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Würdige Siegerin, überraschende Erfolge

Was vom ESC 2018 bleibt

In einem packenden Finale voller Favoriten, in dem zum Schluss fast alle mit einem Außenseitersieg rechneten, hat sich mit der Israelin Netta am Ende doch die Kandidatin durchgesetzt, der auch im Vorfeld die größten Siegchancen eingeräumt wurden. „Toy“ ist ein würdiger Sieger, der die #MeToo-Botschaft mit Selbstbewusstsein und viel Spaß rüberbringt und die Einzigartigkeit feiert.

veröffentlicht am 13.05.2018 um 16:46 Uhr

Public Viewing in Lissabon. Foto: mz
Autor: Michael Zimmermann

Was sonst noch vom ESC 2018 bleibt:

1. Warum Zypern sowohl von den Jurys als auch vom Publikum viele Punkte bekam und als einzige den israelischen Sieg noch in Gefahr brachte, wird wohl ein Geheimnis bleiben. In einem Teilnehmerfeld, das mit deutlich stärkeren Statements aufwartet, sollte normalerweise nicht mehr als Platz 12 drin sein. Andererseits: Die Nummer ist ein Sommerhit, professionell verpackt und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Sie will nicht mehr sein als gute Unterhaltung.

 

2. Echtheit, Herz und ein bisschen Humor waren der Schlüssel zum Erfolg. Alle, die in den Top 5 landeten, konnten mit wenigstens einem dieser Elemente aufwarten. Die Beiträge aus Moldau und Litauen haben zudem gezeigt, dass es nicht Zehntausende Euro für Feuerwerk, Kostüme und LED-Wände braucht, um sich charmant in Szene zu setzen. Frankreich und Norwegen kamen mit ihren kühlen Darbietungen weniger gut an. Schade, dass dabei die berührende Komposition der Gastgeber ein wenig unterging.

 

Public Viewing in Lissabon. Foto: mz
  • Public Viewing im Eurovision Village auf dem Praça do Comércio in Lissabon. Foto: mz

3. Die größte Überraschung: Österreich und Deutschland, vor wenigen Jahren noch mit null Punkten gemeinsam auf dem letzten Platz, boten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Rang drei. Michael Schulte lieferte auf den Punkt große Emotionen, die echt wirkten und auf der Bühne endlich einmal gut aussahen. Dass der NDR in diesem Jahr mit einem fertigen Konzept zum ESC gereist ist, hat sich ausgezahlt. Vor allem die Nachbarn in Dänemark, den Niederlanden und der Schweiz ließen sich davon berühren.

 

4. Wenn die Verantwortlichen bei der ARD damit fertig sind, sich selbst auf die Schulter zu klopfen, sollten sie aber weiter an Veränderungen im Vorentscheid arbeiten. Sonst ist der mühsam hergestellte Anschluss an die Spitze schnell wieder verloren.

 

5. Während sich auf den ersten zwei Plätzen Publikum und Jurys weitgehend einig waren, unterschieden sich die restlichen Bewertungen in vielen Ländern deutlich. Die professionell dargebotenen Hochglanz-Shows von Australien und Schweden honorierten die Jurys deutlich besser als die Zuschauer, die sich davon kaum angesprochen fühlten und sie nach unten durchreichten. Umgekehrt punkteten Dänemark, die Ukraine und vor allem Italien beim Publikum, dass sich insgesamt deutlich geschmackssicherer zeigte als die sogenannten Expertengruppen, die eigentlich für ein höheres Niveau sorgen sollen.



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