kann, laufen doch die Vorbereitungen für das Drachenbootrennen auf Hochtouren. Seit Jahren findet der Wettstreit auf dem Wasser statt und knüpft damit an eine uralte Tradition an.

veröffentlicht am 22.05.2018 um 12:52 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 17:20 Uhr

Foto: GEB
Stolte Christiane

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Christiane Stolte Reporterin
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Das Volk liebte ihn. Bei seinem König jedoch war der Minister Qu Yuan in Ungnade gefallen und wurde aus seinem Amt entlassen. Verzweifelt wanderte der Verbannte durch das Land – ohne Ziel und vor Kummer krank. Sein einziger Trost waren Liebesgedichte, die er an sein Volk schrieb. Über seinen großen Schmerz konnte die Poesie ihm jedoch nicht hinweghelfen. Qu Yuan sah keinen Ausweg mehr. Er beschloss, sich das Leben zu nehmen und stürzte sich in den Fluss Mi Lo. Einheimische Fischer versuchten, ihn zu retten. So schnell sie konnten, fuhren sie mit ihren drachenbootähnlichen Kanus einem Wettrennen gleich auf den Fluss hinaus. Laut klatschten sie mit ihren Paddeln aufs Wasser, um die bösen Geister zu vertreiben und die gefräßigen Fische mit dem Füttern von Klebreiskuchen davon abzuhalten, ihren geliebten Dichter anzuknabbern. Ihre Mühe aber war vergebens. Qu Yuan blieb verschwunden.

Die Tragödie soll sich vor etwa 2300 Jahren abgespielt werden. Das jedenfalls besagt eine südchinesische Legende – aber nicht irgendeine, sondern eine ganz besondere, die den Ursprung gelegt haben soll für Paddelwettkämpfe. Qu Yuan zu Ehren, der als „Vater der Drachenbootrennen“ gilt, treffen sich in China auch heute noch im vierten und fünften Monat unserem Kalender nach, meist im Mai oder Juni, Männer zum Drachenbootrennen. Höhepunkt ist ein Fest der Freundschaft, mit besonderen Speisen und einem farbenprächtigen Bootsrennen, aus dem sich das mittlerweile traditionelle Drachenbootrennen entwickelt hat.

1976 fanden in Hongkong die ersten Bootsrennen statt, an denen auch nicht-chinesische Teams teilnahmen. Internationale Rennen gibt es derzeit in Australien, Kanada, Neuseeland, Malaysia, Südafrika und Europo. Das erste Drachenbootrennen in Deutschland fand 1987 im Rahmen der Kanurennsport-WM in Duisburg statt, im Jahre 1989 kam es vereinzelt vor allem in Norddeutschland zur Gründung von Teams.

Seit 2003 gibt es den Drachenbootsport in Hameln. Frauen sind ebenfalls involviert. Ins Leben gerufen wurde der Sport vom Kanu-Club Hameln. „Wir bieten Leuten die Möglichkeit, den Drachenbootsport aktiv zu erleben“, so Mario Zlobinski, der Vereinsvorsitzende. Aus den Canoe-Rats, der ersten Drachenbootmannschaft des Kanu-Clubs, die auf vielen Regatten erfolgreich waren, bildeten sich bis heute vier Teams: die Crazy Rats, die Canoe Rats, die KV Hameln-Drachen und das ProTeam Hameln. Sie starten in unterschiedlichen Leistungsklassen, um dem Leistungsstand eines jeden Sportlers gerecht zu werden. „Darüber hinaus haben viele Firmen den Drachenbootsport für sich entdeckt und Betriebsmannschaften gebildet“, erzählt Zlobinski. Gemeinsam in einem Boot zu sitzen, steigere die Teamfähigkeit und die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander.

