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Wir haben nachgefragt

Was machen die Abiturienten vom letzten Jahr heute?

Wenn junge Menschen die Schule verlassen, haben sie Träume und manchmal auch Flausen im Kopf. Im Sommer 2017 haben wir Sina, Jana, Fabian und Jonas nach ihren Plänen für die Zukunft gefragt. Jetzt ist Zeit für ein erstes Update: Was ist aus ihnen geworden? Wir haben wieder mit ihnen gesprochen – und sind auf eine Globetrotterin, einen Bodenständigen, eine Strategin und einen Austester gestoßen.

veröffentlicht am 26.03.2018 um 13:59 Uhr
aktualisiert am 10.04.2018 um 09:50 Uhr

Im Paradies angekommen: Jana Weber aus Hameln macht „Work and Travel“ in Neuseeland. Erst danach will die Abiturientin ihren beruflichen Werdegang planen. Foto: Privat

Autor:

Hannah Jasper
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Es ist wie ein wahrgewordener Traum“, sagt Sina Atapattu. Die Studentin macht gerade ein Praktikum an einer Grundschule in der Nähe von Göttingen. Sie will Grundschullehrerin werden. Um diesem Traum näher zu kommen, studiert sie seit dem Wintersemester Lehramt für Deutsch und evangelische Religion an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. So hatte die Hamelnerin es nach ihrem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium geplant – und so zieht sie es auch durch. „Bis zum vierten Semester möchte ich hier studieren und mich dann in Koblenz auf Grundschullehramt spezialisieren“, denkt die 19-Jährige strategisch. „Ich bin sehr zufrieden“, schwärmt sie. „Anfangs ist alles ziemlich aufregend, denn man weiß noch nicht, was auf einen zukommt. Besonders für Religion muss man sich interessieren und bereit sein, mehr dafür zu tun als in der Schule. Man muss auf jeden Fall immer offen sein und darf das Interesse nicht verlieren.“

Auch Fabian Brockmann wusste nach dem Abi am Einstein-Gymnasium, was er wollte: Chemie studieren. Doch dann kam alles anders. „Ich habe Chemie in Göttingen studiert, denn ich mochte das Fach eigentlich sehr gerne“, erzählt der heute 20-Jährige. „Ich bin mit einem unheimlichen Wissensdurst an die Uni gekommen, doch schon nach kurzer Zeit war er versickert. Der Chemieunterricht in der Schule war ganz anders und an der Uni hat es mir nicht mehr wirklich gefallen.“ Nach wenigen Wochen hat Fabian sein Studium abgebrochen, ist aber um eine Erfahrung reicher: „Wenn ich das Studium nicht gemacht hätte, würde ich niemals wissen, wie es ist. Ich war danach erst mal sechs Wochen in Irland, bin ein bisschen rumgereist und habe gejobbt.

Im November habe ich dann angefangen, mich nach Studiengängen an der Hochschule Weserbergland zu erkundigen. Mir war klar, dass ich nach der Zeit in Göttingen wieder in die Region zurück will, da ich hier viele Freunde habe und es mir hier einfach gut gefällt.“ Er entschied sich, von Chemie zum Glas zu wechseln – und für einen dualen Studiengang als Wirtschaftsingenieur für Glastechnik bei der Ardagh Group in Bad Münder. „Ich wollte einfach mehr zu tun haben als in der Uni, eingespannt sein und mich gebraucht fühlen. Ich wollte die Theorie auch in der Praxis sehen können und nicht nur auswendig lernen“, sagt Fabian.

Jonas Kammel hat nach seinem Abitur eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker begonnen. Foto: Privat
  • Jonas Kammel hat nach seinem Abitur eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker begonnen. Foto: Privat
Fabian Brockmann hat von Chemie zu Glas gewechselt: Nun macht er ein duales Studium. Foto: Privat
  • Fabian Brockmann hat von Chemie zu Glas gewechselt: Nun macht er ein duales Studium. Foto: Privat
Zieht ihren Plan durch: Sina Atapattu will Lehrerin werden. Foto: Privat
  • Zieht ihren Plan durch: Sina Atapattu will Lehrerin werden. Foto: Privat

Man sollte nach dem Abi ein paar Dinge ausprobieren, bevor man sich auf etwas festlegt.

