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Wann gab es die ersten Polizistinnen?

Bis zum 24. März ist im Hameln-Pyrmonter Kreishaus die Ausstellung „Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft“ zu sehen. Zusammengestellt hat sie der wissenschaftliche Leiter des Polizeimuseums Niedersachsen, der sich in seiner Promotion mit den Anfängen der Polizeiarbeit für Frauen in Deutschland befasste.

veröffentlicht am 08.03.2016 um 09:38 Uhr

Herr Dr. Götting, wann gab es die ersten Polizistinnen?

Los ging es 1903 in Stuttgart mit der ersten Polizeiassistentin Henriette Arendt. In der preußischen Provinzhauptstadt Hannover gab es 1904 die erste Frau als Polizeiassistentin. Das waren Vorläuferinnen der eigentlichen Polizistinnen. Die Assistentinnen sind nicht von der Polizei gewünscht worden, sondern sind von der bürgerlichen Frauenbewegung in die Polizei sozusagen hineingedrückt worden. Die Polizei hat darauf nicht gewartet.

Wer galt als Vorkämpfer?

Der Beginn ist Teil einer spannenden Entwicklung der Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das resultierte aus deren Engagement zu der Zeit. Genauer gesagt war es die bürgerliche Frauenbewegung. Sie hatte bestimmte Ziele verfolgt. Ein Ziel war es, auf dem Weg der Emanzipation für bürgerliche Frauen Berufe zu schaffen. Für die war es im ausgehenden 19. Jahrhundert, auch noch im 20. Jahrhundert, nicht schicklich, zu arbeiten. Es gab deshalb für bürgerliche Frauen keine Berufe. Für Witwen und Unverheiratete entstanden so prekäre Situationen. Das große Ziel war die politische Gleichstellung und die führte auch über Arbeitsstellen bei der Polizei.

Können Sie etwas zum anfänglichen Umgang zwischen männlichen und weiblichen Kollegen sagen?

Die männlichen Kollegen waren anfangs distanziert, weil sie den Umgang mit Frauen nicht kannten. Uniformierte Wachtmeister im Kaiserreich waren ehemalige Soldaten und auf dem Kasernenhof gab es keine Frauen. Daher waren sie etwas verunsichert. Im Kaiserreich wurden die Frauen eingesetzt, um von der Polizei aufgegriffene Menschen, vor allem Jugendliche und Frauen, die in Polizeigewahrsamzellen eingeliefert wurden, sozial zu betreuen. Die Verbindung von sozialer Arbeit und Polizei war modern und neu. Die Frauen trugen eine Schwesterntracht als Uniform. Sie konnten ja keine Uniform mit Pickelhaube tragen – das hätte zu albern ausgesehen.

Seit wann versehen Polizistinnen Dienst in Hameln?

Die Weibliche Kriminalpolizei als Nachfolger der Polizeiassistentinnen war in Preußen 1926 gegründet worden. Hameln war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nur eine Kriminalaußenstelle. Für die Nachkriegszeit lassen sich zwei Kriminalbeamtinnen nachweisen, die unmittelbar nach 1945 eingestellt wurden. Bis 1974 gab es die Regelung, dass Kriminalbeamtinnen ihre männlichen Kollegen nur bei der Bearbeitung von Delikten von Frauen und Kindern unterstützen durften. Danach standen ihnen alle Bereich der Kripo offen. Ihre gute Arbeit war der Anlass, ab 1981 Frauen auch in der Schutzpolizei einzustellen.



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