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Wie Heidschnucken-Lamm Rieke aufgepäppelt wurde – und tierische wie menschliche Freundschaften schloss

Was für ein ungewöhnliches Wettrennen

Ein Herz und eine Seele – das gilt nicht nur für Gundula Wegner und Heidschnucke Rieke. Das zwei Monate alte Lamm, von der Hajenerin mit der Flasche großgezogen, tollt durch die Feldmark mit dem Familienhund Louis und Charlie aus der Nachbarschaft. Eine ungewöhnliche Geschichte aus dem Weserdorf Hajen.

veröffentlicht am 22.06.2018 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 22.06.2018 um 19:10 Uhr

Auf die Plätze, fertig – los: Aus einer spontanen Idee entsteht der originellste Wettlauf im Weserbergland. Louis, Charlie und Rieke starten in Hajen auf ihrer Rennstrecke in der Feldmark. Foto: C. Schnell
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Eine bewegende Geschichte allemal dokumentiert die Fotoserie von Carmen Schnell vom ungewöhnlichsten Wettrennen des Weserberglandes mit den ungleichen Vierbeinern, berührende Erlebnisse sind es, die dazu Gundula Wegner erzählt. „Sie ist mir ans Herz gewachsen“, sagt die Ersatzmutter über die kleine Heidschnucke. Sie hat das Lamm wohl vor dem Tod bewahrt. Kaum noch vorstellbar, wenn Rieke heute neugierig durch den Garten läuft. „Gut im Futter“, sagt die 49-Jährige über das Lamm, das sich an ihre Schulter kuschelt, um anschließend auf den Tisch zu springen, während im Hintergrund die Hühner gackern. „Ganz schön frech“, lacht Wegner.

„Ein kleines Häufchen Elend“ – so hat sie den Tag in Erinnerung, als sie Rieke bei sich zu Hause am Ortsrand des Emmerthaler Weserdorfes aufnahm. Bei einem Spaziergang am 23. April hatte sie zuvor bei der Heidschnuckenherde die Geburt beobachtet. Zwillinge kamen an diesem Sonntagmorgen auf die Welt. Die Mutter wollte sie aber nicht annehmen. Während Riekes Bruder mehr Milch bekam, verlor das zweite Neugeborene zusehends an Kräften. Die kleine Heidschnucke werde wohl sterben, wenn sie weiterhin keine Milch trinke, antwortete der Besitzer der Herde, als sich Gundula Wegner am zweiten Tag nach ihr erkundigte. „Das darf nicht sein“, reagierte die Tierfreundin mit dem Vorschlag, Rieke selbst aufzuziehen. „Alle vier Stunden die Milchflasche“, erlebte sie zunächst schlaflose Nächte. Doch ihr Einsatz zahlte sich aus. Rieke erholte sich zusehends. Morgens und abends die Milchflasche – das reicht inzwischen aus. Das Lamm findet mittlerweile an allem Grünen Geschmack, das Obst im Garten ist längst nicht mehr vor ihr sicher.

Rieke weicht ihrer Ersatzmutter kaum von der Seite. Auf ihren Spaziergängen begleitet die kleine Heidschnucke sie durch die Feldmark. Eine Leine? „Brauchen wir nicht – sie läuft einfach neben mir her“, erzählt die 49-Jährige. Das Gartentor könne ruhig offenstehen. Weglaufen? Keine Sorge. „Und Rieke hört besser auf mich als Louis“, schmunzelt sie, dass ihr sechs Jahre alter Hund weniger auf ihre Rufe reagiert. Natürlich sei der wesentlich kleinere Havaneser-Hund zunächst eifersüchtig gewesen auf den Familienzuwachs. Das habe sich aber schnell gelegt. „Die lieben sich“, erzählt sie über die Tierfreundschaft.

Eine ungewöhnliche Freundschaft: Gundula und Peter Wegner mit Heidschnucke Rieke und Familienhund Louis. Foto: cb
  • Eine ungewöhnliche Freundschaft: Gundula und Peter Wegner mit Heidschnucke Rieke und Familienhund Louis. Foto: cb
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Ein besonderes Trio
Quelle: Carmen Schnell / cb

Dass mit dem Nachbarhund Charlie vor wenigen Tagen erstmals das ungewöhnliche Rennen einer ungleichen Teilnehmerschar an den Start ging, entstand aus einer spontanen Idee heraus. Carmen Schnell war auf der Suche nach einem originellen Foto – und bekam die passenden Motive besser als erwartet im Weserdorf vor die Linse.

Rieke, Charlie und Louis stellen sich in Startposition, während Gundula Wegner am Ende der Laufstrecke schließlich die Namen der Tiere ruft. „Dann kamen sie alle angewetzt“, erzählt sie. Und Ehemann Peter fügt hinzu: „Die haben richtig Gas gegeben.“

Bei aller Freude, die das Ehepaar mit dem ungewöhnlichen Familienzuwachs erlebt: Das Ende dieser Beziehung zeichnet sich ab. Rieke soll bald zu ihren Artgenossen zurückkehren. Wehmut kommt auf bei den Eheleuten. „Mir fällt der Gedanke schon schwer, sie wieder abzugeben“, sagt die Hajenerin, liefert aber gleichzeitig die einleuchtende Begründung für ihren bevorstehenden Schritt. „Schließlich ist eine Heidschnucke ein Herdentier.“



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