Fabian Brockmann, Dualstudent

Jonas Kammel kann das gut nachvollziehen. Er ist direkt nach dem Abitur in Hameln geblieben, hat sich gegen ein Studium entschieden. Seit August macht er ganz bodenständig beim Hamelner Schiffsgetriebehersteller Reintjes eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. „Die Kollegen sind alle sehr nett und es herrscht ein gutes Miteinander. Für mich war das die richtige Entscheidung. Ich bin sehr zufrieden, da es mir viel Spaß macht“, erklärt der 19-Jährige. Für Jonas hat die Ausbildung im Vergleich zum Studium entscheidende Vorteile: „Man hat eine gute Abwechslung aus praktischem Arbeiten und theoretischem Lernen. Außerdem hat man vor Ort auch ältere Kollegen, die einem aus ihrem Erfahrungsschatz Tipps und Hinweise für die Praxis mit auf den Weg geben können.“

Dual-Student Fabian hat noch einen Vorteil auf Lager, wenn man bereits im Job lernt: „Ich verdiene mein eigenes Geld und bin nicht mehr von meinen Eltern abhängig, das gibt mir ein gutes Gefühl. Viele Studenten werden ja von ihren Eltern finanziert.“

Um das zu vermeiden, verdient sich Lehramtstudentin Sina neben ihrem Studium als Kellnerin noch etwas dazu. „Ein Nebenjob im Sommer hat sich zeitlich nicht ergeben. Ich habe stattdessen einfach den Sommer genossen, Bewerbungen geschrieben und meine Familie im Schwarzwald besucht. Deswegen habe ich für den Motorradführerschein, den ich geplant hatte, im Sommer auch nur die Theorieprüfung geschafft. Aber sobald ich mit meinem Praktikum fertig bin, mache ich die Praxisprüfung“, sagt sie.

Die Vierte im Bunde, Jana Weber, hat im letzten Sommer ihre Koffer für einen Auslandsaufenthalt gepackt. „Für mich stand die Wahl zwischen Australien, Kanada und Neuseeland an. Als ein Freund von mir ständig von Neuseeland geschwärmt hat, stand es für mich fest. Seit September bin ich in Neuseeland und mache Work-and-Travel.“ Dabei reist sie von Ort zu Ort und verdient sich das Geld zum Weiterreisen über kleine Jobs. „Hier gibt es traumhafte Strände, riesige Sanddünen, Wasserfälle und Gebirge, Regenwälder, Fjorde und Gletscher. Hier kann man sozusagen die ganze Welt innerhalb eines Landes sehen“, schwärmt die Hamelnerin.

„Wenn man lange ins Ausland möchte, sollte man vor allem spontan sein. Zudem sollte man keine Angst haben, auf fremde Leute zuzugehen.“ Scheu vor dem Alleinreisen hat Jana nicht. „Meine Reise alleine zu starten war voll und ganz die richtige Entscheidung. Ich habe bereits am ersten Tag einige nette Leute kennengelernt, mit denen ich viel Zeit verbracht habe und immer noch Kontakt habe.“ Jana will noch bis Juni bleiben, wenn in Neuseeland der Winter beginnt. Und dann? Die 19-Jährige möchte „wahrscheinlich in den medizinischen Bereich gehen, da ich mich sehr dafür begeistere, Menschen zu helfen. Einen festen Plan habe ich noch nicht“.

Azubi Jonas denkt hier einen Schritt weiter: „Wenn ich mit meiner Ausbildung fertig bin, möchte ich mich auf jeden Fall noch weiterbilden, entweder möchte ich dann noch studieren oder den Meister machen. Ich habe aber noch ein paar Jahre Zeit, mir darüber Gedanken zu machen.“ Jonas‘ Tipp für alle Abiturienten: „Wer sich noch nicht sicher ist, kann beispielsweise in den Ferien ein paar Praktika absolvieren, um zu sehen, ob es ihm oder ihr Spaß macht.“ „Man sollte nach dem Abi auf jeden Fall ein paar Dinge ausprobieren, bevor man sich auf etwas festlegt“, rät auch Fabian, der den Wechsel hinter sich hat.



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