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Die Hitze dieses Sommers beflügelt die Wein-Visionen der Winzer-Pioniere

Weinanbau in Niedersachsen

Wein aus dem Weserbergland? Oder dem Harz? Niedersächsische Winzer-Neulinge denken angesichts des heißen Wetters bereits über die erste Weinlese nach.

veröffentlicht am 30.08.2018 um 14:41 Uhr

Franz Faupel (von li nach re.), Reinhard Burghardt und Alfred Diedrich, alle Winzer vom Hildesheimer Weinkonvent, stehen im Weinberg im Garten des Magdalenenklosters. Foto: dpa

Autor:

Ralf E. Krüger
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Gerd Brinkmann ist einer von Niedersachsens Winzer-Pionieren. „Teutoburger Südhang“ nennt er liebevoll seinen 1,5 Hektar großen Weinberg in Bad Iburg im Südwesten des Landkreises Osnabrück. Dabei stehen seine rund 5000 Rebstöcke erst seit Mai. Doch das heiße Sommerwetter befeuert seine Träume. „Wir sind Hitze-Gewinner“, sagte Brinkmann, „die Reben wachsen enorm schnell und haben schon eine Größe erreicht, bei der sie anfangen, sich zu verzweigen.“ Obwohl mit dem ersten Ertrag eigentlich erst in drei Jahren zu rechnen wäre, will er im kommenden Jahr erste Versuche mit der Weinlese starten. Er setzt auf Weißwein und Rosé.

„Ein interessantes Experiment“, sagt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke, der die Landwirte in diesem Jahr mit Blick auf die sich verändernden Witterungsbedingungen zur Suche nach Alternativen ermuntert. Weinreben könnten dazu gehören.

Die Hitze dieses Sommers beflügelt nicht nur bei den Brinkmanns die niedersächsischen Wein-Visionen. „Wenn der Klimawandel sich wirklich so fortsetzen sollte und die Temperaturen dauerhaft so bleiben, dann könnte Niedersachsen auf geeigneten Böden durchaus erfolgreich Wein anbauen“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Er sehe zwischen Heide, Harz und Nordseeküste Potenzial für leichte, frische Weißweine. Jedoch verlaufe der Klimawandel nicht linear, sondern in Wellen.

Rebstöcke stehen auf einer Anbaufläche im südlichen Niedersachsen. Ein Hobby-Winzer baut dort die Sorten Riesling und Solaris an. Foto: Swen Pförtner/dpa
  • Rebstöcke stehen auf einer Anbaufläche im südlichen Niedersachsen. Ein Hobby-Winzer baut dort die Sorten Riesling und Solaris an. Foto: Swen Pförtner/dpa
Hobby-Winzer Michael Winkler hält in Lenglern (Niedersachsen) auf seiner Anbaufläche Weintrauben in den Händen. Foto: Swen Pförtner/dpa ´
  • Hobby-Winzer Michael Winkler hält in Lenglern (Niedersachsen) auf seiner Anbaufläche Weintrauben in den Händen. Foto: Swen Pförtner/dpa ´

Vor allem pilzresistente und frühreife Sorten wie Solaris seien in Niedersachsen wohl geeignet. Allerdings warnt der Experte angesichts der geschätzten Kosten von rund 25 000 Euro für das Anlegen von einem Hektar Rebfläche vor hohen Einstiegskosten. Die Vorgabe, in drei Jahren alles bepflanzen zu müssen, erhöht den Druck bei den Neu-Winzern. Viele setzen auf Improvisation - und Entwicklungshilfe aus Deutschlands klassischen Weinanbauregionen, wo man Niedersachsens Weinexperimente interessiert verfolgt. Die Winzer-Pioniere sind oft Autodidakten, bei denen der Enthusiasmus den Mangel an Knowhow und Spezialwerkzeug wettmacht.

Niedersachsen hatte 2016 nach einer weinrechtlichen Neuerung vom Bund Anbaurechte bekommen - seitdem erhielten 13 Antragsteller Genehmigungen zum professionellen Weinanbau. Die neuen Weinbauflächen befinden sich in den Landkreisen Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Schaumburg, Ammerland, Osnabrück, Uelzen, Grafschaft Bentheim, Friesland, Lüchow-Dannenberg sowie in der Region Hannover. Bis Mitte Januar waren aber erst 2,2 Hektar der möglichen 13,66 Hektar mit Reben bepflanzt. Mittlerweile wird die Zahl aber weitaus höher geschätzt.

Zu den Neu-Winzern gehört auch der ursprünglich aus dem Rheingau stammende Apotheker Michael Winkler. Auf seinem bei Göttingen gelegenen Weinberg in Lenglern hat er bereits 1,3 Hektar bepflanzt. Er baut neben Riesling- auch Solaris-Rebstöcke an, die auch eine Gruppe von Ostfriesland-Liebhabern erwägt. Sie planen künftig Weinanbau in der Nähe der Waterkant zwischen Aurich und Leer und haben dafür im Vorjahr die „Erste Ostfriesische Winzergenossenschaft“ gegründet. Organisator Torsten Oltmanns sagt auf die Frage nach einer geeigneten Fläche: „Wir haben bereits etwas gefunden“, gibt aber auch zu: „Das ist alles noch etwas kompliziert.“

Gewerbsmäßigen Weinanbau im großen Stil gibt es in dem norddeutschen Flächenland also noch immer nicht. In der Hildesheimer Innenstadt etwa gibt es Reben im bischöflichen Magdalenengarten. Möglich machte es eine Genehmigung für den hobbymäßigen Anbau - von bis zu 99 Weinreben. Dieses Jahr rechnet Alfred Diederich vom Weinkonvent mit einem qualitativ guten Jahrgang für 200 Flaschen. So bleibt Niedersachsen vorerst ein Außenseiter in Sachen Weinanbau.



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