Internationale Rennen gibt es in Australien, Kanada, Neuseeland, Malaysia, Südafrika und Europa

Das jährliche Highlight ist die Drachenboot-Fun-Regatta im Sommer, die regelmäßig tausende Sportler und Besucher auf das Gelände an der Hafenspitze zieht, um spannende Rennen und Geselligkeit zu genießen. Diesmal findet die Regatta statt am Samstag, 16. Juni, von 9 bis etwa 19 Uhr. Die Vorbereitungen im Kanu-Club laufen auf Hochtouren. „Mit dem ‚Captainsmeeting‘ Ende April ist der Startschuss gefallen für sieben anstrengende, aber schöne Wochen“, so der Vereinsvorsitzende. Abgedeckt worden seien 360 Trainingstermine mit 25 Steuerleuten. Auch ein Steuerlehrgang auf der Weser habe bereits stattgefunden, um die stehende Position beim Steuern eines Drachenboots auf ein qualitativ hohes Niveau zu bringen.

An den Start gehen diesmal 64 Mannschaften – alte Bekannte, Wiedereinsteiger und Neulinge. Sämtliche Plätze der 16. Fun-Regatta sind vergeben. Ein Neuling, die „Emmer Piraten“, ergatterte den ersten Startplatz. Auf Platz 64 startet mit der „Drachenboot AG“ des Schiller-Gymnasiums ebenfalls ein Neuling. „Wer weiterhin noch Interesse hat, kann sich natürlich anmelden und kommt auf die Warteliste“, erklärt Zlobinski. Sollte wider Erwarten noch ein Team abspringen, würden die Teams auf der Warteliste nachrücken. An den Start geht auch diesmal wieder der Seriensieger „Biber Bau“ – natürlich mit dem Ziel, die Regatta ein weiteres Mal zu gewinnen. Bei der 16. Auflage werden 17 neue Teams ins Rennen gehen. Unter anderem sind das: „The Paddling Pumps“, die „Ex-Pats und die „Binder-Hydrostars“. Auch einige Teams, die in den vergangenen Jahren ausgesetzt haben, sind wieder mit von der Partie – beispielsweise die „Justizdrachen“, die „Reha-Dragons“ oder die „Brillen-Galeere“.

Die Wettkampfstrecke bei der Fun-Regatta auf der Weser ist 250 Meter lang. Das entspricht den internationalen Wettkampfstrecken von 250 bis 500 Metern. Spitzenmannschaften benötigen für die 250-Meter-Strecke knapp eine Minute. In jedem Boot sitzen 18 bis 20 Paddler nebeneinander in zwei Reihen. Im Bug befindet sich ein Trommler, der entgegen der Fahrtrichtung auf einem Podest sitzt und mit lauten Trommelschlägen die Paddelfrequenz vorgibt. Im Heck steht ein Steuermann (oder eine Steuerfrau), der mit einem langen Steuerpaddel die Richtung des Bootes bestimmt. Ganz schön anstrengend, denn ein Drachenboot ist zwölfeinhalb Meter lang und etwa 1,20 Meter breit. Moderne Boote sind aus Kunststoff und wiegen rund 250 Kilogramm – ein Leichtgewicht im Vergleich zu den klassischen Bootstypen, die aus massivem Holz gefertigt und bis zu einer Tonne schwer waren.

Zu den vielen Vorbereitungen der Fun-Regatta gehören nicht nur die umfangreichen Trainingseinh+eiten, das Aufpolieren der Boote und die Reinigung des Geländes, sondern auch ein Großeinkauf an Lebensmitteln. Benötigt werden unter anderem etwa 400 Brötchen, 42 bis 50 von den Vereinsfrauen selbst gebackene Kuchen, etwa 2000 Bratwürstchen, große Portionen Pommes und Weißbrot sowie jede Menge Getränke, um nur einiges zu nennen. Darüber hinaus wird die Veranstaltung auch wieder von einem Imbissstand kulinarisch unterstützt – natürlich mit chinesischen Spezialitäten, wie es sich bei einer Regatta mit chinesischen Wurzeln gehört.

Termin: Am Samstag, 16. Juni, findet ganztägig die 16. Hamelner Drachenboot-Fun-Regatta auf der Weser statt.